GEA-Wahlpodium - Wer wird Bürgermeister in Engstingen? Mario Storz und Manfred Jungbeck im direkten Vergleich

GEA-Wahlpodium: Wer wird Bürgermeister in Engstingen?

Von Marion Schrade

ENGSTINGEN. Daran, dass Engstingen eine neue Halle braucht, zweifelte an diesem Abend kaum einer: Die TV-Halle mit ihren knapp 400 Plätzen war bis in die letzte Ecke voll mit Menschen. 4 015 Engstinger dürfen am Sonntag ihren Bürgermeister wählen – Endspurt für Mario Storz (30) und Manfred Jungbeck (50), die sich im Gespräch mit Moderator Roland Hauser und Redakteurin Christine Dewald, beide vom Reutlinger General-Anzeiger, dem direkten Vergleich stellten. Auch der Bewerber der Nein-Partei zeigte Präsenz. Zumindest als stummer Pappkamerad wurde er unter Gelächter auf die Bühne getragen. Der reale Kandidat, Michael Eckardt aus Hannover, wurde in Engstingen nie gesehen.

Zwei Männer, ein Ziel: Mario Storz (links) und Manfred Jungbeck wollen Bürgermeister in Engstingen werden.
Zwei Männer, ein Ziel: Mario Storz (links) und Manfred Jungbeck wollen Bürgermeister in Engstingen werden. FOTO: Jürgen Meyer
Bevor es ans Eingemachte ging – die Themen neue Ortsmitte, Bürgerbeteiligung und Verkehr standen auf der Tagesordnung des GEA-Wahlpodiums – drehte Roland Hauser mit den beiden Kandidaten eine unterhaltsame Warm-up-Runde. Probesitzen auf dem Chefsessel, Baujahr 1988, wie der amtierende Bürgermeister Klaus-Peter Kleiner einwarf, gehörte genauso dazu wie ein Heimat-Quiz und ein paar persönliche Fragen, zum Beispiel die nach dem Lieblingsessen.

Carbonara gegen Maultaschen

Mario Storz offenbarte sich als Meister der Nudel-Variationen und beeindruckte das Publikum mit seinen Spaghetti-Carbonara-Kenntnissen: »Man muss aufpassen, dass das Ei nicht stockt, das sieht sonst nicht so schön aus.« Manfred Jungbeck, der zurzeit als Wirtschaftsförderer bei der Stadt Tauberbischofsheim arbeitet, setzt als Wochenendpendler auf Wegzehrung aus heimischer Fleischereiproduktion: Maultauschen, eingeschweißt, kann er nach eigenen Aussagen fehlerfrei zubereiten.

In Sachen Heimatkunde schenkten sich die potenziellen Bürgermeister nicht viel. Storz punktete mit historischem Wissen und hielt, gefragt nach der Herkunft des Steinbocks im Engstinger Wappen, einen fehlerfreien Spontan-Vortrag über den Fürstbischof von Chur. Kurz machen konnte es Jungbeck, für den die Frage, wogegen Sauerbrunnenwasser hilft, klare Sache war: »Auf jeden Fall gegen den Durst!« Viel Applaus für beide.

Mit kommunalpolitischen Themen stieg GEA-Redakteurin Christine Dewald ins Kandidaten-Duell über drei Runden ein. Bei jeder Frage tickte die Uhr, 90 Sekunden blieben Jungbeck und Storz jeweils, um ihre Meinung auf den Punkt zu bringen. Plus Notfall-Joker für 30 Sekunden Verlängerung. Von der Möglichkeit, dem anderen ins Wort zu fallen, machte keiner Gebrauch, das Duell dominierte nicht Angriffslust, sondern Einigkeit: Auf grundlegende Fragen gaben CDU-Mann Storz und der parteilose Jungbeck meist sehr ähnliche Antworten. Gut möglich also, dass nicht allein fachliche Kriterien und politische Inhalte, sondern vor allem Sympathie-Faktoren den Ausschlag geben, wenn die Engstinger ihr Kreuzchen machen.

