»Klar werden wir fertig!«

VON UNSEREN MITARBEITERN

»Uns schickt der Himmel«: Unter diesem Motto stellen sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bundesweit der Herausforderung, in 72 Stunden eine gemeinnützige Aufgabe zu lösen, für die sonst das Geld oder die Bereitschaft fehlt. Auch in der Region beteiligten sich viele Gruppen an der Aktion des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Der GEA war auf Stippvisite in Häslach, Metzingen, Steinhilben, Eningen und Reutlingen

KREIS REUTLINGEN. Der Wunschzettel von Schülerinnen und Schülern der Römerwegschule in Häslach ist ziemlich umfangreich: Den Sandkasten auf dem Spielplatz reparieren und frisch befüllen; einen Pfad anlegen, der die verschiedenen Stationen verbindet; ein Beet, das die Schülerschar mit Blumen und Gemüse-Setzlingen bestücken will – und obendrein ein Barfußpfad auf dem Grundschulgelände.

Vor so vielen Wünschen und Anforderungen zugleich ist es knapp zwei Dutzend Jugendleiterinnen und Jugendleitern der katholischen Seelsorge-Einheit Reutlingen-Nord, zu der die Kirchengemeinden St. Franziskus Pliezhausen mit St. Gebhard in Mittelstadt sowie St. Andreas in Mittelstadt gehören, nicht bange – da wird einfach in die Hände gespuckt und losgelegt. Bis Sonntagnachmittag soll alles fertig sein, rechtzeitig zu einem großen Schulfest. Der 72-Stunden-Countdown läuft seit Donnerstagabend. Um ja keine Zeit zu verlieren, haben die Jugendlichen ihr (Nacht-)Lager in der Schulaula aufgeschlagen.

Kampagne für Missionsprojekte

Auch in Metzingen übernachteten viele Mitglieder der Boni-Jugend im Bonifatiussaal, um nach der Bekanntgabe der Aufgabe noch stundenlang Ideen zu sammeln. So konnten sie nach dem für manche eher zu frühen Frühstück gleich loslegen. Ihr Thema: »Metzingen meets the World«. Die Welt soll erfahren, was sich in Metzingen bewegt. Für vier Missions- und Hilfsprojekte ihrer Kirchengemeinde St. Bonifatius in Afrika und Südamerika sollen sie Öffentlichkeitsarbeit machen und mindestens 2 013 Euro Spenden sammeln. Für jedes der vier Projekte soll es eine eigene Aktion geben, »die das Projekt über euren Kirchturm hinweg bekannter macht«, heißt es in der Aufgabenstellung.

Die Strategie steht: Sie wollen sich um eine Genehmigung kümmern, um heute auf dem Kelternplatz einen Infostand mit Kuchenverkauf machen dürfen. Gestern warben sie in Schulen für ihre Projekte und besorgten Material, um eine mobile Litfaßsäule zu basteln. Außerdem tüfteln sie an einer eigenen Homepage: www.72h-metzingen.de. Auch »offline« erfährt man mehr über das Projekt – am Samstag von 8 bis 12 Uhr auf dem Kelternplatz, am Sonntag um 10 Uhr im Gottesdienst in St. Bonifatius – und an allen Tagen in der »Schaltzentrale« Bonifatiussaal, wo jeder auch Spenden abgeben kann, sei es Geld für die Projekte oder Energiefutter für die Akteure.

Jede Menge Energie brauchen auch die 20 Jungs und Mädels vom Jugendtreff Steinhilben . Ihre Mission: »Gestaltet einen Aufstellplatz für die zwei verstummten Glocken eurer Kirche.« Ende des Jahres bekommt die Pankratiuskirche nämlich neue Glocken. Und die alten? Viel zu schade für die Schrottsammlung. Sie haben einen Ehrenplatz verdient: Vor der Kirche sollen sie auf zwei unterschiedlich hohen Podesten ruhen, flankiert von selbst gemachten Info-Tafeln aus Holz, die Namen, Alter und Tonart der Glocken verraten.

Das Pfarrheim ist 72 Stunden lang Schlafsaal, Bauhütte, Kantine und Architekturbüro in einem. Vom Entwurf bis hin zur schweißtreibenden Arbeit auf der Baustelle: Die Zwölf- bis 16-Jährigen packen an und führen Regie. Hilfe holen ist erlaubt. Ein Teil der Materialien kommt vom Bauhof, die Werkzeuge sind aus Papas Kiste. Handwerker spendieren Beton und Eichenholz, zwei Männer passen auf, dass bei der Arbeit mit Maschinen nichts schief geht. Auch ein Fest rund um die Kirche am Sonntagnachmittag haben die Steinhilbener Jugendlichen organisiert. Die Flyer sind verteilt. Jetzt muss nur noch der Platz fertig werden.

