Umwelt

Dank Kehrmaschine: Von Hand fegen war gestern

VON ULRIKE OELKUCH

MÜNSINGEN. Münsingens kleine Kehrmaschine sorgt mit 700 Einsatzstunden pro Jahr für eine saubere Stadt.

FOTO: Ulrike Oelkuch
Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass jeder seinen Müll wieder mit nach Hause nimmt. Oder ihn wenigstens in einen der Abfallbehälter steckt, die hier und da von der Stadt im öffentlichen Raum aufgestellt wurden und von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs regelmäßig wieder geleert werden. Doch wäre dieses Verhalten selbstverständlich, hätten Marcel Dornbusch und sein Kollege Daniel Hofmann, die das Münsinger »Kehrmaschinle« durch die Straßen der Innenstadt und auch der Teilorte kutschieren, nicht derart viel zu tun, wie jetzt wieder, nachdem der Schnee geschmolzen ist und den Blick auf all die weggeworfenen Abfälle freigibt.

Was höchstens noch auf dem Dorf üblich ist - und auch da nicht mehr wie früher an jedem Samstag - besorgen Dornbusch und Hofmann in Münsingen an drei Tagen die Woche mit einem kommunalen Straßenreinigungsfahrzeug: die Kehrwoche. Wobei die beiden Bauhof-Mitarbeiter nicht mit einer andernorts üblichen Kehrmaschine ihre Touren fahren, sondern mit einer Mini-Ausgabe, die schon deshalb immer wieder staunende Blicke auf sich zieht und, wie Marcel Dornbusch und sein Kollege beobachten können, »oft ein Grinsen auslösen« bei Autofahrern und Passanten, weil das Einmannfahrzeug neuerdings von der Stadt mit einem pfiffigen Werbebild für die schwäbische Kehrwoche verschönert worden ist.

Ärgernis: Hundetüten

Bei den beiden älteren Damen, die da in ihren albtypischen Kittelschürzen auf beiden Seiten des Fahrzeuges abgebildet sind, wie sie sich während einer Kehr-Pause für ein nettes Schwätzle auf ihren Besen stützen, handelt es sich zwar um fleißige Gomadingerinnen und nicht um Frauen aus Münsingen. Doch ist dies auch der wirklich einzige Schönheitsfehler an dem »Werbefeldzug« der Kommune für noch mehr Sauberkeit in der Stadt.

Das Foto - aufgenommen von Heike Schmidt-Scheub aus Gomadingen für den ersten »Alb-Klick«-Fotowettbewerb der Tourist-Info - hat sich seinerzeit einen ersten Preis verdient, füllt Kalenderblätter und ziert als Abzug längst Wände. Nun also übermittelt es auf der kleinen Kehrmaschine obendrein eine wichtige Botschaft: Münsingen tut was für mehr Sauberkeit. Und: Letztlich könnte jeder auch selbst vor der eigenen Haustüre fegen, wenn der Sturm - wie dieser Tage - mal wieder Äste und Zweige von den Bäumen gerissen oder ein Passant »etwas« fallen gelassen hat.

Neuralgische Punkte in der Stadt, wo besonders viele Kippen, Getränkedosen und Pappbecher oder auch Tüten achtlos entsorgt werden, in denen die Frühstücksbrezel verpackt war, hat Marcel Dornbusch während der rund 700 Stunden, die er und sein Kollege pro Jahr mit der Reinigungsmaschine entlang von Bordsteinkanten sowie über Gehwege und Plätze in Münsingen fahren, noch nicht entdeckt. Allerdings wissen beide, dass es in der Kernstadt mehr Unrat und in den Stadtteilen, wo mancher eben doch noch selbst den Besen in die Hand nehme, mehr Pflanzen- und Baumabfälle aufzukehren gilt.

Höchstens zwei Kubikmeter Straßendreck und Abfälle können die von 1,30 bis auf 2,50 Meter ausfahrbaren Rundbürsten des super-wendigen Kleinfahrzeuges aufnehmen: Dann ist der zwischen den beiden »Kehrwochen-Bilder« befindliche Behälter randvoll und muss das Fahrzeug den großen Container auf dem Bauhofgelände zur Leerung anfahren, was besonders lästig ist, wenn dies während einer Putzaktion in Gundelfingen oder auch Dürrenstetten passiert.

Doch auch dieses Problem hat Tim Emundts inzwischen lösen können. Vor einem Einsatz stationiert der Leiter des städtischen Bauhofs direkt im Lautertal einen Container, und schon entfallen unökonomische Leerfahrten des »Citymaster 2000«, der höchstens mit Tempo 50 unterwegs sein und auch mal zur Straßenreinigung nach Unfällen sowie zum Auspumpen verschmutzter Einlaufschächte eingesetzt werden kann.

In Sachen »saubere Stadt« sind Marcel Dornbusch und Daniel Hofmann nicht die einzig Aktiven in Münsingen. Zwei weitere Bauhof-Mitarbeiter sind vollauf damit beschäftigt, Abfallbehälter zu leeren und Grünflächen sowie Hecken von »wildem Müll« zu befreien. Wobei sie sich vor allem über die vielen Fiffi-Tüten ärgern, die zwar rege »befüllt« werden. Dann aber nicht im nächsten Eimer landen, sondern an Spazierwegen liegen bleiben. Oder im hohen Bogen in die nächstbeste Wiese geworfen werden. Allein für die Sauberkeit und die Entsorgung des öffentlichen Mülls gibt die Stadt pro Jahr rund 230 000 Euro aus. (GEA)



Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Bitte strecken

Ein «Mädel vom Immenhof» - Angelika Meissner ist tot

Berlin (dpa) - Sie war eines der berühmten «Mädels... mehr»

Kaymer nach zwei Runden geteilter 18. in Abu Dhabi

Martin Kaymer spielt gerne in Abu Dhabi. Foto: Kamran Jebreili

Abu Dhabi (dpa) - Martin Kaymer ist bei seinem ers... mehr»

Mehr Sanktionen gegen Arbeitslose

Berlin (dpa) - Die Zahl der Sanktionen gegen Hartz... mehr»

Dax klettert wieder über 13.400 Punkte - MDax auf Rekordhoch

Im Schriftzug

Frankfurt/Main (dpa) - Am deutschen Aktienmarkt ha... mehr»

Aktion

Zeitungspaten gesucht

Zeitung lesen macht schlau! Setzen Sie sich als Zeitungspate dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen einen kostenlosen Zugang zur Tageszeitung haben.
lesen »
Aktuelle Beilagen