Denkmalschutz - Kleinengstingen feiert den Abschluss der Restaurierungsarbeiten in der Blasiuskirche
Gotteslob in Blüten
Von Christine Dewald
ENGSTINGEN. Eine ganze Weile haben die zwei Jungen der Restauratorin zugeschaut. Bis einer von ihnen sich bei Bärbel Haußmann höflich erkundigte, ob er vielleicht eine Frage stellen darf: »Machen Sie da was weg oder malen Sie was drauf?« Sie macht weg, erfuhr der interessierte Bub - verschiedene Farbschichten unter denen zarte Blütenornamente zum Vorschein kommen.
An den letzten Motivtafeln in der Blasiuskirche arbeitet Bärbel Haußmann mit der üblichen Sorgfalt, aber auch schon mit etwas Trennungsschmerz: »Jetzt sind bald alle Geheimnisse gelüftet.« Denn was unter mehreren Farbschichten zutage kam, war auch für die Restauratorin immer wieder überraschend.
FOTO: Christine Dewald
Draufgemalt hat sie ein anderer, vor langer Zeit. 1770 ist der Rokoko-Schmuck der Kleinengstinger Blasiuskirche entstanden.
Seit sieben Jahren ist Bärbel Haußmann in mehreren Arbeitsphasen in der Kirche zugange gewesen. Im Juli hat für die Mössinger Restauratorin die letzte Etappe in Kleinengstingen begonnen: Bis Ende September wird das letzte von 35 Blumenbildern an der Holzempore freigelegt sein. Ein einziges Emporenfeld bleibt aus konservatorischen Gründen unangetastet. Auch an zwölf Deckenfeldern werden wieder die Motive zu sehen sein, die der Uracher Kunstmaler Johann August Rumny dort anbrachte, als er die Kirche zum Gesamtkunstwerk umgestaltet hatte.
Restauratorin bei der Arbeit
Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 12. September, kann Bärbel Haußmann bei ihrer Arbeit beobachtet werden. Von 14 bis 16 Uhr wird sie in Kleinengstingen sein. Die Blasiuskirche ist noch einige Stunden länger geöffnet, von 10.30 bis 18 Uhr. Die Aktion zum Denkmaltag bildet den Auftakt einer Veranstaltungsreihe zum Abschluss der Restaurierungsarbeiten mit Konzerten, einem Festgottesdienst (Sonntag, 10. Oktober, 10 Uhr) und einem Festvortrag (Sonntag, 17. Oktober, 19 Uhr) über »Das feine Gotteslob des Johann August Rumny«.
Denn genau das wollte der aus einer italienischen Familie stammende Künstler schaffen: schmückende Bilder vom Schönsten der Schöpfung, um damit den Schöpfer zu loben. Blüten, Ranken, feine Blätter zieren nicht nur die Motivtafeln an der Empore und die Decke, sondern auch das Altargitter und die Kanzel. Rumny hat sein Ziel erreicht, denn der heitere, harmonische Anblick der renovierten Blasiuskirche inspiriert noch heute die Besucher. »Eine Stein, Holz, Farben gewordene Mozartsche Kirchensonate«, schrieb einer ins Gästebuch: »Ich habe den Verdacht, dass da der Heilige Geist im Spiel war.«
Erst bei Routineuntersuchungen im Vorfeld der Kirchenrenovierung war 2003 der besondere Schatz der Blasiuskirche entdeckt worden: Rokoko-Malerei in einem selten guten Erhaltungszustand, wie auch die Restauratorin unterstreicht.
Um die Freilegung der Motivtafeln an der Empore und einiger ausgewählter Deckenfelder zu finanzieren, war noch im selben Jahr ein Förderverein gegründet worden. Dass der Verein seither durch Aktionen und Spenden rund hunderttausend Euro zusammengebracht hat, findet sein Vorsitzender Erwin Schneider »unfassbar toll«. (GEA)
Tag des offenen Denkmals
Am Tag des offenen Denkmals (Sonntag, 12. September) sind neben der Blasiuskirche auch die beiden anderen Engstinger Kirchen geöffnet: Die Pfarrkirche St. Martin in Großengstingen und die Marienkirche in Kohlstetten können jeweils von 10.30 bis 19 Uhr besichtigt werden. In Münsingen hat das Alte Schloss von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Im Münster Zwiefalten werden um 11.15 und um 14 Uhr offene Führungen angeboten. In Sonnenbühl-Erpfingen öffnen das Ostereimuseum und das Feuerwehrmuseum (auf Wunsch) jeweils von 13 bis 17 Uhr. In St. Johann können die Würtinger Andreaskirche, die Gächinger St. Georgskirche und die Upfinger Marienkirche zwischen 10 und 18 Uhr besucht werden, ebenso der Aussichtsturm Hohe Warte. (GEA)
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