Herzenswünsche von Senioren

Die stürmische Nacht von Donnerstag auf Freitag hat der Stamm der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) aus Eningen clever genutzt: »Wir haben das Übernachtungszelt ins Innere des Bauhofgebäudes verlegt und dann geplant«, lacht Alexander Auer, der gemeinsam mit Tanja Stamenkovic die Projektleitung hat. 70 Pfadfinder von acht bis achtzehn Jahren sind dabei, je nach Schwierigkeitsgrad wurden Wölflinge, Knappen und Späher für fünf verschiedene Projekte eingeteilt. Bereits um sechs Uhr morgens fiel gestern der Startschuss für die Arbeiten. Mit Tatkraft und Begeisterung kümmern sich die Helfer etwa um die Pflege an Leinsbach, Arbach oder Rennenbach, aus denen Müll entfernt oder der Gewässerlauf freigeschnitten werden soll. Der Kindergarten St. Raphael bekommt eine Tastwand zur Sinneserfahrung und der Landschaftserlebnisweg Eninger Weide neue Schilder. Bewohnern des Seniorenzentrums St. Elisabeth wollen die Pfadfinder Herzenswünsche erfüllen. Auch den Rundwanderweg um die Gemeinde bringen sie in Schuss: neue Holztreppen und Kies für die ausgetretenen Wege, befreit vom Schlamm, den das Hochwasser hinterlassen hat, und frisch einbetonierte Sitzbänke.

Auer, der Mann für alle Fälle, muss nebenbei noch etliche andere Aufgaben bewältigen. »Den Kontakt zwischen den einzelnen Betreuern und Gruppen halten und vor allem für Verpflegung sorgen«, erklärt der Leiter, der in ganz Eningen »auf Betteltour« ist, um Getränke und Speisen, aber auch Geld zum Tanken für die Betreuer zu organisieren. »Die örtlichen Firmen und auch manche Privatpersonen sind sehr hilfsbereit«, sagt der Oberpfadi ein herzliches Dankeschön.

Ein grünes Klassenzimmer

Eine Sitzgelegenheit ähnlich wie in einem Amphitheater, ein Biotop, Hochbeete, Grillstelle und Barfußpfad – die Pläne des Stammes Reutlingen Nord der St.- Georg-Pfadfinder sind nicht nur ambitioniert, sie sind vor allem auch sehr arbeitsintensiv. In 72 Stunden wollen sie eine Herkules-Aufgabe bewältigen, für die manch einer sonst Wochen benötigen würde.

Voller Tatendrang ging es gestern Morgen los. Die Umsetzung des »grünen Klassenzimmers« auf einer ungenutzten Rasenfläche neben der Sporthalle der Schillerschule in Orschel-Hagen war bereits im Vorfeld mit der Schulleitung abgesprochen. 15 Helfer traten an, um das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Weil die besten Vorsätze aber ohne Material nichts nützen, musste zunächst telefoniert und um Sachspenden gebeten werden. Manchmal, so die Stammesvorsitzenden Ann-Kathrin Mayer und Johannes Scherer, eine echte Sisyphosarbeit. Nichtsdestotrotz bekamen die Pfadfinder das notwendige Material zusammen. Ein Holzbauunternehmen spendete beispielsweise Balken im Wert von 500 Euro, ein Metzinger Kiesbetrieb acht Tonnen Schotter. Derart ausgestattet konnte die Arbeit losgehen.

»Die Leute helfen gern«, meinte Johannes Scherer aber letztlich und ergänzte: »Klar werden wir fertig.« Zumal heute noch die ganz jungen Pfadfinder mit anpacken würden. Während die Helfer 72 Stunden arbeiten und notfalls eine Nachtschicht einlegen wollen, ist für den Fall der Fälle trotzdem vorgesorgt. Denn: »Zur Not trommeln wir Helfer von anderen Projekten zusammen«, sagt Gemeindereferentin Andrea Rapp. Und sollte das immer noch nicht ausreichen, hat der Förderverein der Schillerschule seine Unterstützung zugesagt. (GEA)



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