Sonderfahrt - Erzeugergemeinschaft Albkorn feiert 20. Geburtstag: Zeitreise im Zug zu Feldern und in Backstuben

Brezel-Geheimnisse und andere Aha-Erlebnisse

MÜNSINGEN/GOMADINGEN/ENGSTINGEN. Wo wächst eigentlich der Weizen für die geliebte Frühstücksbrezel? Und wer ist der Müller, der die harten Körner, mit denen der Bäcker so gar nichts anfangen könnte, zu feinem Mehl mahlt? Antworten auf diese und andere Fragen gab die Erzeugergemeinschaft Albkorn bei einer Sonderfahrt anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens.

Ernte anno dazumal und Brezeln schlingen beim Bäcker: Für die Passagiere war?s eine ebenso informative wie kurzweilige Fahrt.  FOTOS: MA
Ernte anno dazumal und Brezeln schlingen beim Bäcker: Für die Passagiere war’s eine ebenso informative wie kurzweilige Fahrt. FOTOS: MA
Gemeinsam mit der Schwäbischen Alb-Bahn (SAB) schickte sie einen Zug auf die Schiene. An Bord des nostalgischen Gespanns, das SAB-Chef Bernd-Matthias Weckler nicht nur als Zugführer, sondern auch als höchst unterhaltsamer Reiseleiter begleitete: 120 Passagiere, die ihre Billetts bei einer Gewinnspielaktion ergattert hatten. Auch der Reutlinger General-Anzeiger hatte unter seinen Lesern einen Teil der begehrten Fahrkarten verlost.

Vom Bauern zum Müller

Die exklusive Reise vom Münsinger Bahnhof aus führte auf historischer Strecke – 1893 schnaufte der erste Zug über die Alb – zunächst auf ein Feld bei Marbach. Die Brauchtumsgemeinschaft Trailfingen stellte die Erntebedingungen der Vor- und Nachkriegszeit denen der modernen Landwirtschaft gegenüber: Wo der Mähdrescher heute fertig gedroschenes Korn ausspuckt, mussten die Bauern früher mühselig Garben binden und das Korn in den Wintermonaten auf ihren Tennen dreschen. Auch die Mengen sind inzwischen ganz andere: 23 Landwirte bauen Korn für die Erzeugergemeinschaft an, Thomas Manz und seine zehn Kollegen in der Luz-Mühle Buttenhausen mahlen es – rund 30 Tonnen Mehl am Tag.

Unverzichtbarer Rohstoff für die elf Albkorn-Bäcker, für die stellvertretend Klaus-Dieter Glocker und Tronje Marquardt ihre Backstuben öffneten. Glocker zeigte in Gomadingen, wie man im Holzofen Flammkuchen macht. Dazu gab’s flüssiges Albkorn von der Berg-Brauerei, die auch zur Erzeugergemeinschaft gehört.

Bei Marquardt in Engstingen durften die Besucher nicht nur Kuchen naschen, sondern ihre eigenen Brezeln schlingen. So flink wie Michael Haug ging’s den meisten allerdings nicht von der Hand. Haug, Bäckermeister und Albkorn-Sprecher, hat den Dreh raus und lieferte dazu noch Insider-Wissen der amüsanten Art. Nach dem Motto »Zeig mir Deine Brezel, und ich sag’ Dir, wo Du herkommst« sehen Bäcker an der Schlingtechnik auf den ersten Blick, ob die Brezel eine schwäbische, eine alemannische oder eine badische ist. Die bayrische fällt nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich aus dem Rahmen: Im Gegensatz zu ihrer baden-württembergischen Schwester wird sie ganz ohne Fett gemacht. »Deshalb brauchen die Bayern auch so viel Bier dazu«, kommentierte Haug die trockene Angelegenheit – zur Freude seiner Zuhörer, die nach vier Stunden Zug- und Zeitreise gutgelaunt und satt am Heimatbahnhof Münsingen aus den Waggons stiegen. (ma)

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