Zuchtsschau - Treffen der Interessengemeinschaft Ouessant-Schaf in St. Johann mit Teilnehmern aus der Region

Die kleinsten Widder der Welt

VON STEFFEN WURSTER

ST. JOHANN. Die Begutachtung von Ouessant-Schafen durch Preisrichter erinnert mehr an eine Hundeschau als an eine Viehausstellung. Kein Wunder: Die präsentierten Widder dürfen das Stockmaß von 49 Zentimetern nicht überschreiten und liegen damit vier Zentimeter unter dem Gardemaß eines Border-Collies. Statt Führstricken kommen Hundeleinen und -halsbänder zum Einsatz, und wenn die Böcke am »Herrchen« hochsteigen, ist das Bild von der Hundeschule perfekt.

Dr. Horst Roller und Uta Reichenbach mit ihren Ouessant-Schafen. FOTO: WURSTER
Dr. Horst Roller und Uta Reichenbach mit ihren Ouessant-Schafen. FOTO: WURSTER
Am Wochenende fand sich die Interessengemeinschaft Ouessant-Schaf (IGOU) im Gestütshof St. Johann zum jährlichen Treffen der Zwergschafzüchter ein. Die IGOU traf sich zum ersten Mal in Baden-Württemberg und unter den Tieren wurde viel schwäbisch geblökt. Gut vertreten waren die »Platzböcke und -auen« (Auen sind die weiblichen Tiere) von Uta Reichenbach aus Reutlingen, Fritz Starzmann aus Bad Urach-Wittlingen und Dr. Horst Roller aus St. Johann. Ein fünfjähriger Bock von Roller konnte auch Wiedersehen mit seinem Züchter feiern. Der Familie Billès aus der Bretagne gebührte der Preis für die weiteste Anreise. Aber auch Züchter aus dem hohen deutschen Norden haben den weiten Weg nicht gescheut, darunter der Vorsitzende der IGOU, Armin Bergmann aus Niedersachsen.

Insgesamt sind in Deutschland etwa 430 Ouessant-Schafe in Zuchtbüchern verzeichnet, 100 wurden in St. Johann gemeldet und immerhin 80 Tiere fanden den Weg auf die Alb. Die rustikale Schafrasse war jahrzehntelang praktisch ausgestorben und auch von der namensgebenden bretonischen Insel Ouessant verschwunden. Erst in den 1970er Jahren begannen französische Liebhaber aus Tierparkbeständen eine Neuzucht.

Wegen der geringen Größe wurden sie neben Frankreich schnell auch in Holland beliebt, wo große Weiden selten sind. Holland besitzt mittlerweile mit etwa 4 000 Tieren den größten Bestand, Frankreich liegt mit etwa 3 500 Ouessants knapp dahinter, Deutschland ist noch abgeschlagen. Folgerichtig wurde auch ein Holländer nach St. Johann eingeladen, einer der Preisrichter zu sein. Henk Slaghuis aus Ressen im Gelderland legte in den 1970er mit in Frankreich ausgesonderten Ouessants den Grundstein der holländischen Zucht. Mit viel Sachverstand kommentierte er die vorgeführten Schafe.

Klein und fein sollen die Tiere sein. Das maximal zulässige Stockmaß darf auf keinen Fall überschritten werden, schließlich muss das Ouessant die kleinste Schafrasse der Welt bleiben. Kopf und Gliedmaßen sollen fein und wohlproportioniert sein, denn das Ouessant ist kein plumper Zwerg, sondern eher zierlicher Elf. Dazu passen der lebhafte Blick aus glänzendem Auge und bei den Böcken die wehrhafte Ramsnase und die für die kleinen Biester beeindruckenden Hörner.

Die kleinen Wollschafe trugen wohl lange Zeit nur schwarze Wolle, es gibt mittlerweile aber auch weiße, braune und seltener graue Tiere. Aber egal in welcher Farbe: Wer ein leinenführiges Haustier sucht, das Wolle abwirft und in höchster Not auch geschlachtet werden kann, sollte die Homepage der Ouessant besuchen. (GEA)

www.ouessant.de



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