Extremwanderung - Roland Zahn mit Prothese unterwegs von Sachsen in die Klinik, in der er 2006 operiert wurde
Zu Fuß von Leipzig nach Tübingen
TÜBINGEN. Nach tausend Kilometern Wanderung ist er jetzt in Tübingen angekommen. Roland Zahn, 74, ist seit fünf Jahren oberschenkelamputiert. Am 21. März dieses Jahres startete er von Leipzig nach Tübingen mit einer Beinprothese. Am Mittwoch erreichte er gesund und wohlauf sein Ziel, die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik (BG Klinik) auf dem Tübinger Schnarrenberg.
Geschafft. Roland Zahn mit Beinprotese am Ziel, rechts Professor Ulrich Stöckle. FOTO: UK
Tübingen, 14.30 Uhr: Roland Zahn überschreitet in der BG Klinik die Ziellinie seiner rund tausend Kilometer langen Wanderung von Leipzig in die Stadt, in der er vor fünf Jahren seine Beinprothese bekommen hat. Zufrieden mit sich und seiner enormen Leistung nimmt er im Anschluss an das »Finish« die Gratulationen und Glückwünsche der rund achtzig Gäste entgegen.
Eine Gruppe mit zwanzig Wanderern aus Tübingen und Umgebung, darunter Behinderte und Nicht-Behinderte, hatte ihn auf den letzten Kilometern von Waldhausen zur G Klinik begleitet. Nach einer kleinen Erfrischungspause berichtete Roland Zahn von den Erlebnissen und Eindrücken, die er in den Monaten seiner Tour gesammelt hat. Er ermunterte die Anwesenden, sich selber aktiv zu bewegen. Zahn: »Anstrengungen sind wichtige Voraussetzungen für Entwicklung. Sie dienen dazu, die Gesundheit zu festigen und sich wohl zu fühlen.«
Jeder selbst verantwortlich
Der Mann appelliert an die Eigenverantwortlichkeit jedes Einzelnen für seine Gesundheit und weist darauf hin, dass »alles, was man aus Bequemlichkeit unterlässt« zu Rückschritten führe. Wandern sei für ihn deshalb die ideale Möglichkeit, seine »Gesundheit auf vergnügliche Art und Weise zu sichern.«
Am 6. Juli 2006 mussten die Ärzte der Tübinger Klinik Roland Zahn sein schwer infiziertes rechtes Bein amputieren. Zahn bezeichnet diesen schicksalhaften Tag als seinen »zweiten Geburtstag.« Die auf eine chronische Durchblutungsstörung zurückzuführende Infektion des Beines drohte sich zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung des gesamten Organismus auszuweiten. Nach der Operation wurde der Mann auf der Intensivstation der Klinik weiterbehandelt. Er lag im künstlichen Koma und musste maschinell beatmet werden
Nach seiner Genesung begann er regelmäßig zu wandern - mit einer Oberschenkelprothese. Mit seiner Tausend-Kilometer-Tour von Leipzig nach Tübingen wolle er Beinamputierten aktiv helfen, Informationen zu Hilfsmitteln und besserer prothetischer Versorgung zu erhalten, sagt er. Sein Ziel ist es, andere Amputierte zu motivieren und »dazu beitragen, Isolierungen und Depressionen aufzubrechen.«
Professor Ulrich Stöckle, Ärztlicher Direktor der Tübinger Klinik, gratulierte ihm und überreichte ihm als Geschenk einen Wanderführer über deutsche Fernwanderwege. Stöckle sagte: »Was Roland Zahn mit seinem Handicap geschafft hat, würden viele von uns ohne Handicap kaum schaffen. Seine Leistung zeugt von enormer psychischer und physischer Stärke. Seine Willenskraft und sein Durchhaltevermögen sind beispielhaft für alle Menschen, mit und ohne Behinderung.« Im Anschluss an die kleine Begrüßungsfeier konnte Wanderer Roland Zahn ein erstes Mal richtig entspannen - bei einer Entmüdungsmassage, die ihm die Physiotherapeuten angedeihen ließen.
Achtzig Tage auf Strecke
Die Route der Wanderung führte von Zahns Geburtsort Leipzig rund tausend Kilometer bis nach Tübingen. Für die Strecke hat er insgesamt 80 Wandertage benötigt, unterteilt in 19 Wanderabschnitte mit durchschnittlich vier Wandertagen. Die tägliche Strecke betrug 12 bis 13 Kilometer. Danach folgen jeweils ein oder zwei Ruhetage, die der Regeneration und der Organisation der nächsten Tage dienen. Zusätzlich waren fünf »Puffertage« eingeplant, die Verzögerungen oder Zwangspausen ausgleichen sollten. Die tägliche Strecke wurde gegen acht Uhr morgens in Angriff genommen.
Alle Informationen zur Tour stehen im Internet. Direkter Kontakt mit Roland Zahn ist unter folgenden Telefonnummern möglich: 01 63/4 89 56 13 und 01 51/01 51 58 26 41 76. (uk)
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