Ferienprogramm - Malen oder Rockband-Workshop: Die Stiftung Kinderland ermöglicht in den Ferien eine neue Auflage vom »Künstlerdorf Kirchentellinsfurt«
Wüstenlandschaft im Volksbänkle
VON RAPHAELA WEBER
KIRCHENTELLINSFURT. »Ruth, kannst Du mal zu meinem Bild kommen?« Der neunjährige Sven lässt einen konzentrierten Blick über seine orientalische Wüstenlandschaft schweifen, die er in den vergangenen zwei Stunden in bunten Acrylfarben auf die Leinwand gemalt hat. »Wunderbar«, sagt Ruth Enzer, als sie gemeinsam das Bild betrachten.
Ruth Enzer schaut Sven über die Schulter. Sein Dorf auf der Leinwand braucht noch ein paar Häuser. FOTO: WEBER
»Jetzt fehlen noch die weißen Häuser, in heißen Ländern sind sie immer weiß«, erklärt ihm die Kirchentellinsfurter Künstlerin. Sven ist einer der acht Jungen und Mädchen, die im Rahmen des Künstlerdorfes an zwei Mittagen viel über Farben und Maltechnik lernen und dies praktisch an der Staffelei umsetzen.
Inspiriert von August Macke
»So fühlen sie sich als Künstler«, sagt Ruth Enzer. Sie begann ihren Kurs mit einer gemeinsamen Bildbetrachtung, dafür ausgewählt hat sie das Bild »Kairouan«, gemalt 1914 von August Macke. »Als Anschauungsobjekt eignet sich das gut für Kinder. Es soll eine Richtung vorgeben.« Ruth Enzer findet Acrylfarben toll für junge Maler. »Die Farben sind so ausdrucksstark und cremig, es ist auch eine sinnliche Erfahrung.« Wie unterscheidet sich die Arbeit mit Kindern von der mit Erwachsenen? »Kinder sind viel spontaner und fangen einfach an. Wenn etwas nicht so läuft, wie sie es sich vorstellen, machen sie mit viel Fantasie etwas anderes daraus.«
Finanziell unterstützt von der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg hat das Volksbänkle-Team für rund 60 Kinder zwischen 6 und 14 Jahren wieder eine bunte Palette kreativer Angebote für das zweiwöchige Ferienprogramm ausgesucht. Es reicht von Collagen aus Naturmaterial basteln bis zur digitalen Fotografie und Bildbearbeitung. Das auf drei Jahre angelegte Projekt »Künstlerdorf Kirchentellinsfurt« wird mit 49 000 Euro gefördert, dieses Jahr geht es in die zweite Runde. Annette Reiff, Miriam Helfferich oder Ruth Enzer - 13 Künstler aus Kirchentellinsfurt und Umgebung wurden heuer für das Projekt gewonnen.
Dass während der beiden Ferienwochen eine ganztägige verlässliche Betreuung der Kinder sichergestellt ist, war eine Bedingung für die Förderung. »Vor allem für die Eltern kleinerer Kinder ist das wichtig«, sagt Volksbänkle-Leiter Andreas Zwicker. Zwischen 8.30 und 17 Uhr besuchen die Kinder nicht nur ihre Kurse, sie bekommen auch Mittagessen und in den Pausen kleine Snacks. Im Kurs von Ruth Enzer werden diese von Carolin Deregowski und Lukas Odenwald vorbereitet, die als »Kümmerer« in der Gruppe dabei sind.
»Kümmerer« im grünen Hemd
»Die Künstler sollen sich auf ihre Angebote konzentrieren können, deshalb braucht es jemand, der die Teilnehmerliste führt oder der morgens der erste Ansprechpartner für das Kind ist«, erklärt Andreas Zwicker die Idee, die dahinter steckt. Melonen und Äpfel in mundgerechte Stücke schneiden oder Tee ausschenken: »Es macht uns Spaß, etwas für die Pausen vorzubereiten«, sagen Carolin Deregowski und Lukas Odenwald, die beide schon Erfahrung in der Jugendarbeit mitbringen, sie engagieren sich beim örtlichen CVJM. Dass sie im Ort als »Kümmerer« erkannt werden, liegt auch an den grünen T-Shirts, die sie in diesem Jahr zum ersten Mal tragen.
Die jungen Künstler im Kurs von Ruth Enzer arbeiten konzentriert an ihren Bildern. »Ich male schon immer gerne«, sagt der siebenjährige Matthias. »Blöd, dass Künstlerdorf nicht immer ist. Ich bin gerne Künstler, es könnte jeden Tag sein. Als Künstler muss man nicht rechnen können, kann einfach so dahinmalen, das ist besser als Schule«, findet der angehende Zweitklässler. (GEA)