Kultur - Tribute statt Southside: Mehr Disziplinen, mehr Abwechslung, aber weniger Besucher in Tübingen

Tribute Battle Tübingen: der Hip-Hop-Triathlon

Von Martin Schreier

TÜBINGEN. Aller Anfang ist schwer. Auch die Macher des Tribute-Battles müssen diese Erfahrung machen. Mehrere Jahre in Folge richteten Jugendgemeinderat (JGR) und das Jugendkulturbüro den Southside-Battle aus. Der Tanz-Wettkampf in Tübingen hatte sich etabliert. Die Teilnehmer kamen mitunter aus Italien, Frankreich und Marokko. Und die Menge der Besucher bewies, wie sehr das Event geschätzt wurde.

Körperbeherrschung trifft Rhythmusgefühl: Die Tribute Battle in Tübingen
Körperbeherrschung trifft Rhythmusgefühl: Die Tribute Battle in Tübingen FOTO: Martin Schreier
Der Tribute-Battle kann am Samstag kaum mit Wettkämpfern aus dem Ausland glänzen. Lediglich ein Rapper aus Österreich ist mit von der Partie. Auch in Sachen Besucherzahlen muss sich der neue Wettkampf geschlagen geben. Thomas Reichle vom Jugendkulturbüro zeigt sich selbstkritisch: »Vielleicht haben wir uns ins eigene Fleisch geschnitten.«

Warum musste der bewährte dem neuen Battle Platz machen? Tim Sonnenmoser vom JGR nennt den wohl wichtigsten Grund: Viele von denen, die vormals den Southside konzipiert und ausgerichtet hatten, wollten oder konnten nicht mehr mitmachen. Kein Wunder. Der Jugendgemeinderat wird alle zwei Jahre neu gewählt. Wer zu alt ist, nicht mehr antritt oder nicht wieder gewählt wird, ist halt raus.

Aber reicht das als Grund? Die neuen Macher – neben dem Jugendkulturbüro und dem JGR sind auch noch fünf Experten aus der Szene vertreten – haben sich sehr wohl etwas dabei gedacht. »Wir waren motiviert, etwas Größeres zu machen«, sagt Thuan Quang. Das klingt bei weniger Besuchern zunächst etwas unlogisch. Ist es aber nicht. »Wir wollten drei Kategorien in einem Wettkampf«, beschreibt der 21-Jährige die Idee.

Guter Noten fürs Konzept

Beim Southside-Battle beschränkte sich der Wettkampf auf Breakdance. Außerdem gab es eine Wand, an der sich jeder ohne Wettbewerb im Graffiti ausprobieren konnte. Beim Tribute-Battle hingegen gibt es gleich drei Wettbewerbe, die dann auch noch das gesamte Spektrum des Hip-Hop abdecken: Graffiti, Rap und Tanz. Hinzu kommt noch, dass sich im Tanz gleich drei Disziplinen miteinander messen. Dabei treten immer zwei Gruppen gegeneinander an. Jede Gruppe besteht aus drei Wettkämpfern: Einer tanzt Breaking, ein anderer Popping und wieder ein anderer Newstyle.

Wettstreitende Tanzgruppen in dieser Konstellation zu finden, ist nicht leicht. Trotzdem gibt es am Samstag elf Wettkampfgruppen. Mitunter bilden sich die Gruppen spontan und erst vor Ort. Sophie Guéhoada hat in ihrer Gruppe den Hip-Hop-Newstyle übernommen. »Ich kannte die anderen nicht«, sagt die 17-Jährige über ihre Mitstreiter. Das sei in einem Wettkampf ein Risiko. Aber immerhin haben sie es gemeinsam in die Runde der letzten Acht geschafft.

Was bei einem Vergleich zwischen früherem und aktuellem Wettkampf auffällt: Noch nie sind so viele weibliche Wettkampf-Teilnehmer angetreten wie beim Tribute-Battle. Außerdem trauen sich mehr jüngere Tänzer in den Wettkampfring. Das bezeugt auch Popping-Judge Gianni Esposito. Der Offenburger lobt die gute und offene Atmosphäre in der Panzerhalle. Vom Anfänger bis zum Könner sei alles vertreten gewesen. An dem neuen Format hat er offenbar gefallen gefunden. »Cool, dass alle Hip-Hop-Elemente zusammenkommen.«

Auch bei den Wettkämpfern kommt das neue Battle-Format gut an. Zwar ist auch Raffael Burr aus Backnang nicht entgangen, dass es nicht leicht ist, Tänzer verschiedener Stilrichtungen zusammenzubringen. Andererseits sei das aber auch gut, weil man so neue Leute kennenlernt. »Sonst trifft man auf Battles immer nur Leute, die man ohnehin schon kennt«, sagt der 21-Jährige. Das sieht auch die Newstyle-Tänzerin Larissa Seyboth aus Ludwigsburg ähnlich: »Diese Konstellation bringt mehr Abwechslung.« Das Resümee der 18-Jährigen: »Da können sich andere Battles eine Scheibe abschneiden.« Der Sieger heißt offenbar Tribute-Battle. (GEA)


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Tribute Battle Tübingen

Tribute Battle Tübingen 2014
FOTO: Martin Schreier
 
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