Tübingen
Wintereinbruch - Bei extremen Minusgraden ist der Schutz von Händen und Gesicht mit Salben besonders wichtig

Wie Sie ihre Haut geschützt zu Markte tragen

Von Arnfried Lenschow

TÜBINGEN. Früher kamen die Spione aus der Kälte. In diesen Tagen müssen die Bürger in die Kälte. Aus dem Kalten Krieg ist der persönliche Feldzug gegen die Minusgrade geworden. Wer seine Haut zu Markte trägt, oder ins Büro, sollte sich tunlichst wappnen. Bei den sibirischen Verhältnissen, die am Wochenende mit angekündigten Temperaturen von minus 20 Grad drohen, ist Vorbereitung das A und O für alle, die sich draußen bewegen wollen oder müssen.

Gut eingepackt und eingeschmiert ist auch der Kampf gegen die Kältewelle am Wochenende zu bestehen.  ARCHIVFOTO: DPA
Gut eingepackt und eingeschmiert ist auch der Kampf gegen die Kältewelle am Wochenende zu bestehen. FOTO: dpa
Da gelte es, besonders aufzupassen, weil wir in unseren Breiten solche Temperaturen nicht gewohnt sind, sagt Privatdozentin Dr. Claudia Borelli von der Uni-Hautklinik in Tübingen. Nicht zu eng anliegende warme Kleidung, auch nicht bei Fahrradfahrern, geeignetes Schuhwerk und vor allem Handschuhe zu tragen empfiehlt sie mal grundsätzlich und geht dann auf ihr eigentliches Fachgebiet ein. Die Hände seien ein »prekärer Bereich«, der bei diesen Temperaturen besonderen Schutz brauche. Genauso wie das Gesicht, das dem Wetter gewöhnlich noch unmittelbarer ausgesetzt ist. Im Winter solle man daher die Hautpflege umstellen, sagt Borelli, Leiterin der an der Uni neu eingerichteten Abteilung für Ästhetische Dermatologie. Dort beschäftigt man sich mit Fragen der Hautverschönerung, aber weiß auch Bescheid darüber, was zur Verschlechterung führen kann.

Feuchtigkeit festhalten

Allgemein ließe sich sagen, dass die Haut im Winter bei kalten Temperaturen und Heizungsluft trockener wird, was die Gefahr von Ekzemen erhöhe. Auch wenn das jeweilige Mittel zum Schutz je nach Hauttyp verschieden ist, lässt sich generell festhalten, dass im Winter fetthaltigere Salben angesagt sind statt Gel oder Lotion wie im Sommer, sagt Borelli. Wissenschaftlich wurde nachgewiesen, so sagt sie, dass Mittel, die fünf bis zehn Prozent Harnstoff enthalten, was sich auch im Namen Urea ausdrückt, die Feuchtigkeit besser in der Haut halten. »Das ist das, was wir im Winter brauchen.« Ein Fettstift für die sensiblen Lippen sei gut. Wenn die zu trocken sind und zur Befeuchtung über die Lippen geleckt wird, kann sonst das sogenannte Lippenleck-Ekzem entstehen. Um die Feuchtigkeit in der Haut zu halten, sollte man auch kürzer Duschen oder Baden und die Haut hinterher eincremen.



Wer gut trainiert ist, kann weiter auch bei Minusgraden Sport treiben. Asthmatiker allerdings sollten vorsichtig sein. Die stärkere Austrocknung der Schleimhäute durch die Kälte draußen und anschließend trockene Heizungsluft innen kann Sportler auch anfälliger machen für Erkältungen.

Beim Schutz der Haut sollte auch die Sonnencreme nicht vergessen werden. Rauchen und Sonne seien die wesentlichen äußeren Faktoren, von denen die Alterung der Haut beeinflusst wird, sagt die Medizinerin.

Vor dem Gang ins Freie ist daher im Winter bei Sonnenschein eine Doppelschicht beim Eincremen angesagt. Zuerst sollte der Sonnenschutz großzügig verteilt werden. Wenn der eingezogen ist, so nach fünf bis zehn Minuten, ist die Salbe für den Hautschutz vor der Kälte aufzutragen. Scharfe, alkoholhaltige Gesichtswässer dagegen sollte man nach Meinung Borellis vermeiden. Also manches, was sich Männer sonst nach dem Rasieren ins Gesicht reiben.

Was wohl auch heißt, dass Männer mit Drei-Tage-Bart vielleicht rein hauttechnisch gesehen ein bisschen besser durch den Winter kommen. Glatt rasiert wie James Bond wäre bei diesen Temperaturen ein klein wenig out. Aber Bond tummelt sich ja auch meist in der Karibik oder ähnlichen warmen Gegenden - und ist auch kein Spion, der aus der Kälte kommt. (GEA)



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