Vereinsfahne - Großengstinger Musiker feiern den runden Geburtstag ihres Ehrenzeichens beim Musikertreffen am Wochenende. Kleines Vermögen ausgegeben
Die Fahne ist immer dabei
Von Gabriele Leippert
ENGSTINGEN. »Im Reich der Töne suche das Schöne« steht auf der einen Seite. Das Bild des Trompeters von Säckingen, der sein Instrument unter dem Vereinsnamen bläst, ziert die Vorderseite. 1930 fertigte die Osiandersche Kunstfabrik in Ravensburg die prächtige Fahne des Musikvereins Großengstingen für damals 680 Reichsmark an.
Der Vorsitzende Martin Maier mit der achtzig Jahre alten Vereinsfahne des Musikvereins Großengstingen. Der runde Geburtstag des symbolträchtigen Stücks Stoff wird beim Musikertreffen am Wochenende gefeiert.
FOTO: Gabriele Leippert
Vieles hat das Vereinsbanner seither gesehen und erlebt. Hochzeiten, Beerdigungen, Prozessionen, Geburtstage und die Hochhäuser von New York bei der Steubenparade im Jahr 1976, denn wie es sich für das Ehrenzeichen ziemt, wurde es von den Musikern zu allen wichtigen Anlässen und Veranstaltungen mitgeführt. »Sie ist der Mittelpunkt unseres Vereins«, bringt es Vorsitzender Martin Maier auf den Punkt. In diesem Jahr wird das kostbare Stück achtzig Jahre alt. Grund genug, den runden Geburtstag im Rahmen des Musikertreffens am Wochenende zu feiern.
Sammeln um die Fahne
Das Wort »Fahne« stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet eigentlich Tuch: ein Stoffstück mit symbolischer Bedeutung, das individuell angefertigt und deshalb einmalig ist. Bei den Orientalen, Chinesen, Römern oder Germanen galt die Fahne als Kampf- und Siegeszeichen. Egal ob als Sammelpunkt in militärischen Gefechten oder später auch in der Liturgie der Kirche - Fahnen etablierten sich über die Jahrhunderte als Kennzeichen einer Gesellschaft oder Gruppe.
»Die Fahne ist das Vereinssymbol«, konstatiert Walter Leippert, warum Vereine ein kleines Vermögen für den Besitz eines solchen Hoheitszeichens ausgeben. Alle umliegenden Vereine hätten eine Fahne gehabt, also wollte man auch eine, blickt der ehemalige Vorsitzende der Schützengilde Engstingen auf das Jahr 1965 zurück, als ein kleines und einfaches Banner als Ersatz für die in den Wirren der Weltkriege verlorene Originalfahne (1908 kurz nach Vereinsgründung von Herzogin Amelie von Urach gestiftet) gekauft wurde. »Eine Fahne gehört einfach zum Verein dazu«, bekräftigt Leippert.
Stolz »wie Oskar« sei man gewesen, als der TSV Kleinengstingen schon fünf Jahre nach Gründung 1905 dank etlicher Spender eine Flagge im Wert von 350 Goldmark beschaffen konnte, zitiert Ulrich Kaufmann aus den Vereinsannalen. Denn das Stück Stoff war der sichtbare Beweis dafür, dass der Verein gut dastehe und sich schon etwas leisten könne. Zum 100-Jahr-Jubiläum im Jahr 2004 gönnte sich der TSV die Restaurierung des Prachtstücks im Wert von immerhin 4 500 Euro. »Darauf hatte der Festausschuss großen Wert gelegt«, betont der Vorsitzende, wie wichtig die Fahne dem Verein noch heute ist.
Dem stimmt auch Albert Pukall für den Turnverein Großengstingen zu. »Sei es bei der Fronleichnamsprozession, bei größeren Sportfesten oder bei der Beerdigung von Mitgliedern - unsere Fahne ist immer dabei«, verdeutlicht der Vereinschef. »Die Fahne hält den Verein symbolisch zusammen«, begründet Vorsitzender Josef Gulde, warum das Ehrenzeichen auch beim Musikverein Steinhilben fester Begleiter von allerlei Anlässen ist.
Als Zeichen für eine Kameradschaft, egal ob Verein oder Kirche, sieht Benedikt Hummel das Vereinsemblem. Der Fahnenträger, der meist dauerhaft bestimmt wird, sei deshalb auch eine sehr wichtige Person im Verein. »Des isch a Ehre, wenn man die Flagge tragen darf«, stellt der Ehrenkommandant der Feuerwehr Engstingen fest. (GEA)