Lebensmittel - Über hundert Bürger bringen in Sonnenbühl gentechnikfreien Bio-Dinkel auf dem Feld aus
»Zukunft säen« ernst gemacht
Von Gabriele Leippert
SONNENBÜHL-GENKINGEN. Gentechnisch verändertes Getreide oder andere Erzeugnisse? Zusammen mit Andreas Werner bezogen mehr als hundert Bürger eindeutig dagegen Stellung. Gemeinsam säten sie Dinkel aus eigenem Anbau des Genkinger Bioland-Gärtners aus. Diese Aktion »Zukunft säen« begrüßte auch Sonnenbühls Bürgermeister ganz ausdrücklich: Er wolle sie als Stärkung regionaler und gentechnikfrei angebauter Produkte verstanden wissen, erklärte Uwe Morgenstern.
Mit gutem Beispiel ging die Lokalprominenz, von links: Erster Landesbeamte Hans-Jürgen Stede, Kreisbauernvorsitzender Gebhardt Aierstock und Bürgermeister Uwe Morgensten voran und säte genfreien Dinkel in ein Sonnenbühler Feld.
FOTO: Gabriele Leippert
»Lebensmittel sollten in der Landwirtschaft auf dem Acker oder auf der Wiese erzeugt werden, und eben nicht im Labor im Reagenzglas«, betonte der Sonnenbühler Rathauschef, was auch von vielen Gästen mit Bravorufen kommentiert wurde. Toll sei diese Aktion auch deshalb, weil alle »Säer« mitverfolgen könnten, »ob und wie sich das Saatgut entwickle«, fand der Schultes.
»Wir wollen unser eigenes Saatgut, nicht aus dem Labor, sondern von bäuerlicher Hand und ordentlichen Saatgutzüchtern gezogen«, bekräftigte Berthold Weber. Der Vorstand des Bioland-Verbands Baden-Württemberg sieht die Aktion »Zukunft säen«, die ihren Ursprung 2006 in der Schweiz hatte und sich inzwischen in vielen Ländern Europas ausbreitet, als »tatkräftige Unterstützung und positives Zeichen beim Wehren gegen dieses Gentechnik-Zeugs«.
Klare Position bezogen
Er finde es wichtig, dass »Landwirte und Verbraucher eine gemeinsame Verantwortung für die Schöpfung mit ihrer Artenvielfalt übernehmen«, konstatierte Hans-Jürgen Stede. Im Landkreis herrsche einhellig die Meinung, dass grüne Gentechnik »nicht zu uns passt«, weil in der eher kleinteiligen Landwirtschaft eine Ko-Existenz nicht funktionieren könne, betonte der Erste Landesbeamte. »Wir sind stolz auf unsere regionalen Produkte wie Albdinkel, Alblaisa, Alb-Schnecka und vieles mehr.« Dies passe alles nicht zu gentechnisch gleichgemachtem Allerlei, bezog Stede klare Position.
730 Landwirte hätten sich verpflichtet, auf gentechnisch veränderte Saat oder Pflanzgut zu verzichten. Das bedeute, dass Gentechnik auf rund 20 000 Hektar, wozu noch rund 2 500 Hektar von Bio-Landwirten kämen, im hiesigen Landkreis keine Chance habe, lobte der Vertreter von Landrat Thomas Reumann. Trotzdem müsse man noch viel stärker darauf achten, dass das Qualitätsmerkmal »ohne Gentechnik« zum Verkaufsargument werde und die Verbraucher auch bereit seien, dafür mehr zu bezahlen, schloss Stede sein Plädoyer. Dass viele Sorten für die Region auf der Alb wegen der rauen Böden, der Trockenheit oder dem Wind gar nicht tauglich seien, berichtete Wendelin Heilig, der als Prüfer für das Bundessortenamt jährlich rund 120 Sorten unter die Lupe nimmt. Leider gebe es auch nur ganz wenige der bundesweit hervorgebrachten Sorten, die für Bio-Bauern geeignet seien, bedauerte der Münsinger Pflanzenbauberater.
Wer Ko-Existenz beschwöre, solle aufzeigen, wie dies überhaupt funktionieren könne, richtete Gebhard Aierstock sein Augenmerk auf die Tatsache, dass viele Felder in der Nähe gentechnisch betriebener Felder kontaminiert würden, was die nächste Frage aufwerfe, wer dann für die Kosten aufkomme. »Deshalb muss man die ganze Technologie auch weiterhin sehr kritisch sehen«, sagte der Vorsitzende des Kreisbauernverbands nachdrücklich.
Den vielen Worten folgten schließlich die Taten, alle Anwesenden marschierten gemeinsam zum Feld zwischen Genkingen und Undingen. Und auf das Kommando von Eigentümer Andreas Werner wurde das vorbereitete Saatgut von Hand ausgesät.
»Es war toll, dass so viele Kinder dabei waren«, freute sich Aierstock, denn der Nachwuchs könne so viel über gesunde Nahrung lernen. (GEA)
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