Über die Alb
Alkohol - Narrenzunft »Rälle« Zwiefalten beschließt, bei den großen Veranstaltungen auf Schnaps zu verzichten

»Fasnet ist mehr als Party und Suff«

ZWIEFALTEN. Eine schnapsfreie Fasnet soll es von diesem Jahr an in Zwiefalten geben. Der bewusste Verzicht auf den sogenannten »Hartalkohol« gelte sowohl für alle Ballveranstaltungen der Zunft als auch für den großen Narrensprung am Fasnetssonntag, sagte der Zwiefalter Zunftmeister Jochen Fundel bei einem Pressetermin am Mittwoch: »Wir wollen ein klares Zeichen für den Schutz unserer Jugend und gegen das zunehmende Koma-Saufen setzen.« Die Zwiefalter Narren wollen sich mit dieser Aktion ganz bewusst gegen ein Abgleiten in eine reine »Party- und Suffkultur« wenden. »Fasnet ist mehr«, hob Fundel hervor. Dies solle in Zwiefalten deutlich gemacht werden.

Die Resonanz sei überwiegend positiv gewesen. Gemeindeverwaltung, Polizei und Landratsamt begrüßten und unterstützten den einstimmigen Beschluss des Zunftrates, berichtete Jochen Fundel, der auf freiwilliger Basis zustande kam. »Ohne konkreten Vorfall«, das ist dem Zunftmeister wichtig, »Gott sei Dank haben wir noch nie solche Exzesse gehabt.« Die Beschlüsse bergen wirtschaftliche Risiken für die Narrenzunft und die Betreiber der Besenwirtschaften und Gaststätten, dessen ist sich die Zunft bewusst.



Anerkennung und Unterstützung kam auch von den langjährigen Sponsoren und Förderern der Veranstaltungen. Kritik gebe es vor allem bei den jungen erwachsenen Fasnetsfans. Aber eines ist klar: Die Narrenzunft ist bei der Umsetzung der neuen Leitlinien auf den guten Willen ihrer Gäste angewiesen. Man habe keine rechtliche Handhabe bei Verstößen gegen den Schnaps-Bann. Doch die Zunft setzt auf die Vernunft der Besucher und erhofft sich durch die Maßnahmen auch einen Imagegewinn als Gastgeber und Ausrichter der traditionellen Fasnet auf der Basis althergebrachten Brauchtums.

Nach Großengstingen und Eningen ist Zwiefalten jetzt der dritte Veranstalter, der während der Fasnetsveranstaltungen auf Hartalkohol verzichtet. Auch die Polizeidirektion Reutlingen, die sich schon seit 2007 verstärkt für eine »akzeptable närrische Festkultur« stark macht, begrüßt den Vorstoß. »Zwiefalten war noch nie ein Brennpunkt für uns«, sagte Kriminalkommissar Markus Lorenz, für die Prävention im Landkreis zuständig.

Mit gutem Beispiel voran

Es sei wichtig, dass solche Traditionszünfte mit gutem Beispiel vorangingen. Denn: »Bei jungen Zünften steht der Brennalkohol eher im Vordergrund«, beklagte der Leiter des Polizeireviers Münsingen, Erhard Klingler. Die Aggressivität nehme zu. »Wir sind bestrebt, einen Beitrag zu leisten, dass die Feste fröhliche Feste sind«, unterstrich Klingler.

Bereits 2007 einigten sich 22 Narrenvereine im Kreis Reutlingen auf eine Resolution, in der sie sich auf eine konsequente Einhaltung des Jugendschutzes, die entsprechende Unterweisung des Festpersonals, Absprachen und Kontakte mit der Polizei, Durchführung von Einlasskontrollen und viele weitere Sicherheitsmaßnahmen verständigten. Beim Zunftmeistertreffen 2010 verabschiedeten 33 Vereine die gemeinsame Leitlinie närrischer Festkultur, die vom Alemannischen Narrenring entworfen wurde.

Die Erfahrungen in Großengstingen und Eningen im vergangenen Jahr seien gut gewesen und setzten überregionale Maßstäbe. Der Großengstinger Zunftmeister, Peter Brendle, habe durchweg positive Rückmeldungen erhalten und in diesem Jahr sogar mehr Anmeldungen als 2011, hieß es beim Pressegespräch.

Zwiefaltens Bürgermeister Hubertus-Jörg Riedlinger unterstützt die Initiative durch einen Brief an die örtlichen Gastwirte, in dem er sie darum bittet, »die Aktion im Rahmen ihrer Möglichkeiten als Gastwirt zu unterstützen und an den 'närrischen Tagen' davon abzusehen, an Gäste hochprozentige Alkoholika auszuschenken.« (leua)



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