Land - Bislang ist erst einer im Land gesichtet worden, und der ist abgetaucht. Dennoch fürchten Schäfer um ihre Herden

Der Wolf tötet, um zu überleben

VON JULIE-SABINE GEIGER

MÜNSINGEN. Dem Wolf eilt der Ruf einer Bestie voraus. Schon in den Märchen mit den sieben Geißlein, dem unbekümmerten Rotkäppchen oder im zauberhaften »Peter und der Wolf« von Sergei Prokofjew ist er schlecht weggekommen. Jetzt wird, kaum hat er Baden-Württemberg betreten und drei Lämmer erbeutet, Hatz auf ihn gemacht. Landwirtschaftsminister Peter Hauk, der bereits mit dem Etikett »Peter und der Wolf« geschmückt wurde, ist schon mal auf den Hochsitz geklettert und will Isegrimm am liebsten totschießen. Damit aber wäre der Tatbestand der Wilderei im fremden Revier erfüllt, weil der Wolf Naturschutz genießt und damit unter dem Schirm von Umweltminister Franz Untersteller steht.

Der Wolf hat einen schlechten Ruf.Foto: dpa
Der Wolf hat einen schlechten Ruf. FOTO: dpa
Nach drei toten Lämmern haben vor allem Politiker Geheul angestimmt. Die Schäfer, für die bislang kein Fonds eingerichtet ist, aus dem Wolfsrisse ersetzt werden könnten, haben zwar mit dem Nabu ein Konzept entwickelt, um Wölfe von den Herden abzuhalten. Von Schutzzäunen und Herdenschutzhunden sind die Praktiker bislang allerdings nicht überzeugt.

Wo der Wolf, der Anfang Oktober gesichtet wurde, abgeblieben ist, ist unbekannt. »Er kann noch da sein, er kann aber auch schon weitergezogen sein. Im Moment fehlen Hinweise auf seine Anwesenheit«, erklärt Felicitas Rechtenwald, Referentin Artenschutz beim Nabu Baden-Württemberg. Ihrer Meinung nach ist der Wolf auch keine blutrünstige Bestie. »Sicher, der Wolf ist kein Kuscheltier, das mystifiziert werden sollte.« Rechtenwald weist aber darauf hin, dass ein Wildtier nicht wahllos tötet, sondern »um sich und seine Jungen zu versorgen. Und er holt sich das, was er am einfachsten bekommen kann«.

Keine Berliner Verhältnisse

Menschen gehören nicht zum natürlichen Beutespektrum eines sich normal verhaltenden Wolfes, erklärt die Expertin. Allerdings sollten Wölfe, wie alle Wildtiere, nicht angefüttert oder an menschliche Futterquellen gewöhnt werden, damit hierzulande keine Berliner Verhältnisse entstehen, wo gelehrige Wildschweine in die Siedlungen eingedrungen sind, um sich über Essensreste in Kompost- und Mülltonnen herzumachen.

53 Wolfsterritorien weist die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf aktuell für Deutschland aus. In Baden-Württemberg sei bislang keiner sesshaft. Obwohl laut Landesschafreport im Land 250 000 Schafe leben und der Wolf, der sehr anpassungsfähig und anspruchslos sei, sich überall ansiedeln könne, wo er genügend Beutetiere findet. Also auch mitten im Biosphärengebiet, wo er in der Ruhe des ehemaligen Truppenübungsplatzes Münsingen, wo 15 Schäfer mit ihren 15 000 Mutterschafen unterwegs sind, seine Jungen aufziehen könnte. Ein Gedanke, der den Schäfern gar nicht behagt.

Immerhin wäre es in der Kernzone des Biosphärengebiets ausgeschlossen, dass eine vom Wolf aufgeschreckte und ausbüxende Schafherde auf eine viel befahrene Straße rennt, und dort einen Unfall verursacht. Wer in so einem Fall haften muss, sei noch überhaupt nicht geregelt. »Hier sieht der Nabu noch Klärungsbedarf«, betont auch Felicitas Rechtenwald.

Während Politiker bereits nach Abschussregelungen für sogenannte Problemwölfe rufen, macht die Nabu-Referentin darauf aufmerksam, dass der Erhaltungszustand der Wölfe in Deutschland noch lange nicht erreicht ist. Der liegt bei 1000 geschlechtsreifen Tieren. (GEA)

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