Über die Alb
LEUTE - Bodenständig und kreativ: Agnes Lamparter ist Verwaltungsangestellte und Künstlerin. In einer Münsinger Ausstellung zeigt sie ihre Sichtweise der Biosphäre

Agnes Lamparters Biosphäre: Farben sind Emotionen

Von Marion Schrade

MÜNSINGEN-DOTTINGEN. Der Holzofen bollert vor sich hin und erfüllt das gemütliche kleine Haus mit wohliger Wärme. Zahllose Farbsprenkel auf dem Dielenboden zwischen Sitzecke und Bett verraten, für was das Herz der Frau, die hier lebt, schlägt. Agnes Lamparter liebt die Kunst. Die Leinwände, die sie mit Acrylfarben bemalt, legt sie viel lieber auf den Fußboden als auf eine starre Staffelei. Oft nutzt sie schon frühmorgens die Gunst der Stunde, wenn die Sonne das Zimmer mit ihren ersten weichen Lichtstrahlen erhellt. Und lässt ihrer Kreativität freien Lauf. Manchmal sogar schon, bevor sie zur Arbeit in die Münsinger Albklinik fährt.

Lebensfreude pur: Die Dottinger Künstlerin Agnes Lamparter strahlt genau wie ihre Bilder jede Menge Energie und Temperament aus. FOTO: SCHRADE
Lebensfreude pur: Die Dottinger Künstlerin Agnes Lamparter strahlt genau wie ihre Bilder jede Menge Energie und Temperament aus. FOTO: Marion Schrade

Freund und Mentor Lothar Schall

Bodenständigkeit im Alltag und künstlerische Fantasie stehen für die 41-Jährige nicht im Widerspruch. Schon als Kind habe Agnes immer nur gemalt, erzählt ihre Mutter Rosa Lamparter: »Ihr Schreibtisch war ständig voller Zeichenblöcke, überall war Papier.« Bei Helmut Knoblich in Dottingen, einem Verwandten, war Agnes Lamparter als Kind gern zu Gast: »Es roch immer nach Terpentin, das hat mir gut gefallen.« Knoblich war Kunstmaler und eine der ersten Bezugspersonen, die Agnes Lamparter auf ihrem künstlerischen Weg begleiteten. Ihr zweiter großer Mentor war Lothar Schall. Gächingens großer Künstler war von dem talentierten Mädchen, das in seine Kurse kam, angetan: Er lehrte sie so manche Technik, beurteilte ihre Bilder und half ihr so in ihrer Entwicklung als Malerin weiter.

Trotzdem entschied sich Agnes Lamparter, die mit fünf Brüdern in Gächingen aufgewachsen war, das zu lernen, was man gemeinhin als »ordentlichen« Beruf bezeichnet: Sie wurde Bürokauffrau, 13 Jahre lang arbeitete sie für eine große Gartenbaufirma. Heute ist sie stellvertretende Verwaltungsleiterin in der Münsinger Albklinik. Von der Alb zog sie nach Reutlingen - und wieder zurück. Als sie gerade mal 23 war, kaufte sie das Häuschen in Dottingen, das sie seitdem Stück für Stück renoviert. »Hier isch halt oifach Hoimat«, sagt Agnes Lamparter und strahlt. Die Energie und Lebensfreude, die von ihr ausgehen, spiegelt sich in ihren Bildern wider: Kraftvolle Farbschwünge, die aussehen, als seien sie mitten in ihrer ungestümen Bewegung erstarrt und zu Momentaufnahmen geworden.



Neben ihren beruflichen Verpflichtungen arbeitete Agnes Lamparter weiter an ihrer Karriere als Malerin. 1998 zeigte sie ihre Werke erstmals öffentlich in ihrer Heimat-Gemeinde, im Kommohaus in Würtingen. Viele Ausstellungen folgten - in der Region und darüber hinaus. Heute hängen ihre Bilder in Privathäusern und Firmen, in einem Geschäftshaus in Venezuela genauso wie in einer Bank in Bad Urach.

In den vergangenen Wochen und Monanten hat sich Agnes Lamparter einem besonderen Thema gewidmet: »Die Farben der Biosphäre« - so hat sie ihre neue Ausstellung genannt, die von Freitag, 10. Februar, an in Münsingen gezeigt wird. Welche Farben die Alb, die Biosphäre, für sie hat?

»Das hat nicht unbedingt nur mit Farbtönen und Farbgebung zu tun, sondern mit Emotionen, die ich festhalten möchte«, sagt Agnes Lamparter. Ihre Malerei ist abstrakt, ihre Sicht auf die Welt ist es nicht: Der Anblick eines Sonnenuntergangs vom Birkenhof über Gächingen löst Gefühle aus, die sich nur schwer beschreiben, aber umso intensiver malen lassen. (GEA)



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