Leute  - Walker, Leiter des Bauamts in Gomaringen, ist ab sofort im Ruhestand und blickt zurück

Viel Zeit für Wandern und Musik

VON JOACHIM KREIBICH

GOMARINGEN. Der Anrufer ist wissbegierig, der Angerufene wehrt vorsichtig ab: »Oh, dazu kann ich Ihnen gar nicht viel sagen. Aber fragen Sie mal.« Typisch Lothar Walker. Im folgenden Telefongespräch stellt der Journalist dann fest, dass der Chef des Bauamts doch alle wesentlichen Punkte parat hat.

FOTO: Joachim Kreibich
Kurz nach Ende des Gesprächs schickt Walker noch eine E-Mail. Darin steht das genaue Datum des früheren Gemeinderatsbeschlusses, von dem er spontan nur die Jahreszahl hatte nennen können. Die Auskünfte sollen ja ganz exakt sein.

Wer mit Walker zu tun hat, merkt gleich: Der Mann kennt die Hintergründe und die rechtlichen Vorgaben und ist auch mit allen Einzelheiten vertraut, die relevant sein könnten. Aber er verheddert sich nicht in Vorschriften und unbedeutenden Details. »Es geht ja nicht um stures Umsetzen, sondern ums Vorausdenken«, sagt der 62-Jährige.

Ein gutes Gedächtnis ist hilfreich, aber im Zweifel prüft er lieber noch mal nach, ob auch alles stimmt. Prüfte, muss es heißen, denn ab heute ist Walker im Ruhestand. Genauer: beginnt die Ruhephase seiner Altersteilzeit. Die Nachfolgerin Ursula Prawitt-Molitor hat er in den zurückliegenden Wochen eingearbeitet.

Begonnen hat seine Rathaus-Laufbahn in der Gemeinde Wannweil, wo sein Elternhaus steht. Nach einiger Zeit wechselte er nach Gomaringen, wurde 1986 Steueramtsleiter, 2001 Leiter der Bauverwaltung, 2007 Leiter des Bauamts - erst mal kommissarisch, bis er den Job 2010 regulär übernahm. 18 Jahre war er Kassenverwalter der Wiesaz-Wasserversorgung, 1997 wurde er erstmals in die Personalvertretung gewählt, eine Periode lang war er deren Vorsitzender.
»Es geht ja nicht um stures Umsetzen, sondern ums Vorausdenken«
 

Walkers Arbeitsweise kam denen entgegen, die sich frühzeitig im Rathaus erkundigten. »Mir war es am liebsten, jemand ruft vorher an und fragt«, sagt der Amtsleiter. Er nahm sich Zeit, schaute, wo es Schwierigkeiten geben könnte, ließ sich gerne gleich einen Vorentwurf faxen und gab dann konkrete Hinweise. »So kommt man auf beiden Seiten weiter. Es hängt viel davon ab, wie man ein Vorhaben angeht.«

Mit manchen Bauträgern hat er gegenteilige Erfahrungen gemacht. »Die setzten einfach einen Eiffelturm ins Baufeld. Dann folgte ein Rückzugsgefecht, bis man es endlich auf ein vertretbares Maß gestutzt hatte.« Bei Behandlung der Bausachen im Gemeinderat konnte Walker immer verlässlich Auskunft geben und sehr nachvollziehbar begründen, wenn man Ausnahmen zugelassen hatte.

Blickt Walker auf die Entwicklung der Gemeinde, fällt auf, dass die Einwohnerzahl stetig gewachsen ist - von kaum 6 600 Mitte der 1980er auf ziemlich genau 9 000 heute. Der Bauamtsleiter weiß: »Zeitgemäßer Wohnraum in allen Ortslagen ist wichtig - es darf nicht nur einen Schwimmgürtel drum herum geben.« Die Sanierung der sehr klein parzellierten Ortsmitte war auch deswegen sehr bedeutsam und ist aus seiner Sicht geglückt.

Die großen Projekte wie die Sport- und Kulturhalle, die Schloss-Scheuer und nun das neue Dienstleistungszentrum in der ehemaligen Kindler'schen Fabrik brachten sehr viel Arbeit in der Verwaltung mit sich. Für Walker versteht sich von selbst: »Man muss die Bürger dabei mitnehmen. Die Verantwortlichen brauchen den Rückhalt.«
»Man weiß ja nicht, wie lange die eigene Resthaltbarkeit ist«
 

Den Schritt in den Ruhestand hat er sehr bewusst getan. »Man weiß ja nicht, wie lange die eigene Resthaltbarkeit ist«, sagt er scherzhaft. Als Erstes steht eine Indien-Reise auf dem Programm. Und dann freut er sich auf viele Wander-Touren.

Seit er 2010 auf dem Fernwanderweg E 5 die Alpen überquert hat (»zu Fuß mit Gepäck von Oberstdorf nach Meran«), war er jedes Jahr eine Woche in den Bergen. Im vorigen Jahr absolvierte er einen Gletscherkurs am Mont Blanc de Cheilon auf fast 3 900 Metern Höhe. Wer ihn schwärmen hört, bekommt den Eindruck, aus ihm wäre auch ein passionierter Bergführer geworden. »Aber es muss gar nicht weit weg gehen«, betont er. »Hauptsache, raus in die Natur. Auf der Schwäbischen Alb ist es auch sehr schön.«

Und dann hat Walker noch ein weiteres Faible, das gepflegt werden will: Musik. Die Liste seiner Aktivitäten ist lang. Ende 2017 ist er 50 Jahre im Blasmusikverband Neckar-Alb. Bei der Stadtkapelle Metzingen ist er erster Trompeter - dort war er auch mehr als ein Dutzend Jahre Vizedirigent, Jugendausbilder und Jugenddirigent. Weiter gehört er dem symphonischen Blasorchester der Musikschule Mössingen an sowie den Egerländer Freunden und ist Flügelhornist bei den Weinberg Musikanten. Fast unnötig zu betonen: »Musik werde ich auch weiterhin machen.«

Bei einem kurzen Rundgang durch den Ort wählt er bewusst das Große Haus und das Linsenhof-Quartier: gleich neben der Wiesaz, eine anspruchsvolle Angelegenheit für Planer und Bauherren, aber ein gelungenes Beispiel für ein Nebeneinander von sehr alt und modern. Wenn Walker erzählt, fragt man sich unwillkürlich, warum er nicht demnächst Führungen durch den Ort anbietet. Wer mitschreiben würde, hätte gleich ein Kapitel der Orts-Chronik fertig.

Gerade hat Walker über die unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse geredet, die jeder Planer natürlich berücksichtigen muss. Er zeigt den Weg am Ufer entlang. Ein Stückchen weiter müsste die Grenze zwischen privat und öffentlich verlaufen - »wenn ich's richtig weiß«. Stimmt's? Na klar. Noch ein paar Schritte und man findet als Beweis den kleinen, im Boden eingelassenen Grenzpunkt aus Metall.

Und als der Journalist wieder in seine Redaktion kommt, erreicht ihn eine E-Mail von Walker mit dem Hinweis: Das Große Haus wurde kurz nach 1600 erbaut. Ganz exakt weiß man's nicht. Die Vorgänger nahmen es damals noch nicht so genau. (GEA)



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