Tübingen
Bildung - Neubau kostet vier Millionen Euro. Kusterdinger Gemeinderat diskutiert die Finanzierung eines Gymnasiums

Schüler sparen eine Stunde Fahrtzeit

VON INES STÖHR

KUSTERDINGEN. Die Gründung einer Außenstelle des Firstwaldgymnasiums hat der Kusterdinger Gemeinderat am Mittwoch bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen beschlossen. Die Schulstiftung der evangelischen Kirche erhält als Träger und Bauherr einen kommunalen Zuschuss in Höhe der Nettobaukosten. Den zahlt die Stiftung der Gemeinde als jährliche »Miete« in Höhe von vier Prozent langfristig ab.

Der ohne Landeszuschüsse rund vier Millionen Euro teure Neubau soll in zwei Abschnitten neben der August-Lämmle-Schule entstehen. Das steht ohnehin für eine Schulerweiterung im Bebauungsplan und dem Schulträger kostenlos zur Verfügung. Beim Schulbau wirkt die Gemeinde mit, Kusterdinger Kinder werden bei der Belegung der Plätze vorrangig behandelt. 430 Schüler verlassen Kusterdingen täglich, um in den Nachbargemeinden ein Gymnasium zu besuchen. 16 Jugendliche von den Härten werden am Firstwald in Mössingen unterrichtet.

Mit einem eigenen Gymnasium »ersparen wir unseren Kindern mindestens eine Stunde Fahrtzeit jeden Tag«, nannte Bürgermeister Jürgen Soltau einen Vorteil. »Zeit, die sie am liebsten in unseren Vereinen nutzen. Das ist die wirksamste Gegenmaßnahme, dass die Vereine leerbluten.« Außerdem sei es wichtiger Standortfaktor für die Gemeinde, eine weiterführende Schule zu haben.

Vorerst keine Landeszuschüsse

Die Eckpunkte der Finanzierung standen am Mittwoch auf der Tagesordnung. Da das Gymnasium in den ersten drei Jahren als neue Schule keine Landeszuschüsse bekommt, soll der Betrieb einzügig und möglichst bereits 2011/2012 in den Räumen der August-Lämmle-Schule starten. Das sei kein Problem, versicherte der kaufmännische Geschäftsführer der Schulstiftung Hans-Jürgen Schülzle. Die Kosten für den Unterricht liegen dann bei rund 400 000 Euro für die ersten drei Jahre. »Da müssen Sponsoren gesucht werden.«

Ab dem vierten Jahr übernimmt das Land 76 Prozent der Kosten, der Rest muss übers Schulgeld finanziert werden, das heißt zwischen 100 und 170 Euro pro Schüler im Monat. In Bayern trägt das Land die Gesamtkosten auch für Privatschulen, ergänzte Michael Sohn, pädagogischer Geschäftsführer. Wenn das in Baden-Württemberg auch der Fall wäre, bräuchte man die Elternbeiträge nicht.

Einige Räte hatten zu bedenken gegeben, dass es nicht Aufgabe der Gemeinde sei, eine Privatschule zu unterstützen. »Seit Jahren zeichnet sich ab, dass der Bestand der Hauptschule durch rückläufige Schülerzahlen gefährdet ist«, erinnerte Alfred Lumpp (FWV), ehemaliger Gymnasiumsrektor in Tübingen. »Jetzt haben wir die Chance, den Schulstandort nicht nur zu sichern, sondern aufzuwerten. Viele Gemeinden machen ihre Schulen dicht, in Kusterdingen könnte man leer stehende Räume neu nutzen.«

Günter Walker (FWV) meinte: »Wir können uns das finanziell nicht leisten und hinterlassen kommenden Generationen ein Desaster.« Dem widersprach der Bürgermeister. Die Schule würde die Gemeinde im Jahr 100 000 Euro kosten, wenn alles fertig ist. Durch die Anhebung der Grundsteuer habe man Mehreinnahmen, die diese Ausgaben decken. Darüber hinaus stehe die Gemeinde finanziell besser da, als im Haushaltsentwurf angenommen. Die Zuführungsrate werde mit rund einer Millionen Euro doppelt so hoch ausfallen wie kalkuliert, erklärte Kämmerin Ulrike Durst-Nerz.

Bauhof hat Priorität

Susanne Bailer teilte die finanziellen Vorbehalte ihres Fraktionskollegen. »Aber ich sehe auch die pädagogischen Probleme an unserer Schule.« Da sei bei den staatlichen Schulen keine Änderung abzusehen. Mit dem Firstwaldgymnasium biete sich ein neues Konzept. »Manche Chancen ergeben sich nur einmal im Leben«, so Friedrich Braun (FWV) und zieht die Wiedervereinigung als Vergleich heran. Er mahnte aber auch, andere Projekte wie den Bauhof nicht zu vergessen. Andreas Bauer (FWV) will vor einem Neubau die Entwicklung der Werkrealschule abwarten. Ein finanzielles Gesamtkonzept soll nach der Sommerpause vorliegen. (GEA)

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