Künstlerbund - Die neue Vorsitzende Cornelia Szelényi will mehr Kooperationen und Kontakte in andere Städte

Von der praktischen Seite

VON JOACHIM KREIBICH

TÜBINGEN. Die Idee kam ihm spontan und er hat sie gleich umgesetzt. »Ich hab' sie an der Kasse im Baumarkt gesehen und gefragt, ob sie nicht den Vorsitz übernehmen will«, verkündete Axel von Criegern jüngst bei der Eröffnung der Jahres-Ausstellung. »Stimmt«, bestätigt seine Nachfolgerin und verrät: »Mein Herz hat sofort ja gesagt.« Allerdings hielt sie's für vernünftiger, erst einmal darüber zu schlafen - sodass die Zusage etwas später und per E-Mail erfolgte.

Weil auch die Mitglieder Cornelia Szelényi für eine gute Wahl hielten, hat das zufällige Zusammentreffen beim Einkauf dem Tübinger Künstlerbund jetzt die erste weibliche Vorsitzende beschert. Und nach dem 2006 verstorbenen Gründer Kurt Hafner wieder jemanden an der Spitze, der nicht selber künstlerisch aktiv ist.

Letzteres macht ihr keine Sorgen, sagt die 37-Jährige. Sie sieht die Aufgabe mehr von der praktischen Seite. Die Künstler-Gemeinschaft habe eine lange Tradition, die Mitglieder produzierten viele Ideen. Wichtig scheint ihr da vor allem »ein Blick dafür, die Balance auszutarieren«. Die Vorsitzende müsse einerseits Zurückhaltung üben und andererseits den Mut haben, Impulse zu setzen. »Die Frage ist die: Welchen Nutzen hat der Künstlerbund von meiner Wahl?«

Ein Sack Flöhe?

Von Criegern hat beim 25-jährigen Bestehen des Künstlerbunds augenzwinkernd verraten, die Gruppe sei ein »eingetragener Haufen«, ein »Chaos aus Talent und Untüchtigkeit«. Antonius Blanke, selber lange im Vorstand, bescheinigte Kurt Hafner, er habe »mit strengem Regiment einen Sack Flöhe gehütet«. Szelényi sagt ganz unbefangen: »Das ist eine Gruppe von Individualisten. Und das soll auch so sein.«

Die 37-Jährige hat in Tübingen Kunstgeschichte und Rhetorik studiert und 2004 ihren Abschluss gemacht. Bei den Stadtwerken arbeitet sie als Pressesprecherin. Die Mitstreiter in der Kunstszene haben spätestens mit ihr Bekanntschaft gemacht, als sie sich in der Bürger-Initiative Campendonk engagierte.

Dass sie Kunst nicht nur für einen netten Zeitvertreib hält, wird deutlich, wenn sie erzählt, dass sie vom ersten Lohn in ihrem festen Job eine Radierung von Frido Hohberger erstanden hat. Und in der kleinen Wohnung gehört Kunst selbstverständlich mit dazu. »So langsam«, sagt Szelényi, »gehen mir die Wände aus«.

Mit Kooperationen will sie dem Künstlerbund neue Räume erschließen. Viele Mitglieder seien in mehreren Gruppierungen engagiert. Gemeinsame Aktionen bieten sich an, findet die neue Vorsitzende. Zudem gebe es in Tübingen viele Gebäude, in denen man tendenziell Kunst präsentieren könne.

Das erste Jahresprogramm mit Ausstellungen in der Galerie des Künstlerbunds (Metzgergasse 3) steht. Szelényi glaubt, dass man in Zukunft mehr Gäste gewinnen und umgekehrt die Tübinger Werke auch in anderen Städten präsentieren sollte. (GEA)



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