Junge Artisten - Vom Schminken bis zum Warm-up: Auch hinter den Kulissen sind junge Artisten beschäftigt

Zirkus Zambaioni: Der Schrottplatz lebt

VON RAPHAELA WEBER

TÜBINGEN. »Was, die Jungens bekommen keinen Lidstrich? Wieso eigentlich nicht?« Kira Böhm, die mit im Schmink-Zelt sitzt, möchte es jetzt genau wissen. Mit ihrer Frage wendet sie sich an Tanja Vay, eine ausgewiesene Expertin in dieser Angelegenheit. Sie machte erst kürzlich mit anderen Mitgliedern des Tübinger Kinder- und Jugendzirkus Zambaioni eine Fortbildung in der Maske des LTT. »Wir haben gelernt, wie man fürs Rampenlicht schminkt und dass man die Akzente bei Jungens und Mädchen anders setzen muss.« Besonders deutlich wird das bei den Augenlidern. »Da bekommen die Mädels eher einen helleren Untergrund Richtung Nase.«

Zirkus Zambaioni Tübingen
Ein Jahr lang haben sich die jungen Artisten auf ihr neues Programm »Schrottkompott« vorbereitet FOTO: Raphaela Weber
Auch die Lidstrich-Frage wird schließlich geklärt. Ganz verzichtet wird darauf auch bei den Jungen nicht, er ist eben nur halb so lang. »Naja, es ist schon ein bisschen komisch, geschminkt zu werden«, findet der zwölfjährige Franz Speidel. »Aber es gehört halt dazu.« Ob Schminken oder das Schlüpfen in die Kostüme: Die rund 50 jungen Artisten im Alter zwischen elf und achtzehn Jahre machen auch bei der Generalprobe keinen Unterschied zur anstehenden Premiere oder den folgenden Aufführungen. »Dass sie das heute alles im Original machen, tut ihnen gut und gibt ihnen Sicherheit«, sagt Trainer Daniel Wangler, der später noch das Warm-up mit den Clowns machen wird.

Kaugummikauen nicht erlaubt

Gut eine Stunde vor der Generalprobe tritt auch das Orchester zusammen. »Das war jetzt ein bisschen durcheinander, wir müssen noch genauer klären, wer wann ein Solo hat«, sagt Leiterin Sherry Fichtner und lässt ein weiteres Stück spielen. Schon bei den ersten Takten der Musik springen viele der Kinder und Jugendlichen ins Zirkusrund, beginnen zu tanzen und schon mal ihre Nummern zu proben. Von Nervosität ist überhaupt nichts zu spüren, schon eher von einer Freude an der Bewegung und vom großen Spaß, den alle miteinander haben.

Ein Jahr haben die Artisten für ihr neues selbst entwickeltes Programm »Schrottkompott« trainiert. Entstanden ist eine gelungene Mischung, mit der sie mit viel Fantasie und Humor zeigen, was im Müll so alles steckt und wie man ihn zum Leben erwecken kann. Dabei wirkt auch der 16-jährige Malte Weiß aus Kusterdingen mit. Obwohl er schon vier Jahre beim Zirkus Zambaioni dabei ist, hat sich bei ihm noch keine Routine eingestellt. »Ich gebe zu, dass ich schon heute ein bisschen aufgeregt bin«, sagt er. »Aber es ist auch ein tolles Gefühl, vor Publikum aufzutreten.« Angst, dass er bei den Aufführungen mit dem Diabolo oder auf dem Trampolin einen Fehler macht, hat er keine. »Es wird alles gut gehen, weil wir mit Mareike Fichtner eine gute Trainerin haben.«

Auch die 13-jährige Anna Neumann, die in Mössingen die Jenaplan-Schule am Firstwald-Gymnasium besucht, ist ziemlich aufgeregt. Sie sorgt sich darum, dass heute bei der Premiere etwas mit den Ringen schiefgeht, mit denen sie auftritt. »Aber das Training hat mir immer Spaß gemacht, und eigentlich freue ich mich auf die Vorstellung.«

Rund um das neue Zirkuszelt geht es geschäftig zu. Verpflegungszelte werden aufgebaut, und der 14-jährige Clown Tamino Vay gibt einem Fernsehteam ganz locker noch ein Interview. Auch er ist sich sicher, dass bei ihm die Aufregung noch kommt. Er lenkt sich dann ab, indem er etwa mit Freunden redet. Dann werden alle zur letzten Besprechung zusammengerufen. »Nutzt die Möglichkeit, wir machen jetzt alles so wie am Freitag«, schärft Mareike Fichtner den jungen Artisten ein. Und bittet sie, bei den Aufführungen auf Kaugummi zu verzichten. Beim anschließenden Warm-up-Ritual sind alle mit voller Energie dabei.

»Hat jemand mal eine Sicherheitsnadel für mich? Mein Kostüm ist kaputt.« Mit einer kleinen Panne geht eine Artistin in die Generalprobe. Es zeigt sich, wo noch etwas verbessert werden kann. Gewünscht wird zum Beispiel mehr Nebel. Sonst klappen die Jonglagen und witzigen Clownsnummern, die artistischen Übungen am Trapez oder auf dem Drahtseil aber schon gut. (GEA)

Termine und Karten


Premiere des neuen Programms ist heute, Freitag, um 18 Uhr. Weitere Aufführungstermine sind Samstag, 16. April, um 16 Uhr sowie am Sonntag, 17. April, um 11 und 15 Uhr. An Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 5. Mai, um 11 und 15 Uhr, sowie am Freitag, 6. Mai, um 17 Uhr und am Samstag, 7. Mai, um 16 Uhr. Das Zirkus-Zelt steht auf der alten Festwiese in Tübingen-Derendingen (hinter dem Kinderhaus »Alte Mühle«). Eintrittskarten kann man sich übers Internet zuschicken lassen, die Eintrittskarten gelten dann auch für An- und Abreise als Naldo-Tickets. Karten im Vorverkauf gibt es unter anderem auch beim Verkehrsverein Tübingen oder beim GEA Servicecenter in Reutlingen. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene 9,50 Euro, für Kinder 5,50 Euro.
Weitere Informationen sind auf der Homepage des Zirkus Zambaioni zu finden. (raw)


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Zirkus Zambaioni Tübingen
FOTO: Raphaela Weber
 

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