Getreide - Trockenheit, Spätfrost, Hitze und jetzt immer wieder Regen. Vegetationsperiode voller Wetterextreme

Erntekrimi bleibt spannend

VON JULIE-SABINE GEIGER

SONNENBÜHL/MÜNSINGEN. Wann die Mähdrescher ihren Job wieder machen können, bleibt spannend. Vorerst haben Schauer und Nieselregen die nächsten Erntepläne durchkreuzt.

FOTO: dpa
Das meiste Getreide und auch die Ölfrucht Raps sind zwar gedroschen, allerdings musste das Stroh häufig draußen bleiben, auf den höheren Lagen der Schwäbischen Alb stehen immer noch vollreife Weizenschläge und Hafer. Die Feldfrüchte müssten jetzt dringend geerntet werden, bevor sich im feucht-warmen Klima Pilzkrankheiten ausbreiten. Über die jetzt regelmäßig hereinbrechenden Wassertage freuen sich jetzt allerdings die Wiesen und der aus den Tropen stammende Mais.
»Auf den rauen Stellen konnte man vom Mähdrescher auf den Boden sehen«
 

Der Landesbauernverband spricht schon von einem Erntekrimi, der pünktlich zum Start der freilich kalendarisch früher als üblichen Getreideernte mit regelmäßigen Güssen starte, den Bauern immer nur stundenweise Druschphasen gestattete und die Freude über die doch noch gelungene Kulturen trübte.

Bis dahin war die Vegetationsperiode für die Landwirtschaft schon nicht einfach. Nach einem schneearmen Winter, der die Wasservorräte in den Böden nicht hinreichend auffüllte, machte die Trockenheit im Frühjahr zu schaffen. »Das Getreide hat sich nicht richtig bestocken können«, berichtet Simone Kopp von der Abteilung Pflanzenbau am Kreislandwirtschaftsamt in Münsingen vor allem für Sommergerste und Hafer. »Auf den rauen Stellen der Alb, wo nur wenig Bodenauflage ist, konnte man vom Mähdrescher auf den Boden sehen.« Normalerweise bilden sich so viele Sprosse aus einem Getreidekeimling, dass die Halmbüschel den Boden gut bedecken. Weiteres Ungemach brach in Form von Frost und Hagel über die Kulturen rein. Der Frost im April, der in einigen Landstrichen vor allem an den Obstbäumen und in den Weinbergen großen Schaden angerichtet hat, hat auch die jungen Getreidepflanzen eiskalt erwischt, die sich allerdings berappeln konnten.
»Je nach Standort waren bei der Braugerste die Eiweißgehalte sehr hoch«
 

Wo der Hagel landstrichweise, so bei Dettingen und im Lautertal, auf den reifen Raps eingedroschen und die schwarzen ölhaltigen Körnchen aus den Schoten geschlagen hat, »waren dreißig Prozent der Ernte weg«, berichtet Simone Kopp.

Die Pflanzenbauberaterin schätzt, dass »die Getreideerträge in diesem Jahr hinter denen des vergangenen Jahres zurückbleiben werden«. Ganz gut reingekommen sei die Wintergerste, die im Durchschnitt 70 Dezitonnen pro Hektar gebracht hat. Von der Sommergerste (Braugerste) seien die üblichen 50 Dezitonnen pro Hektar gedroschen worden. »Je nach Standort waren allerdings die Eiweißgehalte sehr hoch«, betont Kopp. Eine unerwünschte Erscheinung, die Bierbrauer im Rohstoff, der zu Malz werden soll, gar nicht haben wollen. Kopp erklärt die hohen Proteingehalte als Resultat der geringen Bestockung, die weniger Halme gebracht hat. Auffallend sei in dieser Vegetationsperiode, berichtet die Expertin vom Kreislandwirtschaftsamt weiter, dass viele Vieh haltende Betriebe die Futtergetreidebestände vorzeitig als Ganzpflanzensilage geerntet hätten. »Die Futterknappheit ist spürbar.« Die Heuernte fiel der Trockenheit wegen mager aus, viele Betriebe, die noch auf dem Vorjahresvorrat sitzen, können diesen jetzt gut verkaufen. Simone Kopp ist sich sicher: »Die Pferdehalter werden genug Heu bekommen.«

Das Aufatmen der Silomaisanbauer, die einen für ihre Biogasanlagen, andere für die Rindermast und das Milchvieh, war hörbar, als die Gewitterregen endlich die Trockenheit beendeten. Der Mais, im eisigen Frühjahr verhockt, konnte durchstarten und zeigte sein enormes Wachstumspotenzial. Inzwischen ist er übermannshoch und bomberlgesund. (GEA)

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