Regionalvermarktung - »Talk im Schafstall« über Lammfleisch, Genuss und die Chancen des Biosphärengebiets
Dreiviertel der Arbeit steht noch bevor
MÜNSINGEN. Sie waren Pioniere. Während heute die Politik viel von regionaler Wertschöpfung redet und der Verbraucher gezielt heimische Produkte nachfragt, wurden vor zehn, fünfzehn Jahren die »Schmeck' den Süden«-Wirte und ihre Partner aus der Landwirtschaft noch »belächelt in dieser ganzen Regionalität«. Peter Schmid und seine Kollegen haben in das Thema regionale Küche eine Menge »missionarischer Arbeit« investiert, wie der Gastronom und DEHOGA-Präsident aus Bad Urach gestern beim »Talk im Schafstall« sagte. Die Entwicklung zeige, dass der Kurs gestimmt hat.
Regionale Speisekarte
Die Zusammenarbeit zwischen Schafhalter und Küchenchef ist seit Jahren ein Paradebeispiel für Regionalvermarktung, von der viele etwas haben - die Schäfer eine verlässliche Einnahmequelle, die Wirte eine regionaltypische Erweiterung ihrer Speisekarte, die Gäste den Genuss und die Naturfreunde die Gewissheit, dass die charakteristischen Wacholderheiden der Alb dank der Arbeit der Schäfer auch weiterhin gepflegt werden können. Zum Auftakt der Lammwochen in der regionalen Gastronomie wurde beim »Talk im Schafstall« auf dem Münsinger Betrieb von Bärbel und Gerhard Stotz an diesen Zusammenhang erinnert.
Dr. Carola Eiberger, die sich im Ministerium Ländlicher Raum im Referat Tierhaltung und Tierzucht um die Belange der Schafhalter in Baden-Württemberg kümmert, berichtete von aktuellen Projekten zur Förderung der Schafhaltung im Land, etwa über den breit angelegten Versuch, durch die Einkreuzung verschiedener Rassen die Lammfleischqualität nach modernen Kriterien zu optimieren.
Eiberger zitierte aber auch aus einer Studie der Marketinggesellschaft Baden-Württemberg, wonach die Akzeptanz von Lammfleisch immer noch ausbaufähig ist. Danach empfinden 68 Prozent der Verbraucher den Geschmack als ungewohnt, nur ein Viertel ist der Meinung, Lamm schmecke der ganzen Familie. »Schmeck' den Süden«-Wirt Jürgen Autenrieth leitet daraus den Auftrag ab, dass der Koalition aus Schäfern und Köchen noch viel zu tun bleibt: »Wir haben 75 Prozent der Arbeit noch vor uns.« Mit der Bewirtung von Multiplikatoren aus Kommunalpolitik und Behörden fingen die »Schmeck' den Süden«-Wirte am Freitag schon mal an.
Schafreicher Landkreis
Die Schafhaltung ist eine Größe im Landkreis Reutlingen. Mit rund 21 400 Schafen leben hier mehr dieser Tiere als irgendwo sonst in Baden-Württemberg. Rund 4 000 Schafhalter und 283 000 Schafe setzen das Land im Bundesvergleich auf Rang drei. Dank der Schäfer und ihrer vierbeinigen Landschaftspfleger können in Baden-Württemberg rund 60 000 Hektar an Grenzertragsflächen auf wirtschaftliche Weise gepflegt und offen gehalten werden, wie Carola Eiberger in ihrem Referat betonte. (dew)