Religion - Zentrum für Islamische Theologie ein Schritt weiter: Fünf Männer und zwei Frauen bilden den Beirat

Zuständig für Glaubensfragen

VON MARTIN SCHREIER

TÜBINGEN. Der Aufbau des Zentrums für Islamische Theologie an der Tübinger Uni hat ein neues Etappenziel erreicht. Am Dienstag verkündete Universitätsrektor Bernd Engler, dass der siebenköpfige Beirat nun komplett und berufen sei. Die Aufgaben des Beirats betreffen in erster Linie Glaubensfragen. Demnach entscheidet der Beirat über die von der Berufungskommission vorgeschlagenen Professorenkandidaten, prüft und berät in Sachen Studienpläne und erarbeitet Vereinbarungen über die Anerkennung von Studienleistungen, die Studierende an anderen Unis erbracht haben. Trotzdem betont Engler: »Die erste Verantwortung hat die Universität.«

Mit dem Zentrum für Islamische Theologie betritt die Uni Neuland. Erdinç Altuntas, Vorsitzender des Landesverbands der Türkisch Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) bezeichnet das Vorhaben als »eine historische Tat«. Fünfzehn Gespräche seien mittlerweile zwischen dem Rektorat und Vertretern islamischer Verbände geführt worden. Neben der Ditib waren der Landesverband islamischer Kulturzentren Baden-Württemberg (LVIKZ-BW) und die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland (IGBD) an den Gesprächen beteiligt.

Islamische Kompetenz

Bei der Zusammensetzung des Beirats wurden Empfehlungen des Wissenschaftsrats ebenso berücksichtigt wie die Größenverhältnisse der in den Gesprächen vertretenen Verbände. Wie der Vorsitzende des Ditib-Landesverbands, Erdinç Altuntas, sagt, sind im Beirat keine Verbandsfunktionäre vertreten. Entscheidend für die Berufung sei die islamische Kompetenz gewesen. Der Beirat zählt sieben Mitglieder. Drei wurden vom Ditib vorgeschlagen. Dazu zählen der Beiratsvorsitzende Suleyman Tenger sowie die Mitglieder Serkan Ince und Dr. Fatma Bayraktar-Karahan. Vom LVIKZ-BW wurde Ismail Kuvvet, vom IGBD Muhamed Bascelic vorgeschlagen. Die Uni brachte den Professor für Orientalistik und Islamwissenschaft, Abdullah Takim, und die Philosophin und Religionswissenschaftlerin Halise Kader Zengin ein. Der Beirat ist für drei Jahre gewählt und entscheidet mit Zweidrittelmehrheit.

Die Beiratsmitglieder gehören alle zur Glaubensrichtung der Sunniten. Dass keine Schiiten und Aleviten im Beirat vertreten sind, sieht Rektor Engler nicht als Problem. Das Zentrum für Islamische Theologie werde wissenschaftlich arbeiten und dazu zähle auch Pluralität. Anders als die Katholische und Evangelische Theologie wird das Zentrum für Islamische Theologie keine eigene Fakultät, sondern dem Rektorat angegliedert.

Für die ersten vier im Februar ausgeschriebenen Professuren haben sich mittlerweile 46 Bewerber gefunden. Langfristig sollen am Zentrum für Islamische Theologie sechs Professoren arbeiten. Als Übergangslösung für etwa drei Jahre visiert die Uni die Unterbringung des Zentrums in der Villa Köstlin an. Dauerhaft solle es aber in einem Neubau in unmittelbare Nähe zu den Theologischen Fakultäten seinen Platz finden.

Das Zentrum für Islamische Theologie soll zum Wintersemester 2011/2012 mit 40 Studierenden an den Start gehen. Das Studium wird berufsqualifizierend sein für künftige Imame und konfessionsbezogene Berufe. Trotzdem müssen angehende Imame nach dem Studium noch ein außeruniversitäres Examen bestehen. Bund und Land fördern das Tübinger Zentrum mit jährlich 1,3 Millionen Euro. Neben Tübingen wird es in Münster, Osnabrück, Frankfurt und Erlangen/Nürnberg Zentren für Islamische Theologie geben. (GEA)



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