Zentrum für Psychiatrie - Regenwetter macht auch dem Tag der offenen Türen in der Münsterklinik zu schaffen. Deutlich weniger Besucher als sonst üblich
Blick hinter die Kulissen der Psychiatrie
Von Patricia Kozjek
ZWIEFALTEN. Tür und Tor öffnete das Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg, Zfp, gestern beim Treffpunkt in Zwiefalten für Familien, Angehörige und zahlreiche Interessierte. Das Tagesmotto »sehen, hören und verstehen«, bot zahlreiche Angebote für alle Altersklassen und erlaubte auch ab und an »den Blick hinter die Kulissen«.
Offene Türen in der Münsterklinik, die sich auch als familienfreundlicher Arbeitgeber einen Namen gemacht hat.
FOTO: Patricia Kozjek
Zeit für Begegnungen und interessante Gespräche finden sich dabei immer, wissen langjährige Mitarbeiter und Helfer. Als besonders familienfreundlicher Arbeitgeber präsentierte sich das ZfP beim diesjährigen Treffpunkt. In Notsituationen wie »Oma nicht greifbar« und »Kindergarten zu« haben die beschäftigten Eltern die Möglichkeit, ihren Nachwuchs kurzfristig bei Tagespflegefamilien in Zwiefalten unterzubringen.
Erstmals alles unter Dach
Die sogenannten Brückenplätze können an 365 Tagen und Nächten in Anspruch genommen werden und sind ausschließlich für ZfP-Mitarbeiter reserviert. So können Eltern zur Arbeit, auch wenn das Kind krank ist. Qualifizierte Tagespflegepersonen übernehmen die Versorgung. Darüber hinaus werden aber auch verstärkt flexible Arbeitsplatzmodelle bis hin zu Aus- und Weiterbildungsangeboten offeriert.
In diesem Rahmen lud auch die Krankenpflegeschule zu einer Besichtigung in die neuen und nicht erst seit der Renovierung der wiederentdeckten Stuckverzierungen sehenswerte Räume ein.
Für die Besucher der Klinik gab es auch einen Einblick mit Führungen und Diskussionsrunden in die Arbeit der Forensischen Psychiatrie. Interessiert zeigten sich viele Gäste am im Juli neu eröffneten Wohnheim Aachtalblick. »Es ist fast schon voll«, informiert der ärztliche Direktor Professor Dr. Gerhard Längle, der ein wenig bedauerte, dass gestern aufgrund des schlechten Wetters erstmals in 37 Jahren alle Veranstaltungen in den Gebäuden selbst stattfinden mussten.
Zu historischen Hintergründen informierte Heinz Baumeister bei einem Klinikspaziergang über das Gelände. Mit großformatigen Fotos von Tim Krieger lockte auch die Fotoausstellung »Normalität als Chance« zum Verweilen an. »Uns kann man nicht angucken«, sagt Reinhold Eisenhut, Geschäftsführer vom Verein zur Förderung einer sozialen Psychiatrie (VSP). »Deshalb haben wir vor drei Jahren einen Fotografen beauftragt, der das Leben von psychisch kranken Menschen in Gastfamilien festhält«.
Warten auf Mitbewohner
Die Idee gibt es bereits seit 1896, erklärt er dabei. »Früher nannte man das aber Familiale Irrenpflege«. Seit 1988 wird betreutes Wohnen in Gastfamilien, das Modell von den Ravensburgern kopiert, auch professionell in Zwiefalten praktiziert.
»Mit Erfolg!« 82 Erwachsene wurden seitdem vermittelt. »Derzeit warten rund 25 Familien auf ihren neuen Mitbewohner«, verrät er. »Eine segensreiche Sache mit oft sehr starken emotionalen Bindungen«, wissen die Mitarbeiter. (GEA)
Blick hinter die Kulissen
FOTO: Patricia Kozjek