Energie - Bürgerinfo zum geplanten Windpark in Kettenacker: vorwiegend skeptische Stimmen aus der Bevölkerung

Im Prinzip ja, aber mit Abstand

VON JOACHIM BAIER

GAMMERTINGEN-KETTENACKER. Einen Windpark mit zehn Megawatt Leistung möchte die Gammertinger Energie- und Wasserversorgung (GEW) nördlich von Kettenacker bauen. Ihre Projekt-Pläne sind noch im Anfangsstadium. Doch schon regt sich Widerstand. Die Windräder würden zu nahe am Dorf errichtet, fürchten einige der Bewohner. Beim Infoabend am Freitag konnte sich Bürgermeister Holger Jerg ein Bild von der Stimmungslage vor Ort machen. Der Saal im Bürgerhaus war nahezu voll besetzt.

Großes Interesse aber auch Distanz bis hin zur Ablehnung waren bei der Debatte deutlich zu spüren. Er wolle die »Bürger mitnehmen«, betonte Holger Jerg und versprach frühzeitige Aufklärung, Transparenz und Beteiligung.

Riesiger Nachholbedarf

Wilfried Franke, Verbandsdirektor des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben, erläuterte die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Ausweisung von Windkraft-Standorten. Das politische Ziel laute: bis 2020 zehn Prozent des Stroms aus Windkraft. »Wir haben einen riesigen Nachholbedarf.« Jede der zwölf Regionen in Baden-Württemberg müsse in den kommenden zehn Jahren rund hundert Anlagen bauen, schätzt der Verbandsdirektor. »Mit Kosmetik kommen wir da nicht weiter.«

Der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben, dem die Stadt Gammertingen angegliedert ist, stützt sich bei seinen Ausbau-Plänen auf den sogenannten Windatlas. Rund zwölf Prozent der Regionsfläche bieten ausreichende Windverhältnisse für eine rentable Energie-Nutzung. Schutzgebiete jeder Art sind jedoch tabu. Unterm Strich würde ein Prozent der Fläche, insgesamt 3 600 Hektar, für potenzielle Standorte übrig bleiben, informierte Franke. Ziel sei, die Anlagen in Windparks zu konzentrieren.

Auch die Abstände von Windrädern zur Besiedelung sind gesetzlich geregelt: Sie dürfen in 700 Metern Distanz zu Wohngebieten gebaut werden, 300 Meter beträgt das Limit bei Gewerbegebieten, in Kurgebieten sind tausend Meter vorgeschrieben.

»Sind wir weniger wert als Kurgäste?« Viele Skeptiker meldeten sich bei der Diskussionsrunde zu Wort. Einige fürchten einen Wertverfall ihrer Immobilien, andere sorgen sich um Landschaft und Lebensqualität. Ein Zuhörer führte sogar das Argument ins Feld, der von Windrädern verursachte Infraschall könne Krebs erzeugen. Im Prinzip sei er nicht gegen Windkraft, stellte Edi Biener klar, er verlangt allerdings »2 000 Meter Abstand zu den Häusern«. Dieser Forderung haben sich auf seiner Unterschriftenliste bereits 80 Einwohner aus Kettenacker angeschlossen.

Dr. Reiner Huba von der Projektentwicklungs-Gesellschaft Altus AG in Karlsruhe argumentierte, Windenergie sei eine günstige Stromquelle und wirtschaftlich konkurrenzfähig. Sowohl Kommunen als auch die Bürger könnten von Gewerbesteuer-Einnahmen, Pachterlösen oder von Anteilsscheinen profitieren. Er versicherte, »die Bevölkerung steht an erster Stelle. Wir wollen Nutzungskonflikte minimieren.«

GEW-Geschäftsführer Manfred Schaller wies darauf hin, dass die Windpark-Pläne erst im Anfangsstadium seien. Zunächst wären weitere Messungen notwendig. Erst dann werde deutlich, ob solch ein Projekt auch wirklich Sinn mache. »Es ist sicherlich nicht die letzte Versammlung zu diesem Thema«, kündigte Bürgermeister Jerg an. (GEA)



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