Über die Alb
Diplomprojekt - Das ehemalige Kasernengelände ist für sechs Wochen Produktionsort für ein Spielfilm-Drama

Film-Set im Alten Lager

VON FRIEDEMANN RAPP

MÜNSINGEN. Seltsame Gestalten mit Kabeltrommeln, Scheinwerfern und großen Kisten sind seit einiger Zeit auf dem sonst gespenstisch leeren ehemaligen Militärgelände unterwegs. Geschäftig, bisweilen sogar ein wenig chaotisch geht es im Alten Lager zu. »Ruhe bitte ? wir drehen!« ruft jemand.

In den leer stehenden Gebäuden des Alten Lagers fand das Film-Team für das Projekt "Zweites Leben" ideale Bedingungen zum Drehen. FOTO: PR
In den leer stehenden Gebäuden des Alten Lagers fand das Film-Team für das Projekt "Zweites Leben" ideale Bedingungen zum Drehen. FOTO: PR
Dann ist es plötzlich wieder für einige Momente still zwischen den verlassenen Armee-Baracken. Für sechs Wochen hat sich das einstige Kasernengelände in ein Film-Set verwandelt. Seit Mitte Februar werden dort bis voraussichtlich Ende März Aufnahmen für einen Spielfilm gedreht.

»Zweites Leben« soll der Streifen heißen. Es ist der ambitionierte Diplom-Film von Regisseur Lars-Gunnar Lotz, Kameramann Jan Prahl sowie den Produzenten Sebastian Sawetzki und Manuel Challa. Alle vier studieren an der Ludwigsburger Filmakademie. Angestrebtes Ziel sei die Weltpremiere bei der Berlinale 2012, erklärt Challa.



»Zweites Leben« handelt von dem jugendlichen Straftäter Ben, der im Rahmen des offenen Strafvollzugs die Möglichkeit erhält, noch einmal neu anzufangen. Er sitzt seine Strafe also nicht im Gefängnis ab, sondern lebt mit mehreren jungen Straftätern in Wohngruppen mit normalen Familien zusammen.

Schon bald bemerkt Ben, dass seine Hausmutter Eva eines der Opfer bei einem seiner Überfälle war, der nie aufgeklärt wurde. Weil er sie dabei brutal geschlagen hatte, verlor sie damals ihr ungeborenes Kind. Ben setzt deshalb alles daran, dass diese Geschichte nie ans Licht kommt. Doch in Eva keimt bald ein schrecklicher Verdacht gegen ihn auf, der schließlich zur Gewissheit wird.

Regisseur Lars-Gunnar Lotz erzählt, ein real existierendes Projekt habe ihn zu diesem Film inspiriert, das »Seehaus« in Leonberg. Dort habe er mit Drehbuchautorin Anna Praßler tagelang recherchiert, um dem Film so viel Authentizität wie möglich zu verleihen.
»Waldhaus« heißt die fiktive Einrichtung im Film. Die Szenen, die dort spielen, werden im Alten Lager gedreht. Ein »echter Glücksgriff« sei die Örtlichkeit, freut sich Produzent Manuel Challal. In den ehemaligen Offizierswohnungen übernachtet das Team, im Verwaltungsgebäude haben sie das Produktionsbüro eingerichtet und die Szenenbildner haben im Lager gleich einen ganzen Gebäudekomplex zum Schauplatz »Waldhaus« umgestaltet.

Challal erzählt, dass er zufällig von Bekannten vom stillgelegten Truppenübungsplatz erfahren habe und daraufhin mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die das Gelände verwaltet, in Kontakt getreten sei. Die Bima habe sich sehr entgegenkommend gezeigt und dem studentischen Projekt günstige Nutzungskonditionen eingeräumt. Ein besonders wichtiger Faktor, weil das Budget des Films mit geplanten rund 900 000 Euro Herstellungskosten vergleichsweise knapp bemessen sei.

Das Team schätzt das Alte Lager nicht nur als Kulisse, sondern auch für die Ruhe, die konzentriertes Arbeiten ermöglicht. Vor allem die Schauspieler, die überwiegend aus Berlin stammen, genießen die Atmosphäre und die ländliche Idylle in und um Münsingen.
Für ihn sei der Aufenthalt wie »eine Kur«, bestätigt der 18-jährige Hauptdarsteller Edin Hasanovic, der die Rolle des Ben spielt. Dennoch fühle er sich als Großstadt-Mensch und freue sich, nach den sechs Wochen Dreh in Münsingen wieder in die pulsierende Metropole Berlin zurückzukehren. »Da ist einfach mehr los.« (GEA)

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