Vogel des Jahres - Mössinger Naturschutzbund: Eigentlich ist die Gegend ideal. Doch Bedingungen werden schwieriger

Vom Star zum Sternchen der Tierwelt

VON ANNA-LENA JAENSCH

MÖSSINGEN. Manchmal ist der Star ein ziemlich schräger Vogel. Fußballspiele werden abgeblasen, da der gefiederte Zuschauer Gefallen daran findet, die Spieler durch die exakte Imitation der Schiedsrichterpfeife zu verwirren. Waldkäuze fühlen sich in ihrer Ehre gekränkt, wenn der kleine Singvogel mit seiner Version des Kauz-Balzrufs die Herzen zahlreicher Eulen-Weibchen im Sturm erobert. Mit seinem melodiösen Gepfeife macht sich der Star, im Wissenschaftsjargon auch als »Sturnus vulgaris« bekannt, also nicht immer beliebt.

Dennoch erhält er nun vom deutschen Naturschutzbund und dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern die wohl höchste Auszeichnung seiner Art, quasi den Oscar der Ornithologen: Die Wahl zum »Vogel des Jahres« 2018. Was also macht den zwitschernden Frechdachs so besonders?

Die Liebe zu frischen Kirschen ist es schon mal nicht, wie der Vorsitzende des Mössinger Naturschutzbunds Bernd Wolfer lachend erklärt: »Da macht er sich bei den Menschen oft keine Freunde.« Es ist vielmehr ein trauriger Anlass, der den Star in diesem Jahr zum Sternchen der Vogelwelt kürt: Die Art ist zwar nicht direkt vom Aussterben bedroht, doch die Zahl der Vögel nimmt ab. Um auf dieses Problem hinzuweisen und einen weiteren Rückgang zu verhindern, informierte Bernd Wolfer in der Mössinger Nabu-Geschäftsstelle in der Belsener Hallstattstraße über die Eigenarten des Tiers.

Auf Streuobstwiesen daheim

Obwohl der Gemeine Star in der Regel etwas kleiner als eine Amsel ist, benötigt er ein viel größeres Flugloch im Nistkasten - vier bis fünf Zentimeter Durchmesser, erklärt Wolfer, müsse der Eingang in etwa haben. Am wohlsten fühlt sich ein Brutpaar in lichten Wäldern oder Streuobstgebieten: »Da haben wir hier in Mössingen natürlich die besten Voraussetzungen«, so der Vorsitzende.

Die Landschaft rund um die Blumenstadt sei ein seltenes Paradies für die Vögel, da hier weitgehend auf Monokulturen verzichtet werde. Dennoch machen dem Star auch in der hiesigen Gegend einige Dinge zu schaffen. Durch die immer stärker zurückgehende Weidehaltung sowie durch den Einsatz von Pestiziden gibt es immer weniger Insekten, eine der Hauptnahrungsquellen der dunkel gefiederten Tiere.

Auch bei der vegetarischen Futtersuche - Beeren, Kirschen oder Weintrauben gehören zu den Lieblingsspeisen des Stars - kommt es gelegentlich zu unschönen Situationen. Obstnetze können dazu führen, dass die Vögel sich verheddern und sich nicht mehr aus dem Wirrwarr an Fäden befreien können, kritisiert der Naturschutzbund.

Auf den Einsatz solcher Netze solle also am besten komplett verzichtet werden, sagen die Fachleute. Besser eine kleinere Ernte einfahren, als das Leben einiger Vögel auf dem Gewissen zu haben, so sehen es die Anwesenden in der Nabu-Geschäftsstelle.

Nur noch selten große Schwärme

Nahezu nostalgisch erinnern sie sich daran, wie ausgeprägt die Artenvielfalt in Mössingen vor einigen Jahren noch war: »So große Vogelschwärme wie früher gibt es hierzulande nur noch selten«, beklagt Wolfer. Dass es die Aufgabe eines jeden ist, sich für das Wohl der Tierwelt einzusetzen, betont auch Josef Bartel, der als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Vogelschutz Hirrlingen ebenfalls mit Entsetzen auf die aktuelle Entwicklung blickt. »Es ist bedrohlich, was wir in den letzten Jahren an Vögeln verloren haben«, so Bartel. Nur durch einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt sei es möglich, diesem Trend entgegenzusteuern.

Der Hirrlinger Verein hat bereits ein Konzept entwickelt, um Star, Amsel und Co. einen langfristigen Lebensraum zu bieten: Gemeinsam kaufen die Mitglieder Grundstücke, um sie ökologisch sinnvoll zu bewirtschaften. Eine Idee, die auch beim Mössinger Naturschutzbund auf offene Ohren stößt - zunächst werde aber erst an laufenden Projekten weitergearbeitet, so das Vorhaben des Vereins. Besonders das Engagement der Bevölkerung sei hier von Bedeutung: Nur, wenn jeder seinen Teil zum Naturschutz beitrage, könne ein funktionierendes Ökosystem entstehen. (GEA)

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