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23.03.2012

Energie - Lagerung großer Mengen Brennholz auf landwirtschaftlichen Flächen ist nicht nur in Mössingen unzulässig

Tübingen

Zu viel Holz kann ein Problem sein

MÖSSINGEN. Die Nachfrage nach Brennholz ist ungebrochen groß. Das ließ sich nicht nur bei den städtischen Versteigerungen von Poltern in Mössingen beobachten. Vielerorts kann die Nachfrage mit dem vorhandenen Angebot längst nicht mehr gedeckt werden.

Auf dem Gemarkungsgebiet der Stadt Mössingen gibt es vielerorts Holzlager auf landwirtschaftlichen Flächen.
Mössinger Bürger, die das Brennholz zum Heizen nutzen, sehen sich aber mit unangenehmen Fragen konfrontiert, die die Lagerung des Holzes betreffen. So heißt es in den gedruckten »Merksätzen zur Aufarbeitung von Brennholz lang/Flächenlosen« der Stadt Mössingen: »Die Lagerung von größeren Mengen zur Trocknung des Brennholzes im Außenbereich, also auf landwirtschaftlichen Grundstücken, ist nicht gestattet.«

Das Thema hat auch den Mössinger Gemeinderat am Rande beschäftigt, als Forstleute zu Gast waren. Hier ging es um die Sichtbarkeit des Holzes, um seine Wirkung im Bereich von Häusern, in Gärten und in der freien Landschaft.

Viel Holz will gelagert sein

Für betroffene Leute stellen sich damit einige Fragen: Wenn nun jeder Mössinger Haushalt 25 Festmeter Holz ersteigern darf, dann sind das aufgearbeitet in Scheite immerhin rund 35 Raummeter Holz. Da dieses - so es nicht kammergetrocknet wird - ein bis über zwei Jahre bis zur Nutzung trocknen muss, damit die Restfeuchte einen brauchbaren oder gar optimalen Wert hat, müssen Leute, die auf Holz beim Heizen setzen, in der Regel zwei bis drei Altersstufen lagern.

Braucht nun jemand, der sein ganzes Haus samt Nebengebäuden - an sich vorbildlich - mit Holz als regenerativem Brennstoff heizt, 15 bis 25 Raummeter Holz pro Jahr zum Heizen, setzt das eine Lagerung von 45 bis 75 Raummeter Holz voraus. Diese bereits recht große, aber angesichts des gegebenen Bedarfs durchaus noch »haushaltsübliche Menge« lässt sich aber nicht unbedingt hinterm Haus lagern. Deshalb nutzen viele Leute dafür landwirtschaftliche Flächen.

Hier gibt es aber gesetzliche Regelungen, die der Lagerung in der freien Landschaft enge Grenzen setzen. Die Holzstapel werden in der Regel toleriert. Das offenbar auch von Hechingen übernommene »Mössinger Modell« sieht momentan so aus: In der freien Landschaft werden Holzreihen mit einer Höhe von 1,5 Metern und einer Länge von maximal zehn Metern geduldet - eine rechtliche Zulässigkeit gibt es nicht. Die »Sperrwirkung« des Holzes in der Landschaft soll so nicht so groß sein. Dabei geht es nicht nur um die Optik: Regelrechte Holzmauern in der Landschaft stellen eine wilde, nicht genehmigte Bebauung der Landschaft dar, die nicht nur rechtlich nicht zulässig - sie können auch Wildtier-Korridore beeinträchtigen. Von wilden Tieren genutzte Routen bekommen so Barrieren.

Damit die Leute den nötigen Platz zum Lagern haben und sich nicht in einer Grauzone bewegen, gibt es seitens der Stadt die Idee, zentrale Lagerstellen auf städtischen Grundstücken für das Holz einzurichten. Diese sollen, so der Plan, gegen eine kleine Gebühr gepachtet werden können. Günther Riehle, Leiter des Mössinger Baurechtsamts, erläutert den Stand der Planungen: Hinter der ehemaligen Sägerei Bühler im Gebiet Kurze Hirschen wurde eine geeignete Fläche mit rund 8 000 Quadratmetern gefunden. Auch in Talheim und Öschingen laufe die Suche nach Flächen.

Geschäftemacherei unterstellt

Die Fläche am Bahndamm, momentan noch ein Acker, müsse aufgrund des hohen Gewichts des Holzes und dem zu- und abfahrenden Verkehr aber noch mit einem Unterbau befestigt werden. Ob aber aus der Sache überhaupt was wird, darüber wird noch der Gemeinderat zu entscheiden haben. Diese Lösung steht damit frühestens für 2013 in Aussicht.

Damit die Sache von den Leuten angenommen wird, werde die Pacht laut Günther Riehle nicht hoch ausfallen können. »Die Stadt wird damit sicher kein Geld verdienen.« Leute, die ihr Holz bisher anders lagern und dann eventuell einen zentralen Platz nutzen müssen, unterstellten der Stadt bereits die Absicht einer »Geschäftemacherei«. Riehle hält generell in Sachen Holzlagerung eine rechtliche Regelung durch die Politik für wünschenswert, damit es keine Grauzonen mehr gibt. »Der Bedarf ist gegeben.«

Auf größeren Grundstücken haben Leute, die mehr Holz vorhalten, bisher die Möglichkeit, auch zwei der geduldeten Reihen mit deutlichem Abstand zu lagern. Auch eine Lagerung an der hinteren Hauswand, die das Erscheinungsbild des Hauses nicht prägt, gilt als unproblematisch, da das Holz dann dem Haus als »Baukörper« zugerechnet wird. (GEA)

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