Tübinger Neckarabschwimmen: Menschliche Pinguine dem Meer entgegen
TÜBINGEN. »Friert es die da eigentlich nicht, Papa?«, fragte die besorgte kleine Tochter beim Blick auf die vielen Schwimmer im Neckar. »Nein, nein«, entgegnete der beschwichtigend, »die machen sich warme Gedanken.« - »Was für warme Gedanken, Papa?«
Es wird wohl das Geheimnis der über hundert Taucher bleiben, die am gestrigen Dreikönigstag in Tübingen den Neckar hinabgeschwommen sind. Darunter auch Kinder, Frauen und Rentner - die, wie jeder Binnenschiffer weiß - traditionsgemäß vorneweg durften. Der abendliche wortbildliche Fackelstrom bildete den Auftakt zu einer Geburtstagsfeier besonderer Art.
Seit genau vierzig Jahren gibt es in der Freiwilligen Tübinger Feuerwehr eine Tauchergruppe. Seit ihrer Gründung leisten sie sich zu Jahresbeginn das Vergnügen, einmal die Neckarfront abzuschwimmen. Startete man in den Anfangsjahren noch früh am Morgen, war jetzt erstmals ein Badegang in der Dämmerung angesagt. Der nasse Spaß begann am Campingplatz, wo die Hundertschaft aus befreundeten Tauchergruppen und Feuerwehren, darunter die Rettungstaucher der Reutlinger Berufsfeuerwehr und die DLRG-Wasserrettungsgruppe Neckar-Alb, in den Fluss stieg.
Menschlichen Pinguinen gleich, ließen sich die schwimmenden Fackelträger dem Meer entgegentreiben. Eisschollen hatten sich in der flotten Strömung noch nicht gebildet. Allzu weit führte die Strecke aber nicht. An der Eberhardsbrücke war nach gut einer Dreiviertelstunde Schluss. Unter dem Applaus von vielen hundert Schaulustigen stiegen die Neckarabschwimmer aus dem zwei Grad warmen Wasser hinauf auf die drei Minusgrade kalte Platanenallee. Dann ging es via Hallenbad zurück zum Feuerwehrhaus, wo Bürgermeister Michael Lucke das Geburtstagsgeschenk überreichte: einen neuen Gerätewagen. (mey)
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