Biosphäre - Bebauungsplan »Albgut« für Münsingens Altes Lager findet Zustimmung im Gemeinderat

Altes Lager: Zustimmung für Bebauungsplan "Albgut"

VON ULRIKE OELKUCH

MÜNSINGEN. Stadtplaner Clemens Künster spricht beim »Albgut«, zu dem das Alte Lager einmal werden soll, nachdem es der ehemalige Nudelhersteller Franz Tress im November vergangenen Jahres gekauft hat, gern mal von »Münsingens 15. Stadtteil«. Was so nicht ganz der Realität entspricht: Seit der Rekommunalisierung der früheren Militäranlage gehört das Terrain zu Auingen. Bürgermeister Mike Münzing, mit tatsächlich 14 Teilorten schon genug beschäftigt, greift bei der Vorstellung des jetzt vom Gemeinderat einstimmig zur Aufstellung beschlossenen Bebauungsplans »Albgut« daher immer wieder korrigierend ein, wenn der Begriff »15. Stadtteil« dennoch fällt.

Franz Tress. Foto: Oelkuch
Franz Tress. Foto: Oelkuch
Ob extra Stadtteil oder nicht: Tatsächlich musste der Regierungsbaumeister bei der Überplanung des rund 65 Hektar großen und mit mehr als 140 historischen Gebäuden bestückten Areals so agieren, als ob er eine »grüne Wiese« vor sich hätte, auf der künftig ein möglichst konfliktfreies Zusammenspiel von Wohnen und Arbeiten, von Tourismus und Landwirtschaft sowie von Gastronomie und Gewerbe machbar sein soll.

Infrastruktur eines Stadtteils

Vorhanden sind jedoch bereits zahlreiche Wege und Straßen. Darunter die bisherige Hauptzufahrt, die das um 1895 angelegte königlich-württembergische Militärgelände mittig durchschneidet und ihm mitsamt seiner beidseits nahezu symmetrisch angeordneten Gebäude und Baracken sein unverwechselbares Aussehen gibt. Diese »Hauptstraße« – künftig Biosphärenstraße genannt – soll und muss aus denkmalschützerischen Aspekten auch im »Albgut« unverändert bleiben, nicht aber mehr Hauptzufahrt sein: Die hat der Stadtplaner in Übereinkunft mit Investor Franz Tress am früheren Osttor der Kaserne vorgesehen. Also am Hahnensteig.

Im Bereich des Osttors sollen für die zu erwartenden Besucher der von Franz Tress geplanten »erlebbaren Biosphäre« die erforderlichen Bus- und Pkw-Stellplätze angelegt werden, wodurch der eigentliche Erlebnisbereich weitgehend verkehrsfrei bleiben könnte.

Planer Clemens Künster hat die reine Baufläche des »Albguts« von rund 42 Hektar in verschiedene Zonen aufgeteilt. Da gibt es – wie in einem richtigen Dorf – Mischgebiete, innerhalb derer Gläserne Produktionen, Verkaufsstellen, Museumsbetriebe, aber auch eine Wohnnutzung möglich sein sollen. Entlang der zentralen Achse, der Biosphärenstraße, sind im östlichen Bereich Schulungsräume, Cafés, ein Biosphärenmarkt und ein Hotelbetrieb vorgesehen – die Rede ist aus planungsrechtlichen Gründen von maximal 300 Betten. Dasselbe Spektrum könnte ebenso in den historischen Gebäuden realisiert werden, die spiegelbildlich auf der westlichen Seite der Biosphärenstraße liegen, wo sich ein Stück weiter auf einer kleinen Anhöhe auch das ehemalige Offizierscasino »MM1« befindet, das Franz Tress bereits zum jetzigen Zeitpunkt für festliche Events und Hochzeitsfeiern anbieten kann: mitsamt Übernachtung in den ehemaligen Offiziersunterkünften. In Richtung Kapf sind auch Flächen eingeplant, auf denen eine Wohnbaunutzung zulässig sein soll (Erschließung über die Königstraße) sowie ein Sondergebiet für Feriendomizile. Ganz in der Nähe davon, an Münsingens jetzt nobelster Adresse namens Schlossallee, befindet sich auch jenes als »Schlösschen« bekannte Gebäude, das Franz Tress selbst bewohnt mit Ehefrau Annegret und Töchterchen Franziska.

Historisches Tor kommt wieder

Im zum Teil bewaldeten Bereich unterhalb der früheren Panzerwaschanlage soll es ein Rotwildgehege und Platz für einen Streichelzoo geben. Auch wird an anderer Stelle im »Albgut« ein landwirtschaftlicher Bereich für einen Schaubauernhof geschaffen. Das Terrain rund um den Place de France hat der Planer als Gewerbegebiet ausgewiesen. Und dort, wo mal das Kohlelager war, könnten irgendwann Open-Air-Konzerte stattfinden. »Diese Planung kann sukzessive entwickelt und verwirklicht werden, das ist ihr Charme«, betonte Architekt Clemens Künster, der damit die Zustimmung des Gemeinderats fand. Ein bürgermeisterliches Lob gab es für den Investor: »Das war musterhaft, wie das bislang gelaufen ist«, sagte Mike Münzing.

Franz Tress hat inzwischen viele historische Aufnahmen vom Alten Lager zusammengetragen und begeistert sich besonders für ein noch handkoloriertes Bild, das den Eingangsbereich zeigt mit aus roten Ziegeln gemauerten Torbögen, getünchten Türmchen und massivem Holzzaun. Genau so ein Tor will Tress jetzt auch für sein »Albgut«. Es soll seinen Bereich vom öffentlich zugänglichen Biosphärenzentrum Schwäbische Alb abtrennen. (GEA)









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