Gedenkfeiern - Der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 67 Jahren bleibt unvergessen
Der Blick richtet sich auf die »Täter«
ZWIEFALTEN/MÜNSINGEN. Der 27. Januar, der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 67 Jahren, gilt seit 1995 als nationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Das Zentrum für Psychiatrie, ZfP, in Baden-Württemberg, wird in Kooperation mit der Gedenkstätte Grafeneck an diesem Tag der Opfer der sogenannten Euthanasie-Aktion gedenken. Dazu hat Katrin Altpeter, Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg, ihre Teilnahme zugesagt.
Auch die Stadt Münsingen ruft am Denkmal der Deportation jüdischer Mitbürger in Buttenhausen am Freitag, 27. Januar, zum Gedenken und anschließend zu einer Feier im ehemaligen Landheim Buttenhausen auf.
Zwiefalten spielte bei der Tötungsaktion psychisch Kranker in der Zeit des Nationalsozialismus eine entscheidende Rolle. Viele Betroffene kamen als Patienten der dortigen Heilanstalt oder als Patienten anderer Anstalten, für die Zwiefalten zu einer Durchgangsstation in den Tod geworden ist.
Das Zentrum für Psychiatrie in Zwiefalten will in diesem Jahr den Blick vor allem auf die Seite der »Täter« richten - Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der damaligen Kliniken, Beschäftigte der Tötungsanstalt Grafeneck oder Mitverantwortliche in den Ministerien und Behörden des Landes. Die Gedenkfeier beginnt im Casino um 9.30 Uhr mit einer Einführung von Dr. Thomas Müller, Leiter des Fachbereichs Bildung und Wissen, ZfP Südwürttemberg, zum Thema: »Zur sogenannten Euthanasie in Südwürttemberg: Die Situation in Zwiefalten«. Um 10 Uhr startet ein Bus nach Grafeneck, wo der Leiter der dortigen Gedenkstätte, Thomas Stöckle, über »Die Täter von Grafeneck 1940. - Ganz gewöhnliche Deutsche?« sprechen wird. Dem Besuch der Gedenkstätte mit Schweigeminute folgt um 11 Uhr die Ansprache von Ministerin Katrin Altpeter. Gegen 11.30 Uhr fährt der Bus zurück nach Zwiefalten.
Um 18 Uhr beginnt in der Ortsmitte von Buttenhausen die Gedenkfeier der Stadt Münsingen mit Pfarrerin Marlis Haist und Ortsvorsteher Rudolf Schuster-eder, bei der zunächst die Namen der verschleppten und ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Buttenhausen verlesen werden.
Im Therapiesaal der Bruderhaus Diakonie wird Angelika Janßen mit der Theatergruppe der Einrichtung Teile aus der »Totenmaske« spielen. Das Stück wurde 2005 im Rahmen des »Requiem für einen toten polnischen Jungen« aufgeführt. Nach der Ansprache von Bürgermeister Mike Münzing soll noch Gelegenheit zum Gespräch sein. (GEA)