Stadtverkehr - Ab jetzt kann man jedes Wochenende zwei Nächte und einen Tag lang ohne Ticket in Tübingen Bus fahren

Schwarzfahren ist samstags in Tübingen legal

VON JÜRGEN MEYER

TÜBINGEN. Schlechte Zeiten für Schwarzfahrer: Seit dem Wochenende ist das Busfahren im Tübinger Stadtgebiet an allen Samstagen für jedermann umsonst. Der kostenlose Samstagsbus gilt nicht nur in der Unistadt, sondern auch in den allermeisten Teilorten. Das Zeitfenster für das Fahren im öffentlichen Straßenverkehr, ohne ein Ticket bezahlen zu müssen, ist geöffnet zwischen Mitternacht und fünf Uhr am Sonntagmorgen - also 29 Stunden lang.

Symbolische Startfahrt für den kostenlosen Tübus am Samstag: Von rechts Stadtwerke-Geschäftsführer Ortwin Wiebecke, OB Boris Palmer und Landesverkehrsminister Winfried Hermann, (daneben Zufalls-Mitfahrgast Rita Haller-Haid).
Symbolische Startfahrt für den kostenlosen Tübus am Samstag: Von rechts Stadtwerke-Geschäftsführer Ortwin Wiebecke, OB Boris Palmer und Landesverkehrsminister Winfried Hermann, (daneben Zufalls-Mitfahrgast Rita Haller-Haid). FOTO: Jürgen Meyer
Hintergrund: Durch die aufgrund von Salzwasserschäden anstehende Sanierung des Parkhauses Altstadt Mitte (Nonnenhaus) fallen für die nächsten zwanzig Monate 317 Stellplätze in bester Einkaufslage weg. Zwar gibt es im Parkhaus König nach Wegzug der Augenklinik rund 100 Ersatzstellplätze. Die können aber, gerade an den hochfrequentierten Einkaufs- und Veranstaltungs-Samstagen, den Zustrom der motorisierten Tübingen-Besucher nicht gänzlich aufnehmen.

»Dieses Pilotprojekt wird bundesweit für Aufmerksamkeit sorgen«
 

Der Tübinger Gemeinderat hatte deshalb im Januar beschlossen, dem Handel entgegenzukommen und an Samstagen den Tü-Bus im Stadtgebiet ticketfrei anzubieten und dafür 200 000 Euro im Haushalt 2018 bereitgestellt. Wie lange dieses Angebot aufrechterhalten wird, ist noch nicht klar. Stadtwerke-Geschäftsführer Ortwin Wiebecke will vor den Sommerferien »eine Zwischenbilanz ziehen«, um zu bewerten, »wie viele Leute wir mit dem Gratis-Angebot zusätzlich - oder überhaupt - dazu animieren konnten, in die Stadt zu kommen«.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann ließ sich höchstselbst am Starttag für den ticketfreien Stadtbus-Service durch die Stadt kutschieren: »Dieses Pilotprojekt wird bundesweit für Aufmerksamkeit sorgen«, freute er sich. »Ein guter Anfang für unsere Vision, hierzulande eine Mobilitätsgarantie zu schaffen.« Zunächst arbeite sein Ministerium an der Vorlage für ein Landesgesetz, die es Kommunen wie Tübingen erlaube, solche Projekte mit einer Nahverkehrsabgabe gegenzufinanzieren.

Oberbürgermeister Boris Palmer, der sich schon seit Jahren einen »Tübus umsonst« für das ganze Jahr wünscht, erhofft sich deshalb von der Aktion großen Zuspruch durch die Bevölkerung. »Wenn künftig mehr Leute Bus fahren, wird es weniger Autoverkehr und damit leerere Straßen und weniger Schadstoffe in der Stadt geben«.

Die geschätzten rund 14,5 Millionen Euro, die ein ganzjähriger kostenloser Busverkehr - samt Aufstockung der Tübus-Flotte - kosten würde, könnten über eine Abgabe von monatlich 15 Euro pro Bürger finanziert werden, was dem Gegenwert sechs Einzeltickets entspricht. »Das wäre selbst für Hartz-4-Bezieher von Vorteil, weil ihr Verkehrsmittelzuschuss bei 18 Euro liegt.«

Hermann verwies auf Frankreich: »Die sind uns da voraus. Dort zahlen die Arbeitgeber die Abgabe aufs Gehalt.« Naldo-Sprecher Dieter Pfeffer zeigte sich schon mal optimistisch: »Das hat gut angefangen. Nur, viele Fahrgäste lesen offenbar keine Zeitung - und haben ihre Tickets im Busautomaten gelöst, bevor der Fahrer einschreiten konnte«. (GEA)

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