Nachhaltigkeit - Tübingen will als erste Hochschule im Land Vorbild-Funktion übernehmen. Ministerin Tanja Gönner: »Damit sinken auch die Kosten«
Uni auf Umweltkurs
TÜBINGEN. Die Farben der Uni Tübingen sind Blau und Orange. Doch in der nächsten Zeit könnte auch Grün hinzu- kommen. Denn durch ein Umweltmanagementsystem soll effizienter mit Ressourcen wie Wasser, Energie und Papier umgegangen werden. Bis zum Jahr 2011 will man das EMAS-Zertifikat erhalten. Die Abkürzung steht für das »Eco-Management and Audit Schema« und wurde in Europa 1993 entwickelt. Damit wird im Wesentlichen die internationale Umweltmanagement-Norm ISO 14 001 umgesetzt.
Das ursprünglich für Unternehmen gedachte Verfahren soll dabei helfen, die Umweltleistung zu verbessern. In Deutschland sind bereits Hochschulen in Bremen, Paderborn und Dresden zertifiziert. Tübingen wäre die erste Hochschule in Süddeutschland mit einem Zertifikat.
Versprechen eingelöst
»Die Uni Tübingen will damit ganz bewusst eine Vorbildfunktion in Sachen Umweltschutz und Umweltbewusstsein übernehmen«, erklärte Rektor Bernd Engler. Unterstützung bekommt er von Umweltministerin Tanja Gönner (CDU). Die Hochschule schärfe ihr Profil in den Bereichen Umweltschutz und Nachhaltigkeit. »Davon profitiert die Umwelt, gleichzeitig sinken aber auch die laufenden Kosten für Energie, Wasser und Abfall«, so die Ministerin am Dienstag.
Damit löste die Umweltministerin ein im vergangenen Jahr gegebenes Verspreche ein. Bei einer Tagung ging es damals um Strategien für eine nachhaltige Hochschule. Gönner versprach ideelle und finanzielle Unterstützung. Diese brachte Sie jetzt in Form eines Schecks über 20 000 Euro mit. Dieses Geld soll helfen, einen Teil der Kosten für die Zertifizierung zu decken. Der vom Umweltministerium zur Verfügung gestellte Vertrag reicht aber nur für einen Teil der Gesamtkosten. Engler geht davon aus, dass damit rund 30 Prozent der Gesamtkosten gedeckt werden können.
183 Gebäude
Im komplexen Uni-System wurden 15 Handlungsfelder definiert. Dazu gehören Bau- und Flächenmanagement, aber auch Strahlenschutz und Gewerbeabfall. Durch eine Umweltprüfung wurde in diesen Bereichen eine Bestandsaufnahme gemacht und konkrete Ziele definiert. So sollen etwa Verbrauchsmaterialien durch »umweltgerechte Standardartikel« ersetzt werden. Doch wie Kanzler Andreas Rothfuß betonte, ist die Umsetzung keineswegs einfach: »Wir wissen zwar, wie viel Energie wir verbrauchen, aber nicht, wie sich dies auf unsere 183 Gebäude aufteilt«, so Rothfuß.
Dass die Uni sich einen Umweltkurs verordnet hat, zeigt auch eine vom Rektorat verfügte Umweltrichtlinie. Entworfen wurde die Leitlinie von der Hochschulgruppe »Greening the University«. Diese hatte auch die EMAS-Zertifizierung angestoßen. »EMAS stellt eine kontinuierliche Verbesserung sicher«, betonte Lena Keul von der Initiative. (GEA)