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Kirchenwahl - Katholiken haben am Sonntag die Wahl unter 391 Bewerbern um ein Mandat im Kirchengemeinderat

Ausgewogenheit der Geschlechter

VON ULRIKE OELKUCH

REUTLINGEN/ZWIEFALTEN. Die Spanne reicht von 18 bis 81 Jahren. Und genauso verschieden, wie das Alter sind die Berufe, denen die 391 Bewerberinnen und Bewerber nachgehen. Allein in einem sind sie alle gleich: Als gewählte Mitglieder wollen diese Katholiken künftig das Leben in ihren Kirchengemeinden aktiv mitgestalten, deshalb stellen sie sich in den 30 zum Dekanat Reutlingen-Zwiefalten gehörenden Gemeinden jetzt am Sonntag zur Wahl.

Zu den Urnen gerufen werden auch die Kroaten und Italiener in Metzingen und Reutlingen, die den dort jeweils zwei muttersprachlichen Kirchengemeinden angehören. Hier bewerben sich 24 Frauen und 30 Männer um ein Mandat als Kirchengemeinderäte.

»Je kleiner die Gemeinde, je größer die Schwierigkeit, für dieses Amt genügend Kandidaten zu finden«, fasst Dekanatsreferent Thomas Münch zusammen, was die Kirchengemeinden in den zurückliegenden Wochen und Monaten so sehr in Atem gehalten hat.

Denn um den Wählern eine gewisse Auswahl zu ermöglichen, sollte die Bewerberliste die Namen von mindestens zwei, besser einem Drittel mehr Kandidaten aufweisen, als später das jeweilige Gremium bilden - ein Wunsch, der sich in zwölf Kirchengemeinden der Diözese Reutlingen-Zwiefalten jedoch so nicht verwirklichen lässt.

Elf junge Erwachsene

Für die Katholiken in Aichelau, Bichishausen, Bremelau, Eglingen, Ehe-stetten, Huldstetten, Oberstetten, Pfron-stetten, Tigerfeld, Wilsingen, Mörsingen und Upflamör gilt daher am Sonntag folgendes neue Verfahren: Zusätzlich zu den auf den Wahlzetteln Genannten dürfen je nach Stimmenkontingent noch weitere Personen gewählt werden, wobei auch für sie gilt, dass sie »wählbar«, also mindestens 18 Jahre alt und Mitglied zwar nicht unbedingt der örtlichen, aber einer katholischen Kirchengemeinde sein müssen.

Wo der Kirchengemeinderat nach diesem Verfahren gebildet werden muss, dürfte das Ergebnis wohl kaum schon am Montag feststehen, kündigt Münch an. Denn jeder »Neuzugang« müsse auf diese Kriterien hin überprüft und persönlich befragt werden, ob er sich mit seiner Wahl auch einverstanden erklärt.

Schwierig könnte es obendrein dort werden, wo zu viele Auswärtige gewählt wurden, denn nur ein Fünftel des neuen Kirchengemeinderats darf seinen Wohnsitz außerhalb der Kirchengemeinde haben. Während der Altersschnitt der noch amtierenden und vor viereinhalb Jahren gewählten Kirchengemeinderats-Gremien innerhalb der Diözese momentan bei 45 Jahren liegt, weist das Durchschnittsalter der Kandidaten jetzt eine Zunahme um 1,5 Jahre auf. Dabei finden sich durchaus viele junge Gesichter auf der Liste wider: Unter den elf jungen Erwachsenen zwischen 18 und 26 Jahren sind drei Achtzehnjährige (in Großengstingen, Metzingen und Bad Urach) sowie eine 19-Jährige in Reutlingen.

Die insgesamt jüngste Bewerberliste haben die Eglinger mit einem Schnitt von 38,1 Jahren auf die Beine gestellt, wogegen es die Kandidaten in Upflamör auf den vergleichsweise höchsten Schnitt mit 57,8 Jahren bringen. Besonders jung sind die zu wählenden Kroaten mit 36,9 Jahren in Reutlingens muttersprachlicher Kirchengemeinde sowie mit 36,6 Jahren in jener in Metzingen.

Von den insgesamt 391 Kandidaten sind übrigens 175 Wiederbewerber, 22 Männer und Frauen aus dieser Gruppe treten die Wahl gar bereits zum vierten Mal an. Im Unterschied zu politischen Wahlen hat die Kirche nicht nur junge Kandidaten, sondern auch junge Wähler: Sein Kreuzchen machen darf, wer 16 Jahre alt ist.

Zwischen vier und sechzehn

Was die Größe der einzelnen Kirchengemeinderats-Gremien anbelangt, hat Dekanatsreferent Thomas Münch eine weitere Besonderheit herausgefunden: Mit vier Mitgliedern zählen Mörsingen und Upflamör zu den kleinsten und mit je 16 Männern und Frauen am Ratstisch die Bonifatiuskirche in Metzingen sowie Heilig-Geist in Reutlingen zu den größten Gremien. In Großengstingen bilden zwölf, in Zwiefalten und Münsingen jeweils zehn Kirchengemeinderäte ein Gremium.

So spannend die Frage nach der Geschlechterverteilung ist, so verblüffend einfach lautet von Thomas Münch die Antwort: »Halbe, Halbe. Hier herrscht Ausgewogenheit.« (GEA)


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