Die neue Ortsmitte sehen beide Kandidaten mit gemischten Gefühlen: Mehrzweckhalle? Ja. Sofortige Realisierung? Eher nein. Storz, Diplom-Verwaltungswirt und zurzeit hauptamtlicher Ortsvorsteher in Schmalegg bei Ravensburg, verwies auf Nettoinvestitionsraten, die in Engstingen aktuell bei rund 300 000 Euro liegen. Wird er Rathauschef, will er den Etat konsolidieren und Rücklagen bilden, um die Baufinanzierung auf ein solides Fundament zu stellen. Zustimmung auf ganzer Linie bei Jungbeck, der als Bürgermeister noch einmal die Größe der Halle zur Diskussion stellen würde: »Es wird zu prüfen sein, ob man die Kapazität – bisher geht man von 900 Leuten aus – reduzieren kann.«

Schöne Dörfer, zufriedene Bürger

Die Frage, was aus den Ortskernen werden soll – leere Häuser, leere Läden, triste Fassaden – beantwortete Jungbeck so: »Wir müssen den Konzentrationsprozess in der neuen Ortsmitte mit den Einzelhändlern im alten Ortskern abstimmen. Wir dürfen auf keinen Fall alles komplett abziehen und müssen einen Verlagerungsprozess, der Leerstände nach sich zieht, vermeiden.« Storz konzentrierte sich auf Dorfsanierungsprozesse – der erste Schritt ist in Kohlstetten bereits getan – und versprach, sich für die Aufnahme in Förderprogramme starkzumachen, um sanierungswilligen Privateigentümern so Hilfe anbieten zu können. Überhaupt ist Bürgerbeteiligung für beide ein zentraler Punkt. »Je früher man die Bürger in Entscheidungen einbezieht, desto besser«, sagte Storz. »Das hilft gegen Betriebsblindheit und bringt einen dazu, andere Argumente und Aspekte nicht aus den Augen zu verlieren.« Auch Jungbeck will »Entscheidungen auf breiter Basis treffen« und nicht nur engen Kontakt mit den Vereinen halten, sondern auch mit Unternehmern regelmäßig ins Gespräch kommen.

Das Kreuz mit dem Verkehr

Aufs Stichwort Verkehr waren beide Kandidaten gut vorbereitet: 13 000 Fahrzeuge rollen täglich durch Kleinengstingen, 11 000 durch Großengstingen. Die Zahlen der letzten Verkehrszählung im Jahr 2011 hatten sie parat und den Unfallschwerpunkt an der Friedhofskreuzung ganz oben auf ihrer Agenda. Dass hier das Regierungspräsidium entscheidende Instanz ist – ein Kreisverkehr wurde abgelehnt – wissen beide und wären bereit, die Interessen der Gemeinde dort mit Nachdruck vorzutragen.

Die Frage, wie sie die Situation für Radfahrer verbessern wollen, beantworteten die Kandidaten unterschiedlich: Storz überlegte, es mit einem Randstreifen entlang der Straße zu versuchen. Eine Variante, die Jungbeck nicht weit genug reicht: Zu unsicher, argumentierte er mit Blick auf den Schwerlastverkehr, der an den Schulkindern vorbeidonnert. »Ein richtiges Radwegekonzept gibt es bisher nicht«, sagte Jungbeck, der gerne ein solches entwickeln würde.

Die Kohlstetter haben zwar kein Problem mit Durchgangsverkehr vor ihren Haustüren, dafür aber andere Sorgen. Eine davon gilt der besseren Anbindung an Klein- und Großengstingen. Jungbeck und Storz haben ihre Hausaufgaben gemacht und bei Hausbesuchen auf Wahlkampf-Tour gehört, was sich viele wünschen: Einen Bus von Bürgern für Bürger. Getragen vom Ehrenamt, und, wie beide Kandidaten versicherten, hochwillkommen und vom Bürgermeister in spe nach Kräften unterstützt. (GEA)



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