Biosphärengebiet - Von Verbrauchern wird Identifikation mit der Region gefordert, doch landkreiseigene Kliniken müssen Produkte von günstigsten Bietern nehmen
Anspruch und Wirklichkeit
TROCHTELFINGEN. Biosphärenbrot, Biosphärenwolle und jetzt auch noch Biosphärenbier. Die Liste der Produkte, die aus dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb stammen, oder zumindest teilweise aus Produkten aus der Modellregion entstanden sind, wird länger. Manchem fehlt die Transparenz. »Hopfen wächst nun mal nicht hier«, kritisierte der Genkinger Biolandgärtner Andreas Werner fehlende Erzeugerkriterien für die Marke. Seine Befürchtung: »Der Begriff wird verwässert«, wollte Gebhard Aierstock, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Reutlingen und Mit-Impulsgeber in der vom BUND organisierten Diskussionsrunde »Die Schwäbische Alb tischt auf - wie kann zukunftsfähige Landwirtschaft im Biosphärengebiet aussehen«, allerdings nicht so stehen lassen. Aierstock: »Die Partnerbetriebe haben Richtlininen.«
Es ist ein Entwicklungsprozess. Auch der Bauernverbandschef wünscht sich das schnelle Vorankommen auf dem gerade erst eingeschlagenen Weg zu einem Rahmenkonzept für die Modellregion, bei der Partizipation gewünscht ist und bei dem es auch um eine Dachmarke für die Produkte aus dem Gebiet gehen soll. Der erste Versuch dazu sei am Geld gescheitert.
Um's Geld drehte sich auch das Impulsreferat von Lutz Ribbe. Der Direktor der umweltpolitischen Abteilung von Euronatur ist Mitglied im Wirtschafts- und Sozialausschuss der EU und als solcher ein Kenner der Pläne für die anstehende Agrarreform in der 27 ganz unterschiedliche Mitgliedstaaten umfassenden EU.
Ab 2014 werden die Landwirtschaftsbetriebe weniger Direktzahlungen erhalten, kündigte Ribbe an. Auch vor dem Hintergrund der auf die europäischen Märkte drängenden Mercosur-Staaten (Südamerika) müssten sich die Landwirte im Biosphärengebiet Alternativen überlegen, sich regionale Wirtschaftskreisläufe und Vermarktungsstrukturen zu schaffen. »Österreich macht das mit dem Projekt Schulmilch von den Bauernhöfen ganz gut vor.«
Marketingstrategie entwickeln
Dabei hält Ribbe die Region mit ihrer Vielfalt und einzigartigen Kulturlandschaft für gut aufgestellt. Auch wenn, wie es Gebhardt Aierstock formulierte, »in vielen Bereichen noch nicht der große Wurf gelungen ist«. »Die Wertschöpfung muss für die Erzeuger, den Handel und die Verbraucher stimmen,« gab er zu bedenken. Dennoch sieht er die Chancen, die das Biosphärengebiet bietet. Sie liegen für Aierstock auch in der Vermarktung. »Wir müssen das anders und besser verkaufen.«
»Die Landwirtschaft im Biosphärengebiet könnte mit ihren Besonderheiten von der Alb punkten«, regte Lutz Mammel von der Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa nach dem Vorbild der Spezialitäten aus den italienischen Provinzen an. »Dort wird der Wert der Produkte geschätzt und bezahlt. Für mich als Bauer ist es nicht erstrebenswert, von Subventionen zu leben.«
Politische Entscheidung
Kritik am Schulmilchprogramm, wie es umgesetzt wurde, äußerte BUND-Regional-Geschäftsführerin Barbara Lupp, die daran zweifelte, dass so etwas wie Identifikation mit der Region aufkommen könne, wenn nicht einmal der Landkreis in seinen Klinikküchen regionale Lebensmittel auftische, weil der Kostendruck zum günstigsten Bieter zwingen.
»Es geht anders. Das ist eine politische Entscheidung«, konterte Ribbe. Das Land habe eine Nachhaltigkeitsstrategie. Gemäß dieser sollte gerade die öffentliche Hand anstatt zum günstigsten Angebot zum nachhaltig erzeugten greifen. Ribbe: »Das würde Identifikation mit der Region schaffen.« (jsg)
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