Wirtschaft - Die Grundstücke auf dem interkommunalen Gewerbepark sind gefragt wie noch nie

Unipro wächst und gedeiht

VON IRMGARD WALDERICH

GOMARINGEN. Einen langen Atem hat es gebraucht, aber es hat sich gelohnt. Das interkommunale Gewerbegebiet Unipro nimmt Fahrt auf. Es sind zwar nicht die kleinen Start-up-Unternehmen, von denen die Gründer des Gewerbeparks einmal geträumt haben, dafür aber große Unternehmen aus der Region. Die Nachfrage nach Flächen am Rand von Gomaringen ist mittlerweile so hoch, dass erweitert wird. Das liegt auch daran, dass die Rahmenbedingungen im Gebiet an die Bedürfnisse der Firmen angepasst wurden.

Ein Gründercampus sollte es mal werden. Geschickt gelegen zwischen Tübingen und Reutlingen. Auch an eine Haltestelle der Regionalstadtbahn haben die Planer gedacht, erzählt Dußlingens Bürgermeister Thomas Hölsch, einer von vier Geschäftsführern, und lobt dafür die »Weitsicht der Altvorderen«.

Tübingen witterte Konkurrenz

Die Idee zum interkommunalen Gewerbepark geht auf eine Initiative der Reutlinger Industrie- und Handelskammer zurück. Es war die Zeit der neuen Ökonomie und der Start-up-Unternehmen, erzählt Hölsch. Reutlingen, Gomaringen, Dußlingen und Nehren taten sich schnell zusammen, unterstützt von der Kreissparkasse Reutlingen und der VR Bank Tübingen. Die Unistadt Tübingen zierte sich dagegen. Ihre damalige Oberbürgermeisterin Ursula Russ-Scherer witterte eine mögliche Konkurrenz zum Tübinger Technologiepark Obere Viehweide. Ganz anders die Reutlinger. Die Stadt habe das Gebiet von Anfang an als Investition in die Zukunft gesehen, sagt der Reutlinger Wirtschaftsbürgermeister Alexander Kreher. Mit vergleichbaren interkommunalen Zusammenschlüssen habe Reutlingen nur positive Erfahrungen gemacht, fügt Kreher hinzu und lobt die gute Zusammenarbeit mit Kusterdingen und Kirchentellinsfurt.

Als erste Firma siedelte sich Bowa auf dem neuen Unipro-Gewerbepark an. Das Unternehmen hatte schon vor dem eigentlichen Spatenstich Flächen gekauft. Wenig später kam Digsilent. Beide Firmen wollen im Gewerbepark nun erweitern und haben dafür Flächen dazu gekauft. Nach diesen beiden Pionieren tat sich im Gründercampus lange Zeit nichts. Erst 14 Jahre später entschloss sich die Gomaringer Firma Pflug, von der Robert-Bosch-Straße ins Unipro-Gebiet umzusiedeln. Alles in allem finden rund 300 Menschen derzeit im Gewerbepark Arbeit.

Kaufverträge abgeschlossen

Auch die Schreinerei Pflug will nun erweitern. Mit den Firmen Sebastian Diether Photovoltaik aus Gomaringen, der Nehrener Klempnerei Chris Reith und den Firmen Benz (Pfullingen) und Lotterer (Bad Urach) konnten ebenfalls Kaufverträge abgeschlossen werden.

Wieso die Nachfrage nach Grundstücken plötzlich so stark gestiegen ist, erklärt Bürgermeister Steffen Heß (Gomaringen) mit den immer knapper werdenden Flächen in der Region, aber auch mit der Öffnung des Bebauungsplans für Unipro. Der nämlich wurde vor zwei Jahren geändert und der Nachfrage angepasst.

Die Bandbreite der möglichen Gewerbebetriebe wurde deutlich erweitert. Theoretisch könnten sich hier nun auch Fitnessstudios ansiedeln. Im Gomaringer Gemeinderat wurde das damals kontrovers diskutiert.

Die im Gremium geäußerten Ängste können die Gesellschafter beruhigen. Weder eine Tankstelle noch eine Moschee wird es auf Unipro geben. »Wir haben uns alle vier auf die Fahnen geschrieben, dass wir hier auf Qualität achten«, sagt Nehrens Bürgermeister Egon Betz. Das seien sie auch den schon siedelnden Unternehmen schuldig, die selbst sehr darauf achten, dass der Gewerbepark attraktiv bleibt. Jede Anfrage wird von den Gesellschaftern gemeinsam besprochen und entschieden. Alleingänge gibt es nicht.

Der inhaltlichen Öffnung des Bebauungsplanes folgte die Änderung der Grundstücksgrößen. Einige Querverbindungen und ein geplanter Wendehammer wurden zugunsten größerer Flächen aus dem Plan gestrichen. Und nun soll das 11,8 Hektar große Gewerbegebiet um weitere 4,5 Hektar erweitert werden. Die Erschließung müssen die Gemeinden vorfinanzieren. Aber das Geschäft lohnt sich, sagt Hölsch. Mittlerweile schließe Unipro mit »einer guten schwarzen Null«.

Die voll erschlossenen Grundstücke liegen derzeit bei 75 Euro pro Quadratmeter. Der Verkauf läuft gut. Bis an die Grenzen von Nehren könnte sich Heß das Gewerbegebiet vorstellen. Da aber macht Nehren nicht mit, zerstört Betz die kühnen Träume seines Kollegen. Zwischen Gomaringen und Nehren liegt schließlich das größte keltische Gräberfeld der Region. Und das ist, so Betz, für Nehren »unantastbar«. (GEA)

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