Erinnerungen - Der Saarländer Werner Niko Resch verbrachte als 15-Jähriger den letzten Kriegswinter auf der Alb

Für ihn war es das Schlaraffenland

HOHENSTEIN/ENGSTINGEN. Werner Niko Resch, gebürtiger Saarländer, lassen die Gedanken an die Schwäbische Alb nicht mehr los, zumal ihm diese Gegend auch nachträglich noch »wie das Schlaraffenland« vorkommt. Kennengelernt hat der heute in Saarlouis lebende und inzwischen 88-jährige Mann die Reutlinger und Münsinger Alb, als er 15 Jahre alt und ein »Kriegskind« gewesen ist. Mit seinen Erinnerungen an diesen letzten Kriegswinter 1944/45, der ihn zusammen mit seiner Familie nach Oberstetten verschlagen hat, wandte sich Werner Niko Resch jetzt an den GEA.

Nicht nur mit einer »weißen Pracht von Schnee«, schreibt der Senior, seien er und seine Familie damals empfangen worden, sondern auch »von einem Schlaraffenland«, von dem man damals nur habe träumen können: »Hier gab es noch Butter, Eier, Mehl -«, während da, wo er hergekommen sei, die Leute gehungert hätten.

Mithilfe in Haus und Hof

Auf dem Weg zu ihrem Evakuierungsort in Süddeutschland wurde der Zug, in dem Werner Niko Resch und seine Familie saßen, kurz nach Mannheim von einem Jagdbomber angegriffen und von zwei Bomben getroffen: »Unser Waggon direkt hinter der Lok blieb noch auf den Gleisen stehen, während hinter uns Waggons auf der Seite lagen oder in die Höhe ragten.« Dass es mehrere Tote gegeben hat, das erfuhren der damals 15-Jährige und auch viele seiner Mitreisenden erst später.

Über Reutlingen ging es danach mit einem anderen Zug bis nach Kleinengstingen, wo »die Landschaft mit einem weißen Kleid bedeckt war und wir erstmals Pferdeschlitten sahen, mit denen man uns zu den Gastfamilien brachte«.

Haare schneiden

Reschs »Gastfamilie« lebte in Oberstetten, wo der junge Mann sowohl bei der Haus- und der Stallarbeit mithalf als auch beim Holzmachen im Wald. »Mit einem Kuhgespann holte man das Holz heim«, erinnert sich der jetzt 88-Jährige, der sich nach dem Krieg seinen Lebensunterhalt erst als Filmvorführer verdiente und danach bis zu seiner Pensionierung im Polizeidienst gewesen ist. Nebenher war Resch für deutsche und französische Zeitungen, aber auch den Rundfunk als freier Mitarbeiter tätig.

Unterwegs habe man im Ort die Öfen gesehen, zu denen die Hausfrauen gingen um dort Brot zu backen. »Es war schon seltsam, dass man dort alles hatte, wozu man daheim (im Saarland) Lebensmittelkarten brauchte.« Im Frühjahr half der Junge bei der Aussaat und später wieder bei der Ernte. »Zwischendurch konnte ich mit dem Fahrrad die Gegend erkunden.« Einmal, erinnert er sich, sei sogar mal der Ortsgeistliche auf den Hof gekommen, um sich von ihm die Haare schneiden zu lassen, denn es gab wohl eine »Handmaschine«, von der auch noch andere Männer profitierten. In der Nähe von Kleinengstingen sei er einmal mit einem Jäger zusammengekommen, der im Waldgelände seinen Hund gesucht habe. So seien sie auch an das »große Loch« gekommen, unter dem sich die Bärenhöhle befindet. Im Sommer 1945 kehrte die Familie ins Saarland zurück.

Den Enkeln viel zu erzählen

Lange nach Kriegsende besuchte Werner Niko Resch, der 1951 in Saarlouis geheiratet hat, noch einmal seine Quartiersleute in Oberstetten und war dabei auch in der Bärenhöhle, die er »völlig verändert« vorgefunden habe, wohingegen ihm auf der Alb vieles noch so bekannt vorgekommen sei.

Der inzwischen 88-jährige Witwer ist Vater von zwei Töchtern und vier Söhnen, von denen zwei Zwillinge sind. Resch lebt nach wie vor in Saarlouis, wo er stolz ist auf seine in Deutschland und Frankreich lebenden zwölf Enkel, denen er ebenfalls schon viel über die Schwäbische Alb habe erzählen können. (GEA)









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