Gesellschaft - Neues Mariaberger Haus am Trégueuxplatz bietet Wohnraum für Menschen mit und ohne Behinderung
»Leuchtturm für die Inklusion«
VON HILDE BUTSCHER
GAMMERTINGEN. Trégueuxplatz Nummer 1. Für Mariabergs Vereinsvorsitzenden, Dekan i. R. Klaus Homann, »klingt die Adresse fast poetisch. Was kann man nicht alles dahinter vermuten?« Fakt ist: Unter dieser Adresse ist, auch wenn es das Navi noch nicht anzeigt, das neue integrative Wohnprojekt Mariabergs in Gammertingen zu finden. Am Freitag wurde es zusammen mit prominenten Gästen, Nachbarn, Mitarbeitern, Bewohnern und musikalisch begleitet von der Musikkapelle Feldhausen/Harthausen, eröffnet. Das Haus am Trégueuxplatz ist Wohnraum für Menschen mit und ohne Behinderungen, Begegnungsstätte mit Beratungs-, Einkaufs- und Freizeitangeboten.
Ohne Berührungsängste
»Berührungsängste gegenüber behinderten Menschen müssen fallen«, forderte Professor Roland Klinger, der Verbandsdirektor des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales. »Dies kann nur durch Begegnung im Alltag geschehen.« In Gammertingen habe es, »weil schon immer gelebt«, nie Berührungsängste zwischen Menschen mit und ohne Behinderung gegeben. Deshalb sei ihm nicht bange, dass das Haus, das von Weitem »als Leuchtturm für die Inklusion« (Einbeziehung Behinderter) wahrgenommen werde, angenommen wird.
Mit dem neuen Haus in Gammertingen kommt Mariaberg dem Ziel der Dezentralisierung, festgelegt in der im Jahr 2006 geschlossenen Rahmenzielvereinbarung, wieder ein Stück näher. Mariabergs Vorstandssprecher Thilo Rentschler begrüßte die Gäste, darunter die Landtagsabgeordneten Tanja Gönner und Thomas Poreski und den ehemaligen Abgeordneten Ernst Behringer und würdigte das neue Haus - architektonisch Ergebnis eines städtebaulichen Wettbewerbs - als eine für Gammertingen »gute städtebauliche Lösung rund um den Roten Dill«. Es sei ein Bau, der viel Wärme ausstrahle. »Viele Gammertinger, die noch skeptisch waren, sind mittlerweile von der Qualität des neuen Hauses überzeugt.«
So selbstbestimmt wie möglich
Das neue Gebäude, das 3,6 Millionen Euro gekostet hat, bietet in einer Wohngemeinschaft sowie in Einzelappartements Wohnraum für 16 erwachsene Menschen mit Behinderung. Weitere acht Jugendliche wohnen in einer Wohngruppe. Der Wohnbereich ist so ausgestattet, dass Menschen trotz unterschiedlichen Assistenzbedarfs so selbstbestimmt wie möglich leben können. Zusätzlich werden vier Wohnungen über den allgemeinen Wohnungsmarkt vermietet. Ab dem nächsten Jahr sollen in den neuen Räumen die Büros der Geschäftsführung und des Sekretariats des Mariaberger Geschäftsfeldes Wohnen plus untergebracht sein. Ein Café als Begegnungsstätte soll im neuen Jahr das Angebot ergänzen. Netzwerke zu vor Ort bestehenden Angeboten von Nachbarschaftshilfe, Vereinen und Kirchengemeinden sollen ausgebaut werden. »Das Haus ist ein Beispiel für gelebte Inklusion«, sagte Rentschler, »weil es hier einen Mix an Teilnahmemöglichkeiten gibt.«
Sigmaringens Landrat Dirk Gaerte würdigte das Projekt in seinen Grußworten als »eine wunderbare Einrichtung«. Gammertingens Bürgermeister Holger Jerg sprach davon, dass mit dem Haus am Trégueuxplatz ein wichtiger Schritt für die Entwicklung der Sanierung der Hohenzollernstraße getan sei. »Der südwestliche Stadteingang ist jetzt aktiv mit Leben gefüllt. Plötzlich ist wieder neues Leben in der Stadt.«
Architekt Manfred Michel vom Stuttgarter Büro »Michel+Wolf+Partner« übergab Rentschler einen essbaren Schlüssel fürs Haus. »Ein Schlüssel öffnet und schließt ab. So wie das Haus, das Geborgenheit vermitteln und sich nach außen öffnen muss.« Michel dankte seinen Mitarbeitern, den Handwerkern und dem Bauherrn für die gute Zusammenarbeit. Und Dekan Homann sprach zum Schluss der Veranstaltung den Segen über das Haus. Im Anschluss an den offiziellen Teil öffneten die Bewohner vom Trégueuxplatz 1 ihre Wohnungs- und Zimmertüren und zeigten voll Stolz ihr neues Heim. (GEA)
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