Tierschutz - Der Verein »Tübingen für Tiere« demonstrierte am Samstag mit Gleichgesinnten für ein pelzfreies Tübingen. Rund 120 Demonstranten beteiligten sich

Verkaufsstopp für Pelze gefordert

TÜBINGEN. Sie machen sich für die Rechte von Tieren stark und demonstrieren gegen den Verkauf von Echtpelzen. In Form eines Trauerzugs, mit Kranz, Grabkerzen und einem präparierten, gehäuteten Nagetier ziehen 120 Tierschützer schweigend durch die Tübinger Altstadt. Aufgerufen hatte dazu der Verein »Tübingen für Tiere«, der zudem ein Ende des Verkaufs von exotischen Tieren fordert sowie den Stopp von Affenversuchen an drei Tübinger Instituten.

Schweigend marschierten am Samstag Tierschützer durch die Tübinger Altstadt. FOTO: SCHREIER
Schweigend marschierten am Samstag Tierschützer durch die Tübinger Altstadt. FOTO: SCHREIER
Die Vereinssprecherin Julia Schnurr erläutert, Felle seien kein Abfallprodukt, weil Lebensmittel- und Pelzindustrie nicht deckungsgleich sind. »Unser Ziel ist, dass Tübingen pelzfrei wird, dass nirgends mehr Echtpelz verkauft wird.« Der Vereinsvorsitzende Matthias Ebner sagt: »90 Millionen Tiere sterben jährlich für einen vermeintlichen Luxus.« So natürlich, wie Pelze wirken, sind sie offenbar nicht. Sie seien voll von Giftstoffen. Auch was die CO2-Bilanz angeht, seien Echtpelze den synthetisch hergestellten unterlegen. Die Produktion von Echtpelzen brauche sechzig Mal mehr Energie als die Herstellung von Kunstpelzen, sagt Schnurr und bezieht sich auf Zahlen großer Tierrechtsorganisationen. Besonders schlimm sei jedoch, dass viele der Pelztiere bei lebendig und bei vollem Bewusstsein gehäutet würden. Zudem würden die Tiere bis zu ihrem Tod nicht einmal artgerecht gehalten. »Es gibt in Deutschland so gut wie keine Pelzfarm, die die gesetzlichen Vorgaben einhält«, so Schnurr.

Der Tübinger Verein ist mit zehn Mitgliedern noch recht klein, aber aktiv und mitunter erfolgreich. Schon vor der Demo hatten die Tierfreunde bei Inhabern von Tübinger Boutiquen und Modehäusern Überzeugungsarbeit geleistet. Sechs von zwölf Inhaber sagten zu, Echtpelze aus ihrem Sortiment zu nehmen. Unterstützung bekommt der Tübinger Verein bei seiner Demonstration von Interessenverbänden, Parteien und Privatpersonen, die dasselbe Anliegen vertreten.

Mitunter wirken die Auftritte einzelner Demonstranten etwas paradox. Viele tragen Lederschuhe. Philipp Nouschak trägt auf dem Rücken seiner Lederjacke ein Schild mit den Worten: »An mir klebt kein Blut.« Einen Widerspruch mag der Sigmaringer nicht erkennen. »Dass Nerzen bei lebendigem Leib das Fell abgerissen wird, ist ekelhaft«, sagt er. Tiere, aus denen Lederjacken gemacht werden, würden nicht bei lebendigem Leib gehäutet. (msc)



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