Diakonie - Der Erfolg des Projekts »Zeitintensive Betreuung/Entlastung für pflegende Angehörige« ist jetzt belegt

Beide Gruppen profitieren

VON PETRA SCHÖBEL

MÜNSINGEN/BAD URACH. Eine gute Idee, professionell in die Tat umgesetzt, sorgt im Bereich der Diakonie-Sozialstationen Oberes Ermstal und Münsingen für viele zufriedene Menschen: Das Projekt »Zeitintensive Betreuung/Entlastung für pflegende Angehörige« (ZiB) ist nach einer Zwischenbilanz nach gut zwei Jahren ein voller Erfolg und das sogar mit wissenschaftlicher Bescheinigung.

Gestern haben Professor Dr. Paul-Stefan Roß und Diplom-Sozialpädagogin Hilli Tries vom Institut für angewandte Sozialwissenschaften der Dualen Hochschule Stuttgart in der Begegnungsstätte »Germania« ihren Evaluationsbericht vorgestellt. Demnach gibt es »nur zufriedene Beteiligte«, wie Hilli Tries erklärte. Sie hat mit vielen von ihnen gesprochen.

Die Idee hinter dem Projekt ist bestechend einfach und gut: Menschen, die eine Aufgabe suchen - zum Teil Arbeitslose, Migrantinnen oder auch Ruheständler - übernehmen für definierte Zeitabschnitte die Betreuung von Pflegebedürftigen, deren Angehörige mal eine Pause von zu Hause brauchen, um zum Arzt oder einkaufen zu gehen oder sich einen Kinoabend zu gönnen.

»Die Präsenzkraft und die Familie müssen zueinanderpassen« §§ Zwanzig sogenannte Präsenzkräfte hat Christa Herter-Dank als Projektkoordinatorin im Auftrag der Diakonischen Bezirksstelle Münsingen bisher ausgebildet. Alle sind ständig im Einsatz. »Die Nachfrage ist riesig«, betont Bezirksstellen-Leiterin Ina Kinkelin-Naegelsbach.

»Das Spannende daran ist, dass beide Gruppen profitieren«, sagt Paul-Stefan Roß. Nicht nur die pflegenden Angehörigen, denen Entlastung zuteilwerde, sondern auch die Betreuerinnen: Gerade für Langzeitarbeitslose oder Frauen mit Migrationshintergrund sei es schwer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Dank der ihnen anvertrauten Aufgabe gewinnen sie wieder Selbstvertrauen und Erfahrung und trauen sich einen beruflichen Neuanfang zu. »Fünf der zwanzig Frauen haben inzwischen eine Ausbildung im Bereich Altenpflege oder Hauswirtschaft begonnen«, berichtet Ina Kinkelin-Naegelsbach.

Dass es bei ZiB um mehr geht, als das reine Beaufsichtigen von pflegebedürftigen Menschen, macht die Studie deutlich. »Die Präsenzkraft und die Familie müssen zueinanderpassen«, erklärt Roß. Die Aufgabe, die richtigen Partner zusammenbringen, übernimmt mit viel Fingerspitzengefühl Christa Herter-Dank. Der Erfolg spricht für sie. Dauerhafte Beziehungen sind entstanden.

§§ »Wir führen hoffnungsvolle Gespräche mit dem Landkreis«
 
Rund 5 000 Einsatzstunden haben die zwanzig Präsenzkräfte in 58 Familien geleistet, seit das Projekt im Sommer 2007 gestartet worden ist. Einen großen Nachfrageschub gab es, als diese Betreuungsform zum 1. Juli 2008 als »niederschwelliges Angebot« gemäß Paragraf 45 SGB XI anerkannt wurde und die Angehörigen 100 bis 200 Euro monatlich dafür beantragen können. Denn zahlen müssen sie die Präsenzkraft selbst. 8,50 Euro pro Stunde werden veranschlagt. Einsätze von zwei bis zwölf Stunden sind üblich.

Für die Diakonie-Sozialstationen in Münsingen und Bad Urach, in deren Bereich das Projekt angesiedelt ist, geht es nun darum, die Finanzierung der Koordinatorinnenstelle auch in Zukunft sicherzustellen und von 30 auf 50 Prozent aufzustocken. Im kommenden Jahr läuft die Förderung aus dem Spendenfonds der Diakonie Württemberg aus. »Wir haben hoffnungsvolle Gespräche mit dem Landkreis geführt«, gibt sich Ina Kinkelin-Naegelsbach optimistisch.

ZiB sei in vielerlei Hinsicht als Alternative zur Heimunterbringung interessant, meint Lothar Schnizer von der Diakonie-Station Münsingen. Konkrete Anfragen zur Übernahme des Konzepts von zwei weiteren Sozialstationen im Landkreis liegen bereits vor. (GEA)



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