Feiern - Tübinger Kreisfeuerwehrtag, 150. Geburtstag der Dußlinger Abteilung und Übergabe des neuen Magazins
Retten, löschen, bergen - feiern
Von Jürgen Meyer
DUSSLINGEN/TÜBINGEN. Eine Gemeinde sieht rot - drei Tage lang. Und das aus drei guten Gründen: Dußlingens Feuerwehr feierte ihren 150sten Geburtstag und die zeitgleiche Fertigstellung des neuen, repräsentativen Magazins am Ortseingang. Zum Festwochenende dazu gesellt hat sich der Tübinger Feuerwehrverband, der auf den Tag genau vor sechzig Jahren sein erstes »Familientreffen« eben hier in Dußlingen abgehalten hat. In den 15 Städten und Gemeinden mit ihren Teilorten sind 1 820 ehrenamtliche Feuerwehrhelfer im Dienst.
Fahnenträger aller Tübinger Wehren führten gestern den Umzug beim Kreisfeuerwehrtag durch Dußlingen an.
FOTO: Jürgen Meyer
Das jährliche Treffen ist Präsentation, Leistungsschau und Kameradschaftspflege in einem. Über 3 500 Einsätze haben die Retter im letzten Jahr abgeleistet, bilanzierte Kreisbrandmeister Karl Hermann beim Festakt. Dabei konnten über hundert Menschen aus Notsituationen gerettet werden; allein rund 600 Brände wurden gelöscht. »Im Kreis Tübingen hat noch jeder Ort seine eigene Feuerwehr« sagte der Verbandschef vor mehreren Hundert Zuhörern und zahlreichen, auch internationalen Ehrengästen im neuen Domizil der Dußlinger Wehr. Das Gebäude mit dem Festzelt und die benachbarten Sportplätze waren Dreh- und Angelpunkt der vielen Aktionen des Kreisfeuerwehrtages.
Beeindruckender Höhepunkt war der große Festumzug am Sonntag durch den alten Dorfkern, den Tausende von Zuschauern verfolgten. Wegen der Großbaustelle der Bundesstraße hatten es Gäste wie Akteure allerdings oftmals nicht leicht, den richtigen Weg durch die vielen gesperrten Straßen und Sackgassen zu finden.
Große Kinderaugen
Der Zug der rund sechshundert Feuerwehrleute durch die Jubiläumsgemeinde ging in mehreren Blöcken, jeweils angeführt von einer Musikkapelle, von statten. Vorneweg marschierten die Fahnenträger aller Abteilungen mit ihren historischen Standarten. Dann die Jugend: Stolz trugen die Repräsentanten der 14 Nachwuchswehren Steckleitern im Team durch die von Schaulustigen gut gesäumten Dorfstraßen.
Ihnen folgte der technisch-geschichtliche Teil: Die vorbeigeführten Spritzen zeigten, wie sich das Löschwesen entwickelt hat. Schließlich marschierten drei Hundertschaften von Uniformträgern aus den Löschbezirken Mössingen, Tübingen und Rottenburg durch die Reihen der applaudierenden Zuschauer. Vor allem große Kinderaugen gab es dann beim Fahrzeugkorso, in dem sich zehn Oldtimer-Einsatzwagen aus dem Kreis neben den modernsten Fahrzeugen präsentierten. Sehr bremsen musste sich die Ammerbucher Rennfahrerin Steffi Halm, die am Steuer eines betagten Löschfahrzeuges Baujahr 1926 saß.
Nicht trödeln durften indessen die 31 Feuerwehrgruppen, rund 250 Männer und Frauen, die zwei Tage lang die Prüfungen zu einem der drei gestuften Leistungsabzeichen machten. Diese Übungen sind wichtiger Teil der Fortbildung. »Sie dienen dazu, durch intensives Training die notwendige Sicherheit im Einsatz zu erlangen«, so Kreisbrandmeister Hermann. Auch Gruppen aus Riederich, Stuttgart, Rottweil und Vorarlberg machten mit. Die weiteste Anreise hatte allerdings Dußlingens Partnerwehr Mezzocorona aus dem Trentino. Die Italiener beeindruckten mit einer akrobatischen Leiterübung.
Feuerwehrhaus ist eine Pracht
Zur feierlichen Einweihung des fast drei Millionen Euro teuren Feuerwehrhauses war auch ein Musikkorps aus Sélestat-Erstein (Elsass) angereist. Beide Gastgruppen wirkten beim Großen Zapfenstreich auf dem Sportplatz mit.
Landrat Joachim Walter beglückwünschte die Dußlinger zu dem Prachtbau: »Mit dem Tunnel und der chemischen Fabrik haben sie besondere Gefahrenquellen vor der Haustüre.« Eine Kameradin wirkt bei der Dußlinger Wehr mit. Walter animierte die weiblichen Gäste, ebenfalls bei der Feuerwehr mitzumachen: »Frauen an den Brandherd«.
Kommandant Günter Keinath, dessen 40 Aktive im letzten Jahre eben so viele Einsätze zu bewältigen hatten - tagsüber zusammen mit der Nachbarwehr Nehren - skizzierte die Geschichte seiner Abteilung nach. Bürgermeister Thomas Hölsch und Architekt Afshin Arabzadeh stellten das neue Gebäude vor: »Wir sind auf den letzten Drücker fertig geworden: Hinten sind die Handwerker raus, und vorne schon die ersten Gäste rein.«
Bernhard Schick, Lothar Raid, Roland Kürner und Bruno Edel wurden vom Verband für ihre Verdienste in der Führungsarbeit hoch dekoriert. (GEA)
150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Dusslingen
FOTO: Jürgen Meyer