Tourismus - Biosphären-Webcam und Ortseingangsschilder

So will sich St. Johann attraktiv präsentieren

VON CHRISTINE DEWALD

ST. JOHANN. Ein »riesiges Tourismuspotenzial« sieht Bürgermeister Florian Bauer in der Gemeinde St. Johann. Und es ist seiner Ansicht nach noch längst nicht ausgereizt. Die Mehrheit der Gemeinderäte kam in einer Sitzung am Donnerstagabend zu dem Schluss, dass mehr werbewirksame Auftritte in der Öffentlichkeit der Kommune nur nützen können. Deshalb schafft sich jetzt auch St. Johann wie zuvor schon die Stadt Münsingen und die Gemeinde Beuren eine der vom Biosphärengebiet unterstützten Webcams an. Außerdem beschlossen wurden Ortseingangsschilder zur Begrüßung von Gästen und zur Bewerbung von Veranstaltungen.

Schöne Panoramen wie hier beim Fohlenhof gibt?s in St. Johann viele. Bald soll die ganze Welt daran teilhaben können. FOTO: SCHEUB
Schöne Panoramen wie hier beim Fohlenhof gibt’s in St. Johann viele. Bald soll die ganze Welt daran teilhaben können. FOTO: SCHEUB
Wo die Kamera, die künftig bewegte Bilder aus St. Johann in die ganze Welt schicken wird, montiert werden soll, ist noch offen. Der ursprünglich für eine Webcam für die St. Johanner Homepage angedachte Standort auf dem Löschturm der Würtinger Feuerwehr wird es vermutlich nicht werden. Die Gemeinde hat attraktivere Panoramen - da waren sich die Bürgervertreter einig. Vielleicht der Fohlenhof mit dem Albtrauf? Der Birkenhof? Ideen gibt's einige, entschieden ist noch nichts. Denn schon bei der Auswahl eines geeigneten Standorts soll die Gemeinde fachkundig beraten werden: vom Tourismusdienstleister »Feratel«. Der wird nicht nur die um 360 Grad schwenkbare Panorama-Webcam liefern, sondern auch dafür sorgen, dass der dort aufgenommene Video-Stream auf möglichst vielen großen Online-Portalen präsent ist und so auch möglichst oft angeklickt wird.

Dritter im Boot

Bei den Anschaffungskosten - 6 000 Euro netto, dazu kommt noch die Installation - steht ein 50-Prozent-Zuschuss in Aussicht, wie Münsingens Touristik-Chef Hans-Peter Engelhart den Gemeinderäten berichtete. Er wirbt in St. Johann und anderen Kommunen dafür, sich möglichst zahlreich an den Biosphärengebiets-Webcams zu beteiligen. »Eine tolle Außenwirkung« verspricht sich Engelhart für die einzelnen Gemeinden und fürs Modellgebiet insgesamt.

Dazu kommt ein monetärer Vorteil. Das »Feratel«-Media-Paket für die Verbreitung der Video-Streams kostet jährlich 7 500 Euro - eine Dienstleistung, die sich bis zu fünf Gemeinden teilen können. Nach Münsingen und Beuren ist jetzt als Dritte St. Johann im Boot, wie die Gemeinderäte mit einer klaren Mehrheit beschlossen. Als weitere mögliche Partner sind Westerheim und Hayingen im Gespräch, informierte Engelhart.

Trotz breiter Zustimmung im Grundsatz äußerten etliche Bürgervertreter auch Kritik. »Ich find's langweilig«, meinte etwa Nicla Hercher zu den bedächtigen Kamera-Schwenks, die inzwischen fast jeder ins Netz schicke. »Mehr Action« wäre ihr lieber. Horst Lamparter kritisierte, die Gemeinde habe beim Thema Tourismus ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht, eine attraktive Infrastruktur fehle. Helmut Schepper als langjähriger Vorsitzender des inzwischen aufgelösten Fremdenverkehrsvereins argumentierte in eine ähnliche Richtung: »Die Leistungsträger arbeiten nicht zusammen. Jeder kocht sein eigenes Süppchen.«

Ein Tor zur Welt

Als »Tor zur Welt« sieht Rolf Rist den künftigen St. Johanner Live-Auftritt im Netz, als Beitrag zu mehr Weltoffenheit: »Es geht dabei nicht nur um Tourismus.« Florian Bauer verspricht sich aber nicht zuletzt auch eine »bare Umsatzsteigerung«. Sein Beispiel: Seit der Uracher Wasserfallsteig 2016 zum schönsten Wanderweg Deutschlands gekürt wurde, könne der Pächter der Rohrauer Hütte von seiner Wirtschaft leben.

Nicht nur in der digitalen Welt, sondern auch im ganz Konkreten will die Gemeinde St. Johann künftig ein betont freundliches Gesicht zeigen. Das Gremium hat beschlossen, Willkommens-Schilder aufzustellen, die an den Ortseingängen an überörtlichen Straßen Gäste und Durchreisende grüßen.

In Würtingen wird das Schild am Eingang aus Richtung Eningen stehen, in Bleichstetten an der Straße aus Urach, in Upfingen an der aus Sirchingen und in Ohnastetten an der aus Richtung Holzelfingen. Gleich drei Schilder sind in Gächingen nötig, wo Straßen aus Münsingen, Gomadingen und Sirchingen ankommen. Auch Lonsingen soll nicht leer ausgehen und ein Schild bekommen, obwohl hier keine kommunalen Außengrenzen sind. Wie genau die Schilder aussehen werden, steht noch nicht fest: Die Gemeinde wird dazu Angebote einholen.

Die Schilder werden die Möglichkeit bieten, durch Einschubtafeln für Veranstaltungen zu werben. »Die Vereine sollten ein Interesse haben, auch hier Werbung zu platzieren«, meinte Bleichstettens Ortsvorsteher Siegfried Unruh. »Die Quadratmeterschilder werden wir damit nicht erschlagen«, glaubt Rolf Rist nicht, dass der manchmal unschöne Schilderwald verschwinden wird. »Wenn wir den Schilderwildwuchs nicht eindämmen, ist die Frage, ob die Investition sich lohnt«, meinte dagegen Günter Hammer. Der von Bauer formulierte Kompromiss: Die Vereine dürfen an den Ortseingangsschildern werben, vorgeschrieben wird es ihnen aber nicht. (GEA)



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