Freizeit - Eine anscheinend verrückte Oma und illegales Glücksspiel

Zu Besuch in den ersten Tübinger Escape-Räumen

VON INES STÖHR

TÜBINGEN. Die Uhr tickt. Bereits in einer Stunde ist der Termin beim Amtsarzt, der darüber entscheidet, ob Oma Leni dauerhaft in die Psychiatrie eingewiesen wird. Ist die alte Dame tatsächlich verrückt, oder gibt es die nächtlichen Stimmen und Geräusche wirklich? Innerhalb von 60 Minuten muss die Gruppe versuchen, in Oma Lenis Wohnzimmer Aufgaben zu erfüllen und Codes zu knacken, um das Rätsel zu lösen.

Nathalie Tress (links) und Mirjam Stemmler sind große Krimi- und Rätselfans und haben den ersten Escape Room nach Tübingen gebracht.
Nathalie Tress (links) und Mirjam Stemmler sind große Krimi- und Rätselfans und haben den ersten Escape Room nach Tübingen gebracht. FOTO: Ines Stöhr
Escape-Räume liegen im Trend. Die Teilnehmer betreten einen unbekannten Raum und tauchen in ein fiktives Szenario ein. Dann bleiben nur 60 Minuten Zeit, um eine Mission zu erfüllen. Seit Mitte November gibt es auch in der Tübinger Kelternstraße 13 zwei Escape-Räume. 200 Mal wurden die Knobel-Abenteuer für Erwachsene dort bereits gebucht. Die beiden Macherinnen hätten nicht gedacht, dass sie auf Anhieb derart gefragt sein werden.

Nathalie Tress und Mirjam Stemmler sind selbst begeisterte Spielerinnen und haben ihre Erfahrungen in ihre Crimehouse Company eingebracht. Tress arbeitet im Marketing und Personalbereich eines mittelständischen Unternehmens, Stemmler studiert Betriebswirtschaftslehre. »Wir wollen Raum schaffen für neue Erlebnisse für Familien, Freunde oder Kollegen«, erläutern die beiden ihr Konzept. Und in Tübingen habe so etwas gefehlt. »Nicht nur für junge Leute«, betont Tress und erzählt von einer Freundin, die mit ihrem sehr skeptischen 80-jährigen Vater da und hinterher völlig begeistert von dem Erlebnis war.

Teamgeist ist gefragt

Die möglichen Themen eines Raums sind so vielfältig, wie das Leben: angelehnt an bekannte Geschichten aus Film, Fernsehen oder Literatur über historische und mythologische Themen - unter Umständen auch mit Lokalkolorit - bis hin zu selbst ausgedachten Geschichten. Die Einrichtung des Raums, die zu suchenden Gegenstände sowie die Rätsel orientieren sich dann an diesen Geschichten. Die Aufgabe und das Missionsziel des Spiels sind immer unterschiedlich.

Neben Geschicklichkeit sind auch Teamgeist und eine gute Kommunikation sowie der Mut, etwas auszuprobieren, gefragt, um die Rätsel zu lösen. Der Spielleiter, der die Gruppe per Kamera überwacht, gibt Hinweise, wenn das Team einmal nicht vorankommt. Im Fall von Oma Leni werden die Tipps per Postkarte über einen Briefkasten übermittelt. »Bisher haben nur etwa zwanzig Prozent der Teilnehmer die Rätsel trotz der Hinweise nicht lösen können«, sagt Mirjam Stemmler. Es sei schon spannend, am Bildschirm zu beobachten, wie sich die Teilnehmer schlagen. Da sei manche Überraschung zu erleben.

Suchen wie die Trüffelschweine

Bei ihrem ersten Besuch eines Escape Rooms habe die Gruppe einen Gegenstand gefunden und dann erst einmal eine Viertelstunde lang diskutiert, wie es weitergehen soll, erzählt Tress lachend. Dann habe der Spielleiter eingegriffen und angemerkt, dass man nicht alles akademisieren müsse. Ihren Gästen gibt die 46-Jährige daher mit auf den Weg, »wie die Trüffelschweine nach Hinweisen zu suchen und dann alle Fundstücke zusammenzulegen«.

In einem zweiten Raum in der Kelternstraße geht es um einen Barbesitzer, den die Polizei bezichtigt, illegales Glücksspiel zu unterstützen. Es liegen aber noch nicht genug Beweise gegen ihn vor. Escape-Room-Spieler müssen innerhalb einer Stunde Hinweise finden, um den Besitzer der Bar überführen zu können, und rechtzeitig aus der Bar zu verschwinden, bevor der Barkeeper wieder zurück ist.

Stimmige Atmosphäre

Die Einrichtung der Kneipe haben Tress und Stemmler so liebevoll und detailliert gestaltet, dass Freunde schon gesagt haben, sie sollen den Raum doch als echte Bar betreiben: Von der schummerigen Beleuchtung über die ungewöhnlich gestaltete Theke und den mit Alkoholika gut bestückten Regalen dahinter bis zu den farbigen Tonnentischen und Holzhockern stimmt die Atmosphäre.

Ein dritter Raum ist übrigens schon in Arbeit. Die anderen werden umgestaltet, sobald das Interesse an ihnen abnimmt. An Ideen für neue Geschichten mangelt es den beiden Frauen nicht, die leidenschaftliche Krimifans sind. Während Tress dabei eher Bücher bevorzugt, sieht sich ihre 28-jährige Kollegin am liebsten Filme und Serien an.

Da sie ihre Escape-Rooms aber neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit betreiben, bleibe derzeit kaum Zeit für neue Fälle. Der Besuch anderer Escape-Räume sei aber immer wieder drin. Nicht zuletzt, um sich Anregungen zu holen, aber vor allem, weil es einfach Spaß mache, in eine andere Welt abzutauchen und eine Stunde lang Abstand vom Alltag zu gewinnen. Und: »Escape-Räume machen glücklich«, versicherte ein Besucher. (GEA)

Escape-Rooms als neuer Freizeittrend

Escape Games oder Escape the Room Games gehören zu dem Genre der Adventuregames. Es sind meistens Browserspiele auf Basis der Adobe-Flash-Plattform, welche typischerweise per »Point-and-Click« gesteuert werden. Daneben gibt es weltweit zahlreiche kommerzielle Umsetzungen des Spielprinzips als Gruppenspiel, bei dem Menschen in einer vorgegebenen Zeit in einem realen Raum Aufgaben oder Rätsel lösen müssen, um das Spiel zu meistern.

Die Grundzüge des Spielprinzips stammen aus dem Adventure-Genre. Als Urvater dieses Spielkonzepts gilt jedoch das Onlinespiel »Crimson Room« des Japaners Toshimitsu Takagi aus dem Jahr 2004. Das Ziel des Spiels besteht darin, einen Ort, an dem man gefangen ist, mithilfe darin versteckter Hinweise und Gegenstände zu verlassen. (GEA)

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