Kooperation - Stadtwerke Tübingen beteiligen vier Genossenschaften an ihren Fotovoltaik-Anlagen auf der Haid

Bürger investieren in Solarpark auf der Haid

VON MARION SCHRADE

ENGSTINGEN/TÜBINGEN. Aus der Vogelperspektive sehen sie fast aus wie ein kleiner See: Die 12 408 Solarmodule auf einer 1,5 Hektar großen Fläche im Gewerbepark Haid glitzern aber nicht nur in der Sonne, sondern verwandeln ihre Strahlen in Energie. Rund drei Millionen Kilowattstunden Strom produzieren sie im Jahr – das reicht, um 750 Vier-Personen-Haushalte zu versorgen. 2010 von einer Projektgesellschaft errichtet, ging die Anlage 2012 in den Besitz der Stadtwerke Tübingen (swt) über, die etwa 7,5 Millionen Euro investierte.

Konversionsflächen wie das auf dem ehemaligen Militärgelände Haid bei Engstingen sind bevorzugte Standorte für Solarparks. 2010 wurden die Anlagen auf der Alb errichtet und bisher allein von den Stadtwerken Tübingen betrieben. Jetzt beteiligt der kommunale Energieversorger insgesamt vier Bürgergenossenschaften mit 15 Prozent der Anteile. Mit im Boot: die Erneuerbare Energien Neckar-Alb. FOTO: SWT
Konversionsflächen wie das auf dem ehemaligen Militärgelände Haid bei Engstingen sind bevorzugte Standorte für Solarparks. 2010 wurden die Anlagen auf der Alb errichtet und bisher allein von den Stadtwerken Tübingen betrieben. Jetzt beteiligt der kommunale Energieversorger insgesamt vier Bürgergenossenschaften mit 15 Prozent der Anteile. Mit im Boot: die Erneuerbare Energien Neckar-Alb. FOTO: SWT
Damals schon, berichtet Ortwin Wiebecke, Geschäftsführer der swt, war geplant, was aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen erst jetzt realisiert werden konnte. Die swt verkauften insgesamt 15 Prozent der Anteile im Gegenwert von rund 1,2 Millionen Euro an vier Bürgergenossenschaften. Die Erneuerbare Energien Neckar-Alb – sie betreibt auch die PV-Anlage auf dem Reutlinger Stadthallendach – und die Bürgerenergie Tübingen halten mit jeweils sechs Prozent den größeren Teil. Die Ökumenische Energiegenossenschaft Baden-Württemberg ist mit zwei Prozent im Geschäft, die Erneuerbare Energien Rottenburg mit einem Prozent.

Rechtliche Hürden sind gefallen

Bereits seit einigen Jahren bestehe eine Kooperationsvereinbarung zwischen swt und Genossenschaften. Warum die Übernahmeverträge erst jetzt beim Notar unterzeichnet wurden, erklärt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, der im Aufsichtsrat der swt sitzt: »Bis vor Kurzem war es wegen der durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auferlegten Prüfungspflichten recht schwierig und langwierig, Beteiligungen zwischen Bürgerenergiegenossenschaften an Projekten der Erneuerbaren Energien zu initiieren.« Umso erfreulicher sei es, dass es jetzt geklappt habe.

Zumal derartige Kooperations- auch Zukunftsmodelle sind. Ähnliche Projekte avisiert beispielsweise die Verwaltungsgemeinschaft der Gemeinden Münsingen, Gomadingen und Mehrstetten, die Standorte von der Biosphärenwindpark GmbH entwickeln lässt, in der die EnBW, die Fair-Energie Reutlingen und die Stadtwerke Münsingen insgesamt 60 Prozent der Anteile halten. Mit je 20 Prozent beteiligt sind die Unternehmen Sowitec aus Sonnenbühl und die wpd AG aus Bietigheim-Bissingen. Werden Anlagen gebaut und betrieben, ist das Ziel eine Windkraft GmbH, die sich auch für private Anleger öffnet.

Auf der einen Seite sehen sich Energieversorger wie die swt als kommunale Unternehmen in der Pflicht, zur öffentlichen Akzeptanz beizutragen: »Wir wollen Energiewende im Land mittels Bürgerbeteiligung auf eine möglichst breite Basis stellen «, sagt Hanno Brühl, Abteilungsleiter Erneuerbare Energien der swt. Auf der anderen Seite sei das Interesse privater Anleger, Geld in Projekte vor der eigenen Haustüre zu investieren, sehr groß, schildert Thomas Merkle seine Erfahrungen.

Renditen von etwa drei Prozent

Merkle ist Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft Erneuerbare Energien Neckar-Alb und vertritt als Sprecher des Verbunds der Genossenschaften rund 1 000 Bürger, die, so Merkle, nicht nur ökonomisch von der Beteiligung auf der Haid profitieren, sondern auch ideologisch hinter derartigen Projekten stehen. Zumal die Zusammenarbeit mit professionellen Energieversorgern den ehrenamtlich organisierten Bürgergenossenschaften sowohl technisches Know-how als auch gewisse Sicherheiten – Stichwort Risikobewertung – garantiert.

»Die Investoren können damit rechnen, dass das Projekt wirtschaftlich ist«, erläutert Ortwin Wiebecke das Geschäftsmodell. »Die Genossenschaften werden unternehmerisch nicht mit festverzinslichen Darlehen, sondern an den Erträgen beteiligt.« Wie hoch diese ausfallen, könne noch nicht exakt beziffert werden, sie hängen von nicht beeinflussbaren Faktoren wie der Sonnenscheindauer ab. Sie werden über die gesamte Laufzeit des Projekts errechnet – im Falle des Solarparks Haid sind das 20 Jahre. Wiebecke geht von Renditen der Größenordnung 3 bis 3,5 Prozent aus. (GEA)



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