Kultur - Beim ersten South-Folk-Festival in Münsingen dürfen Besucher am 7. September selbst mitspielen und tanzen

Hummel-Musik auf der Hopfenburg

VON MARION SCHRADE

Drehleier und Dudelsack: Beim ersten South-Folk-Festival vom 6. bis 8. September in Münsingen will der Verein Bordun Menschen für diese Instrumente begeistern, die in der Volksmusik fast aller europäischer Länder eine wichtige Rolle spielen. Tilman Teuscher, Hans Lang, Roland Bach, Karin und Uli Vollmer (von links) organisieren die »Bordunale« auf der Hopfenburg.  FOTO: SCHRADE
Drehleier und Dudelsack: Beim ersten South-Folk-Festival vom 6. bis 8. September in Münsingen will der Verein Bordun Menschen für diese Instrumente begeistern, die in der Volksmusik fast aller europäischer Länder eine wichtige Rolle spielen. Tilman Teuscher, Hans Lang, Roland Bach, Karin und Uli Vollmer (von links) organisieren die »Bordunale« auf der Hopfenburg. FOTO: SCHRADE
MÜNSINGEN. »Dudelsack spielen und dabei den Blick über die Alb schweifen lassen.« In seiner Fantasie hat Uli Vollmer das Bild schon genau vor sich. Seine Frau Karin spinnt den Gedanken mit einem Augenzwinkern zu Ende: »Das hat schon was von Highlander.« In der Tat werden am letzten Sommerferienwochenende Menschen aus ganz Deutschland auf die Ferienanlage Hopfenburg in Münsingen kommen, um ihr gemeinsames Hobby zu pflegen: Sie spielen Dudelsack, Drehleier, Schlüsselfiedel, Harfe oder Akkordeon. Mit Rollenspielen oder Kostümfilmen hat das erste South-Folk-Festival vom 6. bis 8. September allerdings rein gar nichts zu tun: Dem Verein Bordun, der das Treffen organisiert, geht es nur um die Musik – erlaubt ist alles, was man auf diesen Instrumenten machen kann.

Historisch und zeitgenössisch

Und das ist, betonen die fünf Festival-Macher, die alle in der Region leben, ziemlich viel und vor allem vielseitig: Stücke aus dem Mittelalter oder aus der Renaissance, aus alten Handschriften und von zeitgenössischen Komponisten, aus Frankreich, Irland, Osteuropa oder Skandinavien. Ihnen allen gemeinsam ist der Bordun, der tiefe, brummende Halteton im Bass: Diese einfache Art der harmonischen Begleitung verbindet die Volksmusik der meisten europäischen Kulturen. Ihr sprechender Name kommt aus Frankreich: Dort heißt die brummende Hummel »bordun«.

Musik aus allen Epochen in allen möglichen Besetzungsvarianten erklingt auf der Hopfenburg nicht für Insider oder gar einen elitären Zirkel, sondern für alle, die Interesse an den typischen Instrumenten der europäischen Volksmusik haben. Zwar rechnen die Veranstalter mit mindestens 150 Festival-Teilnehmern aus der »Szene«, die drei Tage lang gemeinsam spielen und tanzen werden. Manche reisen von weit her an – aus Berlin oder aus Holland zum Beispiel. Am Samstag, 7. September, gibt es aber auch ein öffentliches Programm: Gäste können in Schnupperkursen auch ohne Vorkenntnisse Dudelsack und Drehleier kennenlernen und ausprobieren, Instrumentenbauer stellen ihre Arbeiten aus und abends wird getanzt: Auf den »balfolk« am Abend können sich Neulinge vorher in einem Crashkurs vorbereiten.

»Der Begriff balfolk kommt aus dem Französischen und bezeichnet die Volksbälle im Gegensatz zu den höfischen Bällen«, erläutert Hans Lang aus dem Organisationsteam. Getanzt werden Volkstänze von alten Ketten- und Contretänzen des 17. Jahrhunderts bis hin zu den Modetänzen des 19. Jahrhunderts wie Walzer und Polka. »Bei vielen kann man ziemlich schnell mitmachen«, verspricht Tilman Teuscher, Vorsitzender des Bordun-Vereins. Im Kurs »Überleben auf der Tanzfläche« sollen Anfänger eventuelle Hemmschwellen überwinden.

Die Weitläufigkeit der Ferienanlage in Münsingen wollen die Vereinsmitglieder nutzen: Die Musik spielt an vielen Stellen – je nach Witterung drinnen oder draußen, auf der Wiese, im Backhaus, in der Festscheune oder in Zelten. »Die Planungen laufen seit einem Jahr«, sagt Roland Bach. »In diesen Ort haben wir uns sofort verliebt. Er liegt so schön außerhalb der Stadt, passend zu der recht lauten Musik, die wir manchmal machen.« Deshalb soll es bei einem Mal nicht bleiben: Die Organisatoren hoffen, dass sich das neue Festival etabliert und künftig jährlich auf der Hopfenburg stattfinden kann.

Alle Instrumente mitbringen

Musiker, die nicht Drehleier oder Dudelsack spielen, ermuntern die Festival-Macher ausdrücklich, ihre Instrumente trotzdem mitzubringen – von der Blockflöte über die Geige bis hin zur Gitarre ist alles erlaubt, in kleinen »Jam-Sessions« dürfen sie sich unter die Bordun-Musikanten mischen und sich Ensembles anschließen.

Mit vermeintlichen stilistischen Grenzen kann der Verein ohnehin nichts anfangen. Mit der Mittelaltermarkt-Szene setzen sich die bundesweit 150 Mitglieder ebenso wenig gleich wie mit denjenigen, die die reine Lehre historischer Aufführungspraxis Alter Musik für sich beanspruchen. »Es gibt keine Aufnahmen von damals – wer kann sich schon anmaßen, ganz genau zu wissen, wie die Musik früher geklungen hat?«, sagt Hans Lang. Also wird einfach gespielt und getanzt – damals wie heute aus demselben Grund: aus purer Lebensfreude. (GEA)



FESTIVAL-PROGRAMM

Rund 150 Musiker treffen sich vom 6. bis 8. September auf der Hopfenburg in Münsingen zum ersten South-Folk-Festival. Am Samstag, 7. September, gibt es ab 14 Uhr ein öffentliches Programm mit Schnupperkursen für Borduninstrumente und einem Einführungstanzkurs ins balfolk-Repertoire, Instrumentenbauer stellen ihre Instrumente aus. Der große balfolk in der Festscheune beginnt um 20 Uhr. Bordun-Musiker können sich noch zum dreitägigen Festival anmelden, Gäste, die »schnuppern« wollen, können am Samstagnachmittag spontan dazukommen. (ma)

www.bordun.de

www.hofgut-hopfenburg.de
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