Jubiläum - Angriff auf die Lachmuskeln zum 75. Geburtstag der Narrenzunft Horig in Gammertingen
Fasnetsbändel am Laptop und ein Feuerwerk
GAMMERTINGEN. Der Narrenbaum war gestellt, die Besenwirtschaften im Narrendorf waren schon seit Freitag gut frequentiert. Am Samstag steigerten sich die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Jubiläum der Narrenzunft Horig, bevor sie am Sonntag mit dem großen Jubiläumsumzug ihren Höhepunkt erreichten. Nach dem Auftakt mit Narrenmesse und einem »gigantischen pyrotechnischen Schauspiel« versprach Irene Bögle alias Bongie, die beim Zunftabend durchs Programm führte, eine Fortsetzung des Feuerwerks im Hotel Kreuz. Jetzt eines mit Witzen und Pointen.
Köstlich: Moderatorin »Bongie«. FOTO: BUT
Lumpenkapelle, Gospelchor und eine gereimte Predigt über die Freude - würdevoller närrisch hätte der Einstieg in den Jubiläumssamstag nicht sein können. St. Leodegar war voll, Kirche einmal anders. Von dort ging's im Fackelzug zum Fürstengarten und damit zum großen Jubiläumsfeuerwerk, das, wie Landrat Dirk Gaerte später im Kreuz bekannte, das schönste gewesen sei, »das er in seinem kleinen Leben gesehen« habe. Der Saal war voll mit Ehrengästen, allen voran die »Schirmfrau« des Jubiläums«: Politikerin Tanja Gönner. Daneben der Landrat mit Gattin, Bürgermeister Holger Jerg, die Narrenprominenz aus der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte, ehemalige Gammertinger Hästräger und Zunfträte sowie Vertreter befreundeter Zünfte, deren Narrenrufe durch den Saal klangen.
Wortreich und handfest
Der befahl denn auch die Schirmherrin, die »Schirmfrau« sein wollte, auf die Bühne. Sie bedauerte, statt eines kleinen Schirmes nicht einen Heizstrahler mitgebracht zu haben. Ansonsten freute sie sich, »dass man in Gammertingen nicht reimen muss« und amüsierte sich fortan köstlich im Publikum. Ihr Co-Schirmherr Jerg vermutete hinter der Eiseskälte »erste Anzeichen der Energiewende. Jetzt müssen wir uns halt warm anziehen«. Warm anziehen mussten sich auch die Männer im Saal. Irene Bögle teilte charmant aus, nahm sich aber genauso selbst auf den Arm und unterhielt mit ihrem natürlichen Charme auch zwischen den Beiträgen als »Meisterin der Überleitungen« aufs Vortrefflichste. Allein schon sie wäre, so ein Zunftmeister beim Zunftmeisterempfang am Sonntag, »den Eintrittspreis wert gewesen«. Auch der Landrat gehörte zu den Bewunderern: »Die isch klasse. Der merkt man die Freude am Job an.«
So wie allen anderen Mitwirkenden am Jubiläumsabend auch. Die »Süßen Hüpfer«, »der biologisch-dynamische Nachwuchs der Narrenzunft«, veranstalteten mit ihrer Tanzeinlage ein mitreißendes Scheunafeschd auf der Kreuzbühne. Danach ging's wortreich weiter mit den zwei Gammertinger Originalen Paule Reiser und Wolfgang Göckel. Original und originell stellten sie den Gästen, von denen viele nicht aus Gammertingen kamen, den Zunftrat vor. Allen voran Narrenchef Harry Vojta, der zur körperlichen Arbeit nicht zu gebrauchen sei: »Der hängt Fasnetsbändel am Laptop auf.« Ein guter Witz jagte den anderen. Zum Beispiel der: Nach der Geburt bekommt die Mutter vom Arzt gesagt, ihr Kind sei ein Hermaphrodit. »Ist das was Schlimmes?«, will sie Arzt wissen. Der Arzt erklärt: »Ihr Kind hat von jedem Geschlecht etwas.« Darauf die Mutter beruhigt: »Also an Zipfel und a Hirn.«
Nach dem Wort die Musik, bei der das Wort aber auch nicht zu kurz kommt. Die lieferten »die schrillen Fehlaperlen«. Das Publikum amüsierte sich über die frechen Lieder der vier handfesten Frauen. Zum Schluss, bevor das Duo Tambourin zum Tanz aufspielte, dann noch die jungen Tenöre, die mit Körperspannung und Humor die ohnehin schon strapazierten Lachmuskeln zum Schmerzen brachten. Erholung mit Stimmungsfortsetzung gab's anschließend in den gut geheizten Zelten im Narrendorf. (but)
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