Medizin - Reiten ist eine Sportart mit relativ hohem Verletzungsrisiko. Immer wieder gibt es auch schwere Wirbelsäulenverletzungen, warnt die Tübinger BG Klinik

Wieso Reiten eine Risikosportart ist

TÜBINGEN. Das Glück der Erde liegt für viele auf dem Rücken der Pferde. Doch Reiten ist eine Risikosportart. Jährlich ereignen sich etwa 30 000 bis 40 000 Reitunfälle, deren Opfer ärztlich behandelt werden müssen. Der Reitsport zählt zu den fünf verletzungsreichsten Sportarten in Deutschland. »Die Schwere der Verletzungen reicht von Prellungen über leichte Knochenbrüche bis hin zu schweren Becken- und Wirbelsäulenverletzungen«, sagt Professor Ulrich Stöckle, Ärztlicher Direktor der BG Klinik. Auch tödliche Verletzungen sind nicht auszuschließen. Laut Zahlen einer Sportversicherung liegt Reiten in der Statistik tödlicher Sportunfälle mit durchschnittlich 12 Todesfällen pro Jahr auf Platz vier.

FOTO: dpa
»Wir behandeln in der BG Klinik etwa zwei bis drei verletzte Reiter pro Monat, je nach Jahreszeit auch mal mehr«, berichtet Dr. Fabian Stuby, der dort Leitender Arzt der Sektion Traumatologie ist. »Prellungen, Verstauchungen oder Gehirnerschütterungen sind häufige Folgen von Reitunfällen.« Je nach Verletzungsschwere werden die Patienten ambulant oder stationär behandelt. »Leider sehen wir immer wieder schwere Wirbelsäulenverletzungen nach Reitunfällen«, erzählt Dr. Andreas Badke, Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie. »Reiter mit Wirbelsäulenverletzungen sollten umgehend in ein Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie gebracht werden, um auszuschließen, dass eine Verletzung des Rückenmarks vorliegt.«

Sicherheit ist im Reitsport ein wichtiges Thema. »Das Tragen eines Helmes sollte für jeden Reiter selbstverständlich sein. Im Gelände oder beim Springen kann man zusätzlich noch einen Rückenprotektor tragen, um Wirbelsäulenverletzungen zu vermeiden«, sagt Stuby.

Pferdezähne sind tückisch

Fast die Hälfte aller Unfälle passieren aber nicht während des Reitens, sondern davor oder danach bei der Pflege oder beim Führen. Bissverletzungen durch das Pferd sind keine Seltenheit. »Im schlimmsten Fall können Bisse sogar zur teilweisen oder vollständigen Amputation eines Fingers führen«, warnt Professor Hans-Eberhard Schaller, Direktor der Klinik für Hand-, Plastische, Rekonstruktive und Verbrennungschirurgie an der BG. »In diesem Fall ist es wichtig, sofort zu versuchen, die Blutung am Amputationsstumpf zu stoppen und die Wundfläche abzudecken. Der abgetrennte Finger sollte in ein trockenes, möglichst steriles Tuch eingeschlagen und in einem Plastikbeutel verpackt werden. Dieser muss dicht verschlossen in Eiswasser bei etwa plus vier Grad Celsius gelagert werden.«

Sollte sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen dennoch ein Reitunfall ereignen, sollte man nach dem Sturz erst einmal ruhig liegen bleiben. »Wenn der gestürzte Reiter unter Schock steht, geht er beim Aufstehen das Risiko ein, einen Kreislaufzusammenbruch zu erleiden und begibt sich in Lebensgefahr«, warnt Stuby. Außerdem werden Verletzungen häufig unterschätzt oder zunächst gar nicht bemerkt. (bgu)



Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Natia Todua aus Georgien gewinnt «The Voice of Germany»

Berlin (dpa) - Die Georgierin Natia Todua hat die ... mehr»

Österreich: Kurz wird jüngster Regierungschef Europas

Wien (dpa) - Mit der Vereidigung des Bündnisses au... mehr»

Amazon will Ladengeschäfte in Deutschland eröffnen

München (dpa) - Der US-Onlinehändler Amazon plant ... mehr»

Chaos nach Stromausfall auf Flughafen Atlanta

Atlanta (dpa) - Nur eine Woche vor Weihnachten hat... mehr»

Terroranschlag: Merkel empfängt Opfer und Hinterbliebene

Berlin (dpa) - Ein Jahr nach dem islamistischen Te... mehr»

Aktuelle Beilagen