Sanierung - Vom Kanal bis zur Holzfassade: Im Albgut im Alten Lager wird unter- und überirdisch fleißig gearbeitet

Altes Lager: Auf der Denkmal-Baustelle geht's voran

VON MARION SCHRADE

MÜNSINGEN. Anfang des 20. Jahrhunderts als Lagerhalle gebaut, in den 1960er-Jahren zum Andachtsraum umgewidmet: Die Kapelle ist nur eins von vielen Bauwerken mit Geschichte im Alten Lager. Folie in Bleiglasfenster-Optik, ein »gotisches Portal«, das die schlichte Tür optisch vergrößert: Mit einfachen Mitteln hat das Militär dem Zweckbau eine sakrale Note gegeben. Dieses und andere Gebäude instand zu halten, für Besucher zugänglich zu machen und touristisch zu nutzen ist Teil des Konzepts, das Franz Tress in seinem Albgut nun Schritt für Schritt umsetzt.

Im markanten »Eco« wird?s ein Café geben ? womöglich noch diesen Sommer.
Im markanten »Eco« wird’s ein Café geben – womöglich noch diesen Sommer. FOTO: Marion Schrade
Restauratorin Bärbel Haußmann ist derzeit vor Ort, um Mauerwerk und Balken in Augenschein zu nehmen: In welcher Farbe wurden sie ursprünglich gestrichen, bevor sie im Laufe der Jahrzehnte x Mal überpinselt wurden? Dieser Frage geht die Mössingerin nicht nur in der Kapelle, sondern auch an anderen Bauwerken auf den Grund. Beispielsweise an den Holzveranden der Unterkünfte entlang der Hauptlagerstraße. Dort soll ein Probeanstrich den Leuten vom Denkmalamt schon mal einen Eindruck vermitteln, wie die Gebäude nach ihrer Restaurierung aussehen. Gibt die Behörde ihren Segen, kann Tress die Farbeimer bestellen. »Das Gerüst haben wir schon gekauft«, sagt der Unternehmer, zwei Leute werden dann bis in den Herbst hinein malern.

Café und Fest-Locations

Parallel läuft der Bauantrag fürs »Eco«, das markante Gebäude mit Turm samt Uhr im Zentrums des Areals. Derzeit ist dort das Museum des Traditionsvereins untergebracht - und soll es auch weiterhin bleiben, bis ein Ersatzgebäude für die militärgeschichtliche Ausstellung gefunden ist. Im Erdgeschoss des »Eco« aber soll parallel schon mal saniert und ein Café eingerichtet werden. Inklusive Sanitäranlagen, die für die weitere Öffnung des Alten Lagers für Besucher von zentraler Bedeutung sind, wie Tress betont. Läuft alles nach Plan, wird im »Eco« noch diesen Sommer der erste Kaffee serviert.Parallel werden die Pläne für verschiedene Schaumanufakturen - beispielsweise zur Wolle - weiter ausgearbeitet. Die »alte Schmiede«, vormals als Mannschaftskantine genutzt, will Tress als weiteren Ort für Festivitäten herrichten - auch als Alternative zum schön gelegenen Offizierscasino, das für Hochzeiten und andere feierliche Anlässe gut gebucht ist. Und auch die Halle im Norden des Geländes, in der bei der Lifestyle-Messe »schön und gut« die Aussteller rund ums Thema Schäferei anzutreffen sind, soll sicherheitstechnisch so aufgerüstet werden, dass sie als Versammlungsstätte zugelassen und künftig intensiver für Veranstaltungen genutzt werden kann. Als »Winterbaustelle« hat sich Tress drei ehemalige Hauptmannsbaracken vorgenommen: Dort sollen »hochwertige Übernachtungsmöglichkeiten« mit eigenen Bädern geschaffen werden. Bisher haben Gäste noch keine Wahl, sie müssen sich mit einfacheren Unterkünften samt Etagenduschen begnügen. Künftig soll es verschiedene Kategorien und Standards geben. In welchen Dimensionen sich die Aufgabe bewegt, das Alte Lager in eine Tourismus-Destination umzuwandeln, zeigt allein schon der Blick unter die Erde: Die Unterlagen zur Kanalsanierung füllen mehrere dicke Ordner, die Franz Tress in seinem Büro derzeit auf dem Schreibtisch liegen hat. Zwar hatte das Militär schon zu Bauzeiten vor 120 Jahren an die Abwasserentsorgung gedacht und in den Folgejahren immer wieder investiert. Doch die Infrastruktur - das betrifft auch die Frischwasserversorgung und die Heizung - ist nicht mehr zeitgemäß.

Zwölf Kilometer Kanal

Allein die derzeit laufende Kanalsanierung wird mindestens zwei Jahre dauern, Ende 2019, hofft Tress, sind die Arbeiten abgeschlossen. Eingeteilt ist das 12 Kilometer lange Kanalsystem in sechs Bauabschnitte, Schritt für Schritt werden die Kanäle mit Videokameras befahren, Schäden aufgenommen und klassifiziert: Wo die mit der Aufgabe betrauten Fachleute die Note vier oder fünf - miserabler Zustand - verteilen, rücken die Arbeiter zuerst an. In offener Bauweise - mit dem Bagger also - werden Rohre und Schächte ausgetauscht. Wo die alte Substanz noch zu flicken ist, werden in geschlossener Bauweise sogenannte Inliner eingezogen: Kunststoffschläuche, die die Rohre von innen auskleiden und Risse schließen.Inzwischen abgeschlossen ist der Umbau der Frischwasserversorgung vom Flächennetz zur Ringversorgung. Und weil Nachhaltigkeit eins der Kernthemen im Biosphärengebiet ist, wird für die Energieversorgung ein besonderes, ressourcenfreundliches Konzept erarbeitet: Mit Blockheizkraftwerk, Fotovoltaik und anderen Elementen soll das Albgut eine sich selbst versorgende, energieautarke Einheit sein. Das Projekt in Zusammenarbeit mit der Klimaschutzagentur und Erdgas Südwest (der GEA berichtete) habe, so Tress, inzwischen konkrete Züge angenommen und soll bei einer Veranstaltung am 5. Juli von 13 bis 18 Uhr öffentlich vorgestellt werden. (GEA)

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