Uniklinik - Der neue Tübinger Studiengang für Pflegeberufe macht’s möglich und dauert dafür vier statt drei Jahre

Uniklinik Tübingen: Kind und Ausbildung vereinen

VON BIRGIT VEY

TÜBINGEN. Die Tübinger Kliniken rechnen mit einer Personallücke: 80 000 Pflegekräfte werden bundesweit bis 2020 fehlen. »Darauf reagieren wir schon heute, indem wir eine Teilzeitausbildung bei den Gesundheits- und Pflegeberufen anbieten«, erklärt Pflegedirektor Klaus Tischler. Bei dieser Lehre reduziert sich der praktische Stundenumfang auf 75 Prozent, dafür dauert sie mit vier Jahren ein Jahr länger als die gängige Ausbildung. Durch die geringere Arbeitszeit soll eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich sein. Willkommen sind ebenso Ältere, die eine Zweitausbildung machen möchten.

Die Ausbildung für Pflegeberufe wird jetzt auch in Teilzeit angeboten.  ARCHIVFOTO: MEV
Die Ausbildung für Pflegeberufe wird jetzt auch in Teilzeit angeboten. ARCHIVFOTO: MEV
Im Oktober startet die erste Teilzeitausbildung für Pflegeberufe, an der bis zu 20 Bewerber teilnehmen können. »Familie und Ausbildung so kombinieren, dass bei diesem Parallelzug beide Seiten zufriedenstellend gelöst sind, sei das Ziel«, erklärt Uwe Krämer, Leiter der Schule für Pflegeberufe.

Alleinerziehende, Elternteile mit Kindern und Menschen, die eine Pflegezeit für Eltern oder Angehörige brauchen, möchte man erreichen. »Auch Menschen ab 50 Jahren passen gut in den Ausbildungsgang«, versichert Dagmar Brendle, Leiterin der Akademie für Bildung und Personalwesen (ABiP). Der Theorie-Unterricht ist wie bisher von 8.15 bis 16.30 Uhr. Dies lasse sich gut mit Zeiten etwa von Kindertageseinrichtungen vereinbaren. Der Unterrichtsumfang von insgesamt 2 230 Stunden entspricht dem der dreijährigen Ausbildung.

Ändern wird sich der praktische Teil. Statt der üblichen 7,7 Stunden verringert sich die Arbeitszeit auf 5,78 Stunden (entspricht 75 Prozent). »Der Schichtbetrieb muss erhalten bleiben, ihn müssen die Auszubildenden erleben«, meint Krämer. Wobei er darauf hinwies, dass es hier für die schon ausgebildeten Kräfte 240 verschiedene Zeitmodelle gebe. »Neu ist, dass wir diese Modelle erstmals bei Auszubildenden einsetzen«, sagt der Schulleiter. Er verspricht außerdem, dass man individuelle Lösung suchen werde. »Wenn jemand am Wochenende nicht arbeiten kann, lässt sich das arrangieren«, so Krämer.

Stunden ansparen

Berücksichtigt sind auch Schulferien. »Die Auszubildenden müssen da für ihre Kinder da sein«, weiß Krämer. Abdecken lässt sich die Auszeit zum einen über den 28-tägigen Urlaub. Zum anderen ist durch den Theorie-Unterricht in üblicher Länge schon ein Mehr an Stunden »angespart« worden. 24 Tage pro Jahr lassen sich aus diesem Konto »abheben«.

Realschulabschluss, Hauptschulabschluss plus Berufsausbildung von zwei Jahren oder Krankenpflegehelfer-Ausbildung sind die Voraussetzungen. In den ersten 16 Monaten werden 793 Euro Bruttolohn gezahlt, im letzten Ausbildungsabschnitt 911 Euro. Danach gibt es eine Jobgarantie – auch als Teilzeitstelle.

Die Gruppe der Mütter, Väter und Pflegenden schätzen Tischler und Krämer. »Ihr Engagement ist besonders hoch und sie haben durch ihre familiären Aufgaben ein bewusstes Auge für andere.« Für sie spreche außerdem, dass ihr Interesse groß sei, hier zu bleiben. »Diese Menschen schauen nicht in der ganzen Republik nach einer Stelle.« Und das ist, was sich Tischler für den Klinikbetrieb wünscht: »Dass wir unsere Mitarbeiter lange hier haben.«

Das neue Angebot ist noch nicht sehr bekannt. Unter den wenigen Bewerbungen ist keine Einzige von einem Mann. Der Männeranteil in Pflegeberufen sei gering. »Er liegt bei 15 Prozent an der Uniklinik – wobei solchen Kliniken schon eine höhere Männerrate haben.« Unter den Bewerberinnen ist eine Frau, die ihre Lehre startete und wegen Schwangerschaft unterbrach. Sie meinte: »Nicht zu 100 Prozent in der Ausbildung zur Verfügung stehen, sondern Zeit zu haben, sich dem Kind zu widmen – das ist die perfekte Lösung.« (GEA)

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