Tübingen
Protestaktion - Ärztevereinigung und Tierschützer demonstrieren gegen Versuche an drei Tübinger Instituten

Vorwurf: Forscher-Neugier tötet Affen

TÜBINGEN. An Ständen werden Falafel gebacken, junge Männer und Frauen in Batik-Hemden und mit Rasta-Locken belagern den Tübinger Marktplatz. Dazwischen eine ausgestopfte Katze, die brutal in ein Schraubgestell eingespannt ist. Man merkte am Samstagmittag erst auf den zweiten Blick, dass es sich hier um kein Alternativen-Fest handelt, sondern um eine Protestaktion gegen Tierversuche. Dann aber wurden die ersten Schilder hoch gehalten, ein Protestzug mit etwa 200 Beteiligten bildete sich und marschierte los, einmal durch die Stadt.

Über die Wilhelmstraße und durch die Innenstadt führte der Protestzug. FOTO: ERNST
Über die Wilhelmstraße und durch die Innenstadt führte der Protestzug. FOTO: ERNST
Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche und die AntiSpe Tübingen, ein Verein gegen die Diskriminierung nichtmenschlicher Lebewesen, hatten zur Aktion aufgerufen. Der konkrete Hintergrund: In Tübingen wird an drei Instituten Grundlagenforschung an Affen betrieben. Die Affen werden dabei zum Beispiel über lange Zeit annähernd bewegungsunfähig gefesselt und kriegen nur alle paar Stunden ein paar Tropfen Apfelsaft. Und das auch nur, wenn sie die gewünschte Reaktion zeigen.

Anderswo verboten

Grundlagenforschung bedeute dabei auch, so die demonstrierenden Ärzte, dass keine Medikamente oder Behandlungsmethoden durch die Versuche entstehen. Der Vorwurf der protestierenden Mediziner: Die Versuche dienten allein der Befriedigung der Neugier der Forscher. Dabei könne man die Forschung auch auf andere Weise, vor allem ohne Versuch am Tier voranbringen. Die ethische und auch wissenschaftliche Problematik dieser Forschung habe schon dazu geführt, dass ähnliche Projekte in Berlin, Bremen und München politisch untersagt worden seien.



Weitere Informationen gab es an Ständen und bei vier öffentlichen Vorträgen auf dem Marktplatz. (mce)

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