Windkraft - Gammertinger Energie- und Wasserversorgung prüft Standort bei Kettenacker. Bürgerinformation im Juli

Bürgerbeteiligung soll Akzeptanz verbessern

GAMMERTINGEN. »Wir wollen frühzeitig mit den Bürgern ins Gespräch kommen«, warb Manfred Schaller von der Gammertinger Energie- und Wasserversorgung (GEW) im Gemeinderats um Zustimmung für eine neue Facette in der Produktpalette der mehr als 100 Jahre alten Stadtwerke. Ohne eigene Rohstoffe müsse sich die Alb auf das konzentrieren, was sie habe, führte der Geschäftsführer in die Thematik ein. »Wir stehen für einen breiten Energiemix«, umriss Schaller die Unternehmensphilosophie.

Die GEW sei bereits an einem Offshore-Windpark in der Nordsee beteiligt, und betreibe Fotovoltaik- und Kraft-Wärme-Rückkoppelungsanlagen, kaufe aber auch Strom vom Markt zu. Unternehmensziel sei, den Anteil der Windenergie an der gesamten gelieferten Energie des Unternehmens auf zwanzig Prozent zu steigern. Politisches Ziel sei, dass in Baden-Württemberg bis 2020 zehn Prozent der Energie aus der Windkraft kommen.

Die Idee der GEW-Verantwortlichen sei, für rund 15 Millionen Euro eine Zehn- Megawatt-Anlage aus vier bis fünf Windrädern mit regionalen Partnern selbst zu bauen und zu betreiben. Dabei soll die Bürgerschaft mit kleinen Anteilsscheinen beteiligt und so Gewinn und Pachteinnahmen breit verteilt werden. So solle nicht nur der Grundstückseigentümer, auf dessen Flurstück die Anlage gebaut werde, Pachtzins erhalten, sondern auch die Angrenzer, die mit dem Bau und der Infrastruktur belastet seien. Dies führe über die Identifikation zu einer höheren Akzeptanz der noch immer wenig geliebten Anlagen. Hinzu komme, dass ein anonymer, auswärtiger Investor ausschließlich am persönlichen Profit interessiert sei, »dem ist egal, wie es hier aussieht«, gab Schaller zu bedenken.

Respektsabstand von Orten

Über den Windatlas Baden-Württemberg, der zahlreiche mögliche Standorte für Windkraftanlagen ausweist, haben die Planer ein dichtes Raster an Ausschlusskriterien gelegt. Um die Wohnbebauung wurde eine Schutzzone mit einem Radius von 700 Metern gezogen. Von diesem Kreis werde nur im nördlichen Viertel geplant, um die Bebauung vor dem Schattenschlag der Rotoren zu schützen.

Aufwinde der Hanglagen

Wichtig sei, so führte Schaller weiter aus, dass die Höhe der Anlagen steige. Die Effizienz von 60 bis 80 Meter hohen Anlagen sei gering, geprüft werden müssten Höhen von 120 bis 140 Metern. Mit 60-Meter-Rotoren reiche man dann 200 Meter über Grund, hier müsse man die Windsituation prüfen. Die benötigte Mindestwindhäufigkeit liege bei etwa sechs Metern pro Sekunde. Ein Standort, der viele dieser Kriterien erfülle, liegt im Norden von Kettenacker.

Die absolute Gebäudehöhe in der Region sei wegen des militärischen Flugverkehrs auf 945 Meter über dem Meeresspiegel beschränkt. Schaller betonte, dass nicht nur Gipfellagen ausreichende Windgeschwindigkeiten lieferten. Deshalb werden auch Wald- und dem Wind zugewandte Hänge geprüft, von denen viele der Stadt Gammertingen gehören. Die Aufwinde dort seien nicht zu unterschätzen.

Schaller hofft, dass zur Bürgerversammlung in Kettenacker möglichst viele Menschen mit ihrer Kritik, ihren Ängsten und Fragen kommen, um diesen mit Fachleuten begegnen zu können und so Transparenz zu schaffen. SPD-Sprecher Elmar Molnar sagte mit leicht vorwurfsvollem Unterton, der Gemeinderat wolle Herr des Verfahrens bleiben, Schaller sei aber schon einen Schritt weiter. In der Sache betonte er, wie wichtig die Wertschöpfung in der Region sei. Die Sprecher von CDU und »Gleiches Recht für alle«, Karl Götz und Wolfgang Lieb, appellierten, der Bürger müsse mitgenommen werden. Wenn die in der Sitzung einstimmig beschlossene Bürgerversammlung ein positives Votum abgebe, sei ein einjähriges Windgutachten geplant. (häs)